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Schirme auf dem Rathausplatz sollen bleiben

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»Viel Schatten spenden sie nicht. Die Bäume waren besser.« Diese Feststellung machte eine Familie aus Trostberg, die es sich unter den Funktionsschirmen am Traunreuter Rathausplatz gemütlich machte. Die in der Bevölkerung umstrittenen Schirme sollen auch eine Zukunft haben. Bei der Festlegung der Eckpunkte für die Umgestaltung des Rathausplatzes hat sich der Stadtrat für den Erhalt der fünf Schirme ausgesprochen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Die in der Bevölkerung umstrittenen Funktionsschirme am Traunreuter Rathausplatz sollen eine Zukunft haben. Darauf verständigte sich der Stadtrat in der Debatte um die Umgestaltung des Platzes im Rahmen der Städtebauförderung. 16 Ratsmitglieder sprachen sich für den Erhalt der Schirme aus, neun dagegen.


Eine Entfernung der fünf Schirme hätte bedeutet, dass die Stadt rund 15 000 Euro Fördergelder zurückzahlen müsste. Die Schirme waren vor rund zehn Jahren im Zuge der Stadtplatzsanierung im Rahmen der Städtebauförderung mit 25 000 Euro bezuschusst worden. Bei einer Förderlaufzeit von 25 Jahren hätte die Regierung von Oberbayern die Fördermittel abzüglich der zehn Jahre aller Wahrscheinlichkeit zurückgefordert.

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»Die 15 000 Euro tun uns nicht so weh«

Während Dr. Michael Elsen (CSU) sich ganz klar gegen eine Zurückzahlung von Fördermitteln aussprach, plädierte Gretl Gineiger (Grüne) dafür, die Schirme zu entfernen und die verlorene Förderung in Kauf zu nehmen. »Die 15 000 Euro tun uns nicht so weh.« Nach Ansicht von Sepp Winkler (Bürgerliste) hätten die Schirme nie eine Chance gehabt. Er wies darauf hin, dass diese auch ein Teil des Beleuchtungskonzepts des Stadtplatzes seien. Insofern würde eine Entfernung der Schirme eine Ersatzbeleuchtung erfordern. Deshalb: »Lass mas!« »Ich bin kein Fan von den Schirmen, aber ersatzlos streichen ist ein Blödsinn«, sagte Andrea Haslwanter (CSU). Auch ihr Fraktionskollege Johann Jobst und Herbert Kusstatscher (SPD) sprachen sich für den Erhalt der Schirme aus.

Jobst wollte noch wissen, wie teuer eine Installation (Hülsen) käme, um die Schirme bei Bedarf herauszunehmen. Nach Angaben von Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann seien die 380 Kilogramm schweren Schirme fest einbetoniert. Eine Metallplatte einzuschweißen sei zwar denkbar aber äußerst aufwändig und kostspielig. Deshalb wurde auch bei einer Gegenstimme beschlossen, keine neuen Fundamente und Hülsen für herausnehmbare Schirme zu installieren. Gätzschmann verwahrte sich auch gegen die Aussage von Christian Gerer (CSU), der den damaligen Stadtplaner Fritz Hubert bezichtigte, die Schirme »in Eigenregie durchgedrückt« zu haben. »Das war keine Eigenentscheidung des Stadtplaners. Der Stadtrat hat die Schirme mit großer Mehrheit beschlossen«, klärte Gätzschmann auf.

Kontrovers diskutiert wurde auch über die beiden Bäume, die im südlichen Platzbereich im Rahmen des Projekts »Eichenpflanzung zur Ehren von Joseph Beuys« gepflanzt werden sollen. Die Mehrheit vertrat die Ansicht, dass durch eine Neupflanzung viel Fläche verloren gehe und damit die Flexibilität des Platzes eingeschränkt werde. Die Funktionalität des Platzes sei schon entscheidend. »Für die Beuys-Eichen finden wir auch einen anderen Platz«, meinte Sepp Winkler. Johannes Danner (Bürgerliste) riet von einer Bepflanzung aus einem ganz anderen Blickwinkel ab. Er wies darauf hin, dass beiden Eichen die Sichtachse der beiden Kirchen (katholische und evangelische Kirche) beeinträchtigen beziehungsweise den Durchblick verstellen würden. Für ein neues Grün auf dem Stadtplatz sprachen sich Martin Czepan (Grüne) und Konrad Unterstein (FW) aus. »Die Bäume werten den Platz auf, was auch die Leute wollen«, erklärte Unterstein. Nachdem Christian Gerer auch aus Gründen der Flexibilität des Platzes vorschlug, nur einen Baum zu pflanzen, wurde der Beschlussvorschlag, der auch von der Lenkungsgruppe empfohlen wurde (wir berichteten), zweigeteilt. 17 Stadträte und damit die Mehrheit, sprachen sich für einen Baum aus. Der Vorschlag, zwei Bäume zu pflanzen, wurde knapp abgelehnt.

Einig war sich das Gremium darüber, die Konstruktion der Ruhebänke auf der Westseite des Platzes zu ändern. Die jetzt fest montierten Bänke sollen künftig herausnehmbar sein. Die Empfehlung der Lenkungsgruppe, im Bereich der Marienstraße zusätzliche Fahrradständer sowie eine E-Bike-Ladestation und Flächen für Motorräder vorzuhalten, wurde nicht mitgetragen. Hier einigte man sich mit großer Mehrheit darauf, die mobilen Fahrradständer und die Stellflächen für Motorräder im Bereich der Marienstraße vorzuhalten und die E-Bike-Ladestation auf die Rathausseite im Bereich der öffentlichen WC-Anlagen zu verlegen.

Beton- statt Steinwüste?

In der Diskussion um die Änderung der Platzoberfläche im südlichen Bereich war man sich ziemlich einig, die jetzige, sogenannte wassergebundene Decke gegen einen anderen Belag auszutauschen, etwa durch ein Pflaster. Bürgermeister Klaus Ritter wies darauf hin, dass jetzt noch nicht festgelegt werden müsse, welcher Belag letztendlich aufgebracht werde. »Es ist alles möglich«, sagte Ritter. Konrad Unterstein warnte: »Wenn wir jetzt alles zupflastern, müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, aus einer Steinwüste eine Betonwüste gemacht zu haben.« Konsequent für eine Pflasterung des Platzes sprach sich Ernst Biermaier (FW) aus. Die Maßnahme sei auch aus hygienischen Gründen unverzichtbar, forderte Biermaier. Der Beschlussvorschlag, die Flächen beiderseits des bereits gepflasterten Bereichs zu befestigen, wurde mit 22 zu 4 Stimmen mitgetragen.

Die beschlossenen Eckpunkte sollen jetzt in eine Planung einfließen, die dann bei der Regierung von Oberbayern einzureichen und von dieser zu genehmigen ist. Außerdem muss der frühere Stadtplaner Fritz Hubert seine Zustimmung erteilen. Hubert, der vor mehr als zehn Jahren den Umbau des Stadtplatzes geplant hat, besitzt als Planer das Urheberrecht. ga