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Rund 20 Flüchtlinge müssen Bergen verlassen

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Bergen – Rund 20 Asylbewerber, die derzeit am Dorfplatz in Bergen untergebracht sind, müssen die Gemeinde am heutigen Mittwoch verlassen und sollen nach Kühnhausen bei Petting ziehen. Der Grund: Der Vertrag mit dem Pächter der Unterkunft wurde aus Kostengründen nicht verlängert. Nun werden die Flüchtlinge aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen, was auf großen Unmut stößt.


»Ich verstehe das nicht«, sagt eine Helferin der ersten Stunde, Renate Fritz. Seit drei Jahren ist sie fast täglich bei den Flüchtlingen und unterstützt sie im Alltag. Sie ist bestürzt, dass die Asylbewerber Bergen nun verlassen sollen. »Die Jungs haben hier ihre sozialen Kontakte und sind jetzt langsam von allen akzeptiert worden.«

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Ähnlich sieht es auch Monika Berlitz, die als ehrenamtliche Helferin regelmäßig Deutschunterricht gibt. »Hier in Bergen sind sie mitten im Dorf, im prallen Leben. Die Flüchtlinge sind sichtbar für die Bewohner, die Kontaktaufnahme ist einfach, sie sind integriert.« Das sei in Petting schon aufgrund der Lage der Unterkunft nicht möglich.

Nächste Bushaltestelle ist drei Kilometer entfernt

Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge von Bergen aus eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gehabt haben. Sie konnten auch mal mit dem Bus nach Traunstein, erzählt Renate Fritz. Kühnhausen hingegen liege abgelegen, die nächste Bushaltestelle ist laut Monika Berlitz in Petting, also rund drei Kilometer entfernt. »Die Jungs wohnen dann in der Einöde – und das ohne Auto«, so Renate Fritz. Einkäufe müssten zu Fuß oder mit dem Rad transportiert werden, »dabei können nicht einmal alle Fahrrad fahren«.

Gemeinsam mit den Flüchtlingen seien mehrere Helfer bereits in Petting gewesen, um die neue Unterkunft anzuschauen, erzählt Renate Fritz. Durch die Fenster habe man gesehen, dass innen alles neu ausgestattet wurde. Den Flüchtlingen habe die Ausstattung zwar gefallen, dorthin wollen sie aber trotzdem nicht. Denn sie haben Angst, sich in Petting nicht integrieren zu können. »Sie haben dort keine Arbeit und keine sinnvolle Beschäftigung«, fügt Monika Berlitz hinzu.

»Statt zu überlegen, wie man die bestehende Unterkunft billiger machen kann, bringt man die Flüchtlinge einfach an einen anderen Ort«, kritisiert Berlitz. Denn der Pächter habe laut den beiden Helferinnen im Landratsamt mehrfach angeboten, die Pacht zu reduzieren. Das sei abgelehnt worden. Man könnte laut Berlitz aber auch daran denken, die Flüchtlinge, die Geld verdienen, an den Mietkosten zu beteiligen.

Roman Schneider, Pressesprecher des Landratsamts, bestätigte, dass der Vertrag mit dem Pächter nicht verlängert wurde. Er fügt aber auch hinzu, dass derzeit im ganzen Landkreis die Unterkünfte reduziert werden, weil die Flüchtlingszahlen rückläufig seien. Unterkünfte mit teuren Beherbergungsverträgen wurden demnach zuerst gekündigt.

Es handelt sich um eine Entscheidung der Regierung

Hinzukomme laut Schneider, dass die Entscheidung, Unterkünfte zu schließen, nicht vom Landkreis beschlossen worden sei, sondern es sich um eine Entscheidung der Regierung von Oberbayern handle. »In ganz Bayern wird so verfahren. Wir kommen dem nur nach, können diese Vorgehensweise jedoch gut nachvollziehen.«

Schneider bestätigt aber auch, dass acht Flüchtlinge, die derzeit einer Beschäftigung nachgehen, vorerst eine Unterkunft in Bernhaupten erhalten. Das sei auch mit den Mitgliedern des Helferkreises besprochen worden.

Bereits heute Nachmittag ab 14 Uhr sollen die übrigen Flüchtlinge in ihre neue Unterkunft gebracht werden. Dagegen wollen sie friedlich protestieren. Gegenüber dem Helferkreis haben sie angekündigt, nicht in die Busse einzusteigen. »Das ist eine Entscheidung der Jungs. Sie sind nicht von uns aufgehetzt worden«, stellt Renate Fritz klar. Dasselbe sagt auch Monika Berlitz: »Sie haben zu uns gesagt, dass sie sich friedlich verhalten wollen.«

Jetzt wollen die Flüchtlinge und der Helferkreis gemeinsam mit dem Landratsamt eine vernünftige Lösung finden. »Es geht darum, dass die Flüchtlinge, die seit fast drei Jahren mit uns leben und sich integriert haben, in Bergen bleiben können oder wenigstens in der Nähe untergebracht werden«, so Monika Berlitz.

Dass heute alles ohne Komplikationen und friedlich erfolgt, liegt auch im Interesse des Landratsamts. »Mit Gewalt machen wir nichts«, so Pressesprecher Roman Schneider. jar