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Sanierung des alten Schulhauses weit teurer als ein Neubau

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Das alte Schulhaus wird weichen müssen. Hier könnten dann die Parkflächen für das neue Rathaus entstehen. Das neue Rathaus würde nach den ersten Planungen nach dem Abbruch des alten Schulhauses und des Feuerwehrhauses weiter nach vorne in Richtung Straße rücken. (Foto: T. Eder)

Übersee – Die Gemeinde Übersee bekommt ein neues Rathaus. Ursprünglich war geplant, das alte Feuerwehrhaus abzureißen, das alte Schulhaus für die Nutzung als Rathaus zu sanieren und das jetzige Rathaus zum Bürgerhaus umzubauen, erklärte Bürgermeister Marc Nitschke im Gemeinderat. Nachdem nun aber das alte Schulhaus erhebliche Baumängel hat, musste man sich von diesem Gedanken verabschieden. Eine Sanierung wäre rund eine halbe Million Euro teuer als der Neubau.


Statiker Reinhard Wierer vom gleichnamigen Ingenieurbüro informierte, dass der rechte Teil des alten Schulhauses von 1888 bis 1890 errichtet worden ist. Der linke Anbau war 22 Jahre später hinzugekommen. Dies habe Auswirkungen auf das Fundament, denn das ältere Gebäude hatte während des Baus zwei Jahre Zeit sich zu setzen, während der Anbau auf einem nicht verdichteten Boden errichtet wurde. Ein langer Riss zwischen den Gebäudeteilen zeuge von unterschiedlichen Setzungen. Das Fundament sei laut Wierer ohnehin ein Problem und verdiene den Namen nicht, da noch nicht einmal eine Kiesschüttung darunter sei.

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Aber auch das Gebäude an sich habe Baumängel. Überall seien Risse. Zudem sei das Gebäude nicht unterkellert, was Feuchtigkeit bedeute. Ferner erklärte Wierer, dass die letzte Holzdecke direkt am Dachaufbau hänge. Die Holzbalkendecken in den Geschoßen hängen bis zu 14 Zentimeter durch. Das Schwingungsverhalten sei äußerst negativ.

Das alte Gebäude entspreche nicht den heutigen Vorschriften, so Wierer. Unverändert genutzt dürfe es wohl weiter stehen bleiben. Wenn aber das Schulhaus in ein Rathaus umgewandelt werde, falle diese Privilegierung weg. Viele Bauteile müssten verstärkt werden und auch das Fundament müsste neu gebaut werden. »Ohne es ideell zu betrachten, ist die Haussubstanz es nicht wert, hier Geld hinzustecken«, resümierte Statiker Reinhard Wierer.

Noch deutlicher brachten es die Architekten der Planungsgruppe Strasser, Simon Bauer und Gerhard Hajer, auf den Punkt. Bauer betonte, dass das Gebäude komplett entkernt werden müsste, sämtliche Decken sowie auch das Dach neu erstellt und das Fundament unterfangen werden müssten. Ein Rathausneubau würde rund drei Millionen kosten. Nach den vorliegenden Ergebnissen würde die Gebäudesanierung der alten Schule voraussichtlich 500 000 Euro mehr kosten.

Bauer stellte dann mehrere Varianten für den Standort des neuen Rathauses vor. Letztendlich entschied sich der Gemeinderat für die Möglichkeit, das Rathaus weiter an die Straße zu bauen auf dem Gelände des alten Schulhauses und des Feuerwehrhauses. Vor dem Neubau könnten Kurzzeitparkplätze gebaut werden. Weitere Parkplätze sind zwischen dem jetzigen Rathaus und der Schule denkbar. Im Keller des Neubaus könnte das Archiv und im Dachgeschoß der Sitzungssaal untergebracht werden. Von der Straße aus wäre dann das Rathaus auch zu sehen. Vom Gebäude aus hätte man einen Blick auf das alte Rathaus und die Kirche.

Es sei der Wunsch aller gewesen, das alte Schulhaus zu erhalten, sagte Wolfgang Hofmann. So bitter es sei, müsse man sich von diesem Gedanken verabschieden. Ihm seien es nun aber zu viele Parkplätze. Herbert Strauch hingegen würde an der Zahl der Parkplätze auch im Hinblick auf den Betrieb in der Turnhalle festhalten.

Anton Stefanutti (Grüne) meinte, auch wenn das Herz an dem alten Haus hänge, sprechen doch die Zahlen gegen einen Erhalt. Die neue Lösung gefalle ihm gut, zumal auch für die Schulkinder die Situation verbessert werde. Außerdem sei es laut Stefanutti an der Zeit, die Bevölkerung einzubeziehen, zumal die Planung das Ortsbild über Jahrzehnte prägen wird. Laut Nitschke ist vorgesehen, in den nächsten Wochen eine Bürgerinformation zu bieten. tb