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Sanierung und Erweiterung der Turnhalle wird deutlich teurer

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Die Teisendorfer Turnhalle ist in die Jahre gekommen und soll nun für die nächsten Jahrzehnte ertüchtigt werden. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Die Generalsanierung und Erweiterung der Teisendorfer Turnhalle wird teurer: Im April hatte das beauftragte Freilassinger Architekturbüro Bernhard Putzhammer die Gesamtkosten noch auf rund 4,1 Millionen Euro geschätzt. Die nun vorgelegte Kostenberechnung sieht eine Million mehr vor. Nach einer langen Debatte über Einspar-Potenziale entschied sich der Gemeinderat nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung mit knapper Mehrheit von zehn zu acht Stimmen dafür, trotzdem eine Zuschauergalerie zu bauen.


Baubeginn ist für Pfingsten 2016 geplant

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Im April hatte sich das Gremium für die Variante mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis entschieden. Nach Abzug der Förderung in Höhe von angenommenen 59 Prozent wären gut 2,1 Millionen Euro Eigenanteil für den Markt geblieben. Die 20 Prozent Kostensteigerung begründete Bernhard Putzhammer damit, dass es sich damals um eine Kostenschätzung gehandelt habe, nun aber eine genaue Kostenberechnung nach Einzelgewerken erstellt worden sei. Teurer werde der Bau vor allem, weil das bestehende Tragwerk zusätzliche Lasten nicht aufnehmen kann und daher verstärkt werden muss, und weil sich der umbaute Raum um 600 bis 700 Kubikmeter vergrößere.

Noch im August sollen Eingabeplanung und Förderantrag fertiggestellt werden. Bis Mitte November erhofft der Architekt den positiven Förderbescheid. Danach sind die Ausschreibungen geplant. Bis Anfang April werden die Angebote erwartet und der Gemeinderat wird die Leistungen vergeben. Die Bauphase ist von Pfingsten 2016 bis September 2017 geplant.

Die neuen Bruttokosten veranschlagte Putzhammer mit 5,12 Millionen Euro. Er machte verschiedene Einspar-Vorschläge. Wären alle umgesetzt worden, hätten sich die Kosten von knapp 580 000 Euro auf rund 4,54 Millionen Euro verringert. Für den meisten Zündstoff sorgte der Vorschlag, die Zuschauergalerie zu streichen. Dies hätte bei gleichzeitiger Verlegung der Lüftungszentrale vom Obergeschoß in den Keller und Streichung des Aufzugs, der später außen angebaut werden könnte, 475 000 Euro Ersparnis gebracht.

Bürgermeister Thomas Gasser riet dazu, einerseits sei zu bedenken, dass die Generalsanierung die Halle für die nächsten 25 Jahre ertüchtigen soll, andererseits aber auch die, den Haushalt belastenden, hohen Kosten zu sehen. Vorgespräche mit den Hallennutzern hätten gezeigt, dass eine Tribüne zwar schön wäre, aber nicht notwendig für den Schul- und Vereinssport sei.

Gemeinde hat noch acht Millionen Euro Schulden

Johann Niederstraßer (FWG) wollte wissen, ob bei den neuen Kosten wirklich alles dabei ist, auch sämtliche Planungskosten und die Statikprüfung, was Putzhammer bejahte. Alle Redner zeigten sich überrascht von dem Kostensprung. Einige waren daher bereit, auf die nicht unbedingt erforderliche Tribüne zu verzichten, darunter Dritter Bürgermeister Gernot Daxer (CSU). »Wir bauen keine Mehrzweckhalle, sondern eine Schulturnhalle«, betonte er. Für Edwin Hertlein (Grüne) ist es »bei der dramatischen Kostensteigerung legitim, übers Abspecken nachzudenken«. Man sei halt kein Ort wie Burghausen mit hohen Gewerbesteuereinnahmen. Die Gemeinde habe immer noch acht Millionen Euro Schulden. Wenn es so gut weitergehe wie 2013, wo nun ein positiver Jahresabschluss vorgelegt wurde, sei man bald schuldenfrei.

Hans Rauscher (SPD) warnte davor, »herumzustückeln«. Eine Galerie sei im Jahr 2015 angemessen. Sein Fraktionskollege Georg Quentin nannte es »unzumutbar«, wie beengt die Zuschauer bei öffentlichen Veranstaltungen, zum Beispiel von der Turnabteilung, am Hallenrand stehen müssen. Die Galerie habe ihm sehr gut gefallen. »Wir bauen doch für die nächsten 25, 30 Jahre«, appellierte er an die Runde, und wolle auch den Schulstandort sichern. Die Galerie sei auch gut für sportliche Aufführungen von Schülern, wo andere Klassen zuschauen sollen. Er riet, das Konzept zu lassen, auch den Aufzug. Irgendwann komme dieser durch den Druck der Öffentlichkeit sowieso, wie sich auch am neuen Schulhaus Oberteisendorf gezeigt habe.

Hans Niederstraßer erwähnte, die Gemeinde habe für das Gesamtkonzept Schulsanierung über zehn Millionen Euro investiert und Vorbildliches geschaffen, auch mit der neuen Schule Oberteisendorf. »Jetzt, wo wir auf der Zielgeraden sind, fangen wir mit dem Kasperltheater an«, kritisierte er heftig. Überall habe man einen Mercedes hingestellt und baue nun einen Goggo. Andreas Neumeier (CSU) nannte die Tribüne eine »historische Chance«, es sei »Wahnsinn«, diese zu vergeben.

Zweiter Bürgermeister Norbert Schader (FWG) warb dafür, das erarbeitete »optimale Grundprinzip« zu belassen. Wie Elisabeth Aschauer (Grüne) schlug er vor, dass die Vereine – neben dem Alpenverein auch der TSV Teisendorf – einen Beitrag leisten. Um die für den Gemeindehaushalt verbleibenden 2,6 Millionen Euro zu mindern, könne man eventuell noch Sponsoren suchen. Anita Niederstraßer (FWG) erinnerte an die Pflicht, öffentliche Gebäude barrierefrei zu gestalten. Dass Rollstuhlfahrer aus der Schule den dortigen Aufzug nutzen können, reicht ihr nicht.

Nur kleinere Einsparungen waren möglich

Einstimmig beschlossen die Gemeinderäte kleinere Einsparungen in Höhe von 42 000 Euro, indem im Bücherlager und Mehrzweckraum auf die abgehängten Decken verzichtet wird und die Fenster im Mehrzweckraum bleiben. Ebenfalls beschlossene, neue kompakte Umkleiden mit Duschen im Neubaubereich bringen eine weitere, noch nicht genau bezifferte, Ersparnis. vm