weather-image
20°

Sachschaden war so hoch wie die Beute

2.3
2.3
Bildtext einblenden
Das Amtsgericht Traunstein verurteilte zwei Männer zu Freiheitsstrafen. Sie hatten das Fenster einer Gaststätte in Inzell aufgehebelt und über 1000 Euro gestohlen.

Traunstein – Tränen im »letzten Wort« halfen zwei 33 und 24 Jahre alten rumänischen Angeklagten nichts: Das Amtsgericht Traunstein mit Richterin Sandra Sauer verurteilte die beiden wegen Diebstahls und Sachbeschädigung beziehungsweise Beihilfe dazu zu Freiheitsstrafen.


Der Ältere war am 10. Mai 2015 gegen 4 Uhr früh in eine Gaststätte in Inzell eingebrochen, der Jüngere hatte Schmiere gestanden. Der in mehreren europäischen Ländern vorbestrafte, 33-jährige Haupttäter muss für 15 Monate hinter Gitter. Der 24-Jährige kam mit acht Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, davon.

Anzeige

Mit Schraubenzieher Fenster aufgehebelt

Mit einem Schraubenzieher hatte der 33-Jährige zunächst versucht, die Lokaltüre aufzuhebeln. Als das nicht klappte, hatte er bei einem Fenster mehr Erfolg. Mit Hilfe des Schraubendrehers knackte er einen Geldspielautomaten und entwendete daraus die Münzen. Durch einen Gang erreichte der Täter die angrenzende Spielothek, wo er einen weiteren Automaten gewaltsam öffnete und das Geld entnahm. Der Wert des Diebesguts war mit 1134,10 Euro nahezu genauso hoch wie der Sachschaden, den die Polizeiinspektion Ruhpolding mit 1130 Euro ermittelte. Die Angeklagten flüchteten damals und wurden 100 Kilometer entfernt auf österreichischem Gebiet dingfest gemacht. In der Verhandlung fanden die Männer auf der Anklagebank viele Ausflüchte zu den Umständen der Tat und ihren Motiven.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte für den Einbrecher zwei Jahre Haft ohne Bewährung, für den Helfer zehn Monate mit dreijähriger Bewährung. Die Verteidiger, Michael Vogel aus Traunstein und Julian Praun aus Chieming, hielten für den 33-Jährigen eine Haftstrafe von unter einem Jahr beziehungsweise für den 24-Jährigen sieben Monate mit zweijähriger Bewährungszeit für ausreichend. Im »letzten Wort« beteuerten die beiden Angeklagten ihre Reue. Sie würden nie wieder so etwas machen. Der 33-Jährige sagte: »Ich weiß nicht, was in meinem Kopf vorgegangen ist.«

Richterin Sandra Sauer merkte im Urteil an: »Es ist schwierig, ein mildes Urteil zu fällen, wenn man das Gefühl hat, nicht die ganze Wahrheit zu erfahren. Im Kern aber haben beide Angeklagte Geständnisse abgelegt.« Der 24-Jährige sei nicht vorbestraft. Die Tat zeuge von hoher krimineller Energie. Sie habe den Eindruck, er sei eigens zum Zweck eines Einbruchs nach Deutschland eingereist. Die Bewährung habe er seiner Beihilferolle zu verdanken.

»Eine Latte an Vorstrafen«

Ein bisschen anders sehe es bei dem 33-Jährigen aus, fuhr die Richterin fort. Er sei auch geständig, habe aber – nicht nur in Deutschland und Österreich – »eine Latte an Vorstrafen« und sei unter doppelter offener Bewährung gestanden. In Rumänien und Innsbruck sei er im März 2015 letztmals verurteilt worden. Zwei Monate später habe er den Einbruch in Inzell begangen. Sie sagte zu dem 33-jährigen Vater von drei Kindern: »Wenn Sie Schulden haben, begleichen Sie sie. Aber verspielen Sie das Geld nicht im Casino Salzburg.« Bewährung sei nicht mehr möglich. Die Richterin ordnete für den Haupttäter Haftfortdauer an, während sie den Haftbefehl für den 24-Jährigen aufhob. kd