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Russischer Importstopp kostet 800 000 Euro

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Rund 70 000 Tonnen Rindfleisch wurden vor dem Importstopp pro Jahr von den Schlachthöfen in Salzburg und Traunstein aus nach Russland geliefert. (Foto: Hudelist)

Traunstein. Die russische Importsperre für Lebensmittel aus der EU betrifft auch die beiden Schlachthöfe der Firma Alpenrind in Traunstein und Salzburg.


»Wir rechnen insgesamt mit einer Ertragseinbuße von rund 800 000 Euro bis Ende des Jahres«, so Erik Schöttl von Alpenrind. Davon entfallen rund 300 000 Euro auf den Schlachthof in Traunstein, wo alleine rund 50 000 Rinder pro Jahr geschlachtet werden. Österreichs Landwirtschaftsminister Andreas Rupprechter hat bei einem Besuch in Salzburg Hilfe bei der Suche nach neuen Absatzmärkten zugesagt.

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Seit Mitte August gilt das russische Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der EU, eine Reaktion auf die Boykottmaßnahmen der EU wegen der Annexion der Krim und der Destabilisierung der Ukraine. Betroffen ist davon auch die Firma Alpenrind, die bis dahin hauptsächlich Nebenprodukte wie Haut, Leber, Herz und andere Innereien des Rinds nach Russland geliefert hat. »Aber auch rund 70 000 Tonnen Vorderteile vom Rind haben wir bisher pro Jahr nach Russland verkauft«, so Schöttl weiter.

Den Mindererlös von geschätzten 800 000 Euro bis zum Ende des Jahres will Alpenrind jetzt durch neue Absatzmärkte wettmachen. »Wir erkennen schon jetzt ein globales Verschieben von Warenströmen, das geht bei Lebensmittel sehr schnell.« Soll heißen, Russland kauft sein Rindfleisch jetzt zum Beispiel in Brasilien oder am Balkan, Alpenrind beliefert dafür jetzt den Markt am Balkan und versucht in Asien und China Fuß zu fassen.

Auf die Arbeitsplätze im Schlachthof Traunstein habe der russische Importstopp daher keine Auswirkungen, »wir haben in Deutschland sehr verlässliche Kunden«, versichert Schöttl. Klar sei aber, dass die Preise europaweit sinken, »im Kuhbereich haben wir zum Beispiel einen Verlust von fünf bis zehn Prozent, aber nicht nur wegen der Russlandkrise«.

Neben dem Finden neuer Märkte und der Hilfe durch den österreichischen Landwirtschaftsminister will Alpenrind selbst durch eine noch höhere Qualität den Erlös in Österreich und Deutschland steigern. Helfen soll dabei auch die neu eingeführte Produktionsschiene »Dry Aged Beef«. Dabei handelt es sich um ein Fleisch, das besonders lange am Knochen und anschließend auch noch in der Verpackung gereift ist und daher einen besonders intensiven Geschmack haben soll. »Dieser längere Reifeprozess kostet mehr und steigert am Ende aber den Erlös für unsere Kunden und die Landwirte«, ist Schöttl überzeugt.

Österreichs Landwirtschaftsminister Rupprechter meinte, dass die Importsperre eines Landes beim Vergleich mit den gesamten Importen nicht »die Katastrophe sei, aber der Druck auf den Binnenmarkt hat schon zugenommen«. Die EU habe daher bereits im August erste Sofortmaßnahmen ergriffen, »bei Obst und Gemüse hat sich der Markt stabilisiert«.

Wichtig sei jetzt, dass nicht nur der Konsument auf regionale Produkte achte, sondern auch Großeinkäufer wie Restaurants oder Kantinen. hud