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Schlechinger Helferkreis: »Wir haben nicht gerne aufgehört«

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Gemeinsam haben die  Flüchtlinge  in den letzten Wochen während des Ramadans im Schlechinger Jugendtreff gekocht. (Foto: Artes)

Schleching – Auch wenn der Helferkreis in Schleching nicht mehr offiziell aktiv ist (wir berichteten), ganz auf sich alleine gestellt sind die Asylbewerber noch nicht. Ex-Helferkreis-Vorsitzende Anika Hempel sowie einige weitere Ehrenamtliche sind während des Ramadans fast täglich für die jungen Männer da und unterstützen sie. Gerne würden sie die Arbeit auch offiziell wieder aufnehmen, aber es müsste sich einiges ändern.


Als der muslimische Fastenmonat, der Ramadan, vor einem Monat losging, war der Helferkreis noch aktiv. Er stellte den Flüchtlingen den Schlechinger Jugendraum zur Verfügung, damit sie selbst kochen können, was in ihrer Unterkunft, dem Gasthof Kampenwand, nicht möglich ist. Im Jugendraum haben die jungen Männer seitdem jeden Nachmittag fleißig Gemüse geschnitten, in großen Töpfen gekocht und gebraten. Ein Helfer fuhr sie dann am Abend zurück zur Unterkunft, wo sie nachts alles essen konnten, so Anika Hempel.

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Bei einem Besuch des Traunsteiner Tagblatts in Schleching wurde deutlich, wie eng der Kontakt der jungen Flüchtlinge zu den Mitgliedern des ehemaligen Helferkreises ist, zu denen sie seit ihrer Ankunft vor einem Jahr eine Vertrauensbasis aufgebaut haben. Herzlich empfingen die jungen Männer Anika Hempel, als sie beim Kochen vorbei kam, boten ihr sofort etwas zum Probieren an.

Die 31-Jährige erzählte noch einmal, wie es zur Auflösung des Helferkreises kam: »Wir haben nicht gerne aufgehört, sondern hätten liebend gerne weitergemacht.« Immer wieder habe es allerdings Probleme mit dem Wirtsehepaar gegeben: Die Flüchtlinge haben sich beim Helferkreis beschwert. »Wenn die Flüchtlinge zu uns kommen und sagen 'es geht uns schlecht' und diese Punkte in unseren Augen berechtigt sind, dann wollen wir natürlich etwas bewegen«, so die 31-Jährige. Sonderwunsch-Erfüller seien die Helfer allerdings nicht.

Beschwerden gab es, weil die Flüchtlinge in ihrer Unterkunft zum Beispiel keinen Besuch empfangen dürften, einen Kühlschrank im Zimmer erlaube Wirt Josef Beck nicht. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte er vor einer Woche gesagt: »Sie kennen diese Geräte gar nicht und wissen nicht, wie man sie sauber hält.« Außerdem habe er schlechte Erfahrungen mit Kühlschränken auf Zimmern gemacht. Alle Gespräche, doch noch eine Lösung zu finden, endeten letztendlich im Streit.

Doch auch mit dem Landratsamt und der Diakonie funktionierte die Zusammenarbeit seit einiger Zeit nicht mehr. »Vom Landratsamt werden Abmahnungen verschickt, die die Flüchtlinge gar nicht verstehen«, so Anika Hempel. So sollte einem der Schlechinger Asylbewerbern das Taschengeld gekürzt werden, weil er sich nicht an die Hausordnung in der Asylunterkunft gehalten haben soll. Ein anderer Flüchtling wurde laut Helferkreis offenbar willkürlich von Schleching nach Bergen versetzt. All dies führte schließlich dazu, dass die Helfer keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit sahen und diese niederlegten.

Das hat auch Konsequenzen für die Flüchtlinge: Seit fast zwei Wochen haben sie nun keinen Deutschunterricht mehr und vertreiben sich den Tag am Fußballplatz oder auf dem Dorfplatz. Gerne würden sie aber wieder Unterricht haben, berichten die Flüchtlinge im Gespräch mit unserer Zeitung – und fügen hinzu: »Wir wollen keinen anderen Helferkreis.«

»Der Landrat ist immer für ein Gespräch bereit«

Gerne würden die Ehrenamtlichen die Arbeit wieder offiziell aufnehmen. »Jeder möchte weitermachen«, so Anika Hempel, derzeit fehle allerdings die Motivation. Um die Arbeit fortzusetzen »brauchen wir Signale von außen, bestimmte Rahmenbedingungen müssten sich ändern«, so die 31-Jährige. Damit meint sie die Zusammenarbeit mit Wirt, Diakonie und Landratsamt. Schön wäre es laut Hempel, wenn Landrat Siegfried Walch selbst einmal nach Schleching kommen und mit den Flüchtlingen und dem Helferkreis reden würde. »Der Landrat ist immer für ein Gespräch bereit«, sagt dazu Landratsamt-Pressesprecher Roman Schneider. jar