weather-image
20°

Rund um die Uhr erreichbar

4.0
4.0
Bildtext einblenden
»Jedes Anliegen wird bei uns ernst genommen und bearbeitet«, betont Hans Bayer. Er gewährte dem Traunsteiner Tagblatt einen Einblick in seine Arbeit. Bayer ist bei der Integrierten Leitstelle als Disponent tätig und koordiniert die Einsätze der Feuerwehren und Rettungskräfte. (Foto: Kollmeier)

Traunstein. Plötzlich leuchtet ein rotes Telefon auf dem Touchscreen auf. Hans Bayer ist hellwach und konzentriert sich auf den Anruf, der soeben in der Integrierten Leitstelle in Traunstein eingegangen ist. Der Anrufer teilt Bayer mit, dass eine Katze in Mühldorf unter Paletten eingeklemmt ist. Bayer ist an diesem Tag für die Koordinierung der Feuerwehreinsätze zuständig und alarmiert die Einsatzkräfte.


Seit 2010 laufen in der Integrierten Leitstelle alle Anrufe der Kategorie »nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr« aus den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein zusammen. Sowohl die Alarmierungen der Feuerwehr als auch des Rettungsdienstes werden von der Leitstelle koordiniert. »Mit der Einführung der Integrierten Leitstelle wurde das Ziel verwirklicht, diese beiden Fachdienste durch eine Notrufnummer erreichbar zu machen«, erklärt Josef Gschwendner, Geschäftsführer der Leitstelle.

Anzeige

Die Leitstelle ist rund um die Uhr besetzt. 600 bis 700 Anrufe gehen pro Tag ein. »Jedes Anliegen wird bei uns ernst genommen und bearbeitet«, sagt Bayer. Oft wird die Notrufnummer 112 aber versehentlich gewählt, pro Tag kommt es zu rund 100 Fehlanrufen.

Rund 30 Mitarbeiter arbeiten in der Integrierten Leitstelle mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik, um Menschen in Gefahrensituationen Hilfe zukommen zu lassen. Aus den Informationen des Anrufers erstellt der zuständige Mitarbeiter, der sogenannte Disponent, ein Meldebild. »Am Telefon ist es das Wichtigste, dass man die Lage richtig einschätzen und Prioritäten setzen kann«, erläutert Anton Groschack, Leiter der Integrierten Leitstelle.

Im Falle der Katze lokalisiert Hans Bayer zunächst den Einsatzort durch digitale Fotos auf einer Karte, dann wählt er das bei Feuerwehreinsätzen obligatorische Stichwort aus. Jeder dieser Begriffe ist mit den für den Einsatz benötigten Fahrzeugen und Gerätschaften verknüpft.

Bayer füllt nun auf einem weiteren Bildschirm eine Einsatzmaske aus, in die er neben dem Stichwort seine Informationen aus dem Telefongespräch eingibt. Eine spezielle Software wählt nun exakt die Feuerwehren aus, die über die benötigten Geräte verfügen und den geringsten Anfahrtsweg zum Einsatzort aufweisen.

Jetzt drückt Bayer den Alarmierungsbutton und sofort wird die zuständige Feuerwehr über Piepser alarmiert. Ein Fax liefert den Feuerwehrmännern zusätzlich alle wichtigen Informationen. Zudem gelangen die Angaben mittels einer EDV-Schnittstelle an die Polizei. Disponent Bayer begleitet nun den Einsatz, über Funk nimmt er Kontakt mit dem Einsatzleiter vor Ort auf. Werden bei einem Einsatz zusätzliche Geräte oder mehr Löschwasser benötigt, so kann der Einsatzleiter über den Disponenten nachordern.

Alle Gespräche und Anrufe werden protokolliert und aufgezeichnet. »Das kann zum Beispiel wichtig sein, wenn sich ein Unglücksfall später als Straftat herausstellt«, sagt Gerhard Jäkel, Stellvertretender Leiter der Leitstelle.

Die Disposition von Rettungsdiensteinsätzen, die auch Wasserwacht und Bergwacht miteinschließt, läuft anders ab. Hier entscheidet der Disponent nach Überprüfung der Informationen aus dem Anruf selbst, über die für den Einsatz benötigten Mittel. Jeder Disponent hat deshalb neben der Berufsfeuerwehrausbildung auch eine entsprechende Ausbildung für den Rettungsdienst absolviert. Es werden aber nicht nur Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätze von der Leitstelle koordiniert, die Mitarbeiter kümmern sich auch um Krankentransporte und leiten die Sturmwarnungen des Deutschen Wetterdienstes für den Chiemsee und den Waginger See weiter.

All das geschieht im großen Leitstellenraum, der mit viel Technik ausgestattet ist. Allein für die EDV-Ausstattung der Traunsteiner Leitstelle wurden zwölf Kilometer Kabel verlegt. Es gibt im Leitstellenraum acht Einsatzleitplätze, die jeweils über vier Bildschirme verfügen. Mittels eines zentralen Touchscreens kann sich der Disponent, der sechs Stunden lang eingehende Anrufe bearbeitet und in der restlichen Arbeitszeit seine Kollegen unterstützt, über Funk zum Beispiel mit dem Einsatzleiter vor Ort in Verbindung setzen.

Die Katze in Mühldorf ist inzwischen befreit. Über Funk melden sich die Feuerwehrwagen wieder einsatzbereit. Kurze Zeit später leuchtet auf dem Touchscreen erneut das rote Telefon – Hans Bayer ist wieder gefordert. Korbinian Kollmeier

Mehr aus der Stadt Traunstein