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Am Sonntag feiert die Gemeinde im katholischen Pfarrsaal ein Gemeindefest – Rund 1000 Personen gehören der Pfarrei an

Rumänisch-Orthodoxe-Pfarrei in Traunreut besteht seit fünf Jahren

Traunreut. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Traunreut feiert fünfjähriges Bestehen. Am 12. März 2009 wurde sie von Erzbischof Metropolit Serafim und Weihbischof Sofian von Kronstadt zur selbstständigen Pfarrei für die Stadt Traunreut und den Landkreis Traunstein ernannt. Das Jubiläum wird am Sonntag bei einem großen Gemeindefest gefeiert.

Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Traunreuts ist seit fünf Jahren eine selbstständige Pfarrei und feiert in der evangelischen Pauluskirche ihre Gottesdienste und Feste. (Foto: Mix)

Pfarrer Constantin Reinhold Bartok betonte im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt: »Es war damals das erste Mal in der Geschichte der rumänisch-orthodoxen Kirche, dass eine selbstständige Pfarrei von einem Diakon geleitet wurde.« Constantin Bartok wurde nämlich erst am 12. Juni 2011 in Traunreut zum Priester geweiht. Dass er mit seiner Pfarrei in der evangelischen Gemeinde Traunreuts so herzlich aufgenommen wurde, ist für ihn nicht selbstverständlich.

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Offener und freundschaftlicher Empfang

Pfarrer Rainer Maier und Pfarrerin Betina Heckner seien ihm von Anfang an sehr offen und freundschaftlich begegnet und auch mit Maiers Nachfolger, Pfarrer Stefan Hradetzky, verbinde ihn inzwischen eine tiefe Freundschaft. »Die vergangenen fünf Jahre waren geprägt von unserer Einheit, einer brüderlichen und auch spirituellen Einheit«, freut sich Pfarrer Bartok. Schließlich sei der Apostel Paulus, nach dem die evangelische Kirche benannt ist, der Apostel, der stets die Einheit der Kirche gepredigt habe.

Diese Einheit zwischen der orthodoxen und der evangelischen Gemeinde funktioniere hervorragend. Man teile sich ein Gotteshaus und wisse gleichzeitig, dass die Menschen wichtiger sind als das Haus. Constantin Bartok betont: »Ökumene verlangt nicht, dass man von sich etwas hergeben soll, jeder hat seinen Stellenwert, keiner ist isoliert, jeder respektiert den anderen. Die christliche Vielfalt ist eine Schatzkiste, offene Beziehungen und miteinander reden sind wichtig.« Denn für ihn steht auch fest: »Wir alle haben doch einen Glauben, auch wenn wir unterschiedliche Konfessionen haben.« Im Austausch mit dem evangelischen Priester empfinde er eine gegenseitige »Stärkung im Glauben«, man könne einiges voneinander lernen.

Pfarrer Stefan Hradetzky sieht die rumänisch-orthodoxe Gemeinde als Bereicherung für die Stadt Traunreut und seine eigene Pfarrei: »Es würde eindeutig etwas fehlen, wenn Constantin nicht da wäre. Er ist eine soziale Institution und hilft so vielen Menschen, die neu in der Stadt ankommen, er bietet ihnen eine Heimat.« Für Stefan Hradetzky ist wichtig, »dass wir als Christen an einem Strang ziehen«.

Am Anfang kamen nur sehr wenig Gläubige

Vor fünf Jahren war es zunächst eine sehr überschaubare Schar Gläubiger, die die orthodoxen Gottesdienste in Traunreut besuchte, teils kamen nur vier oder fünf Besucher. »Wenn die Tür aufging und noch jemand hereintrat, war das jedes Mal wie ein aufgehendes Licht«, erinnert sich Pfarrer Bartok. Doch aus seiner »kleinen Herde« entwickelte sich eine große Gemeinde, die Kirche ist bei den Gottesdiensten jetzt immer voll. Circa 1000 Menschen umfasst die rumänisch-orthodoxe Pfarrei heute, darunter viele junge Familien. Rund 15 Prozent davon, so schätzt Pfarrer Bartok, nehmen aktiv am Geschehen teil und besuchen regelmäßig die Gottesdienste am Sonntag und an den Feiertagen. »Die Kirche ist für unsere Leute eine Heimat«, weiß der Geistliche.

Seit fünf Jahren ist die rumänisch-orthodoxe Gemeinde gern gesehener Gast in der evangelischen Kirche. Dennoch ist es der größte Wunsch des Pfarrers, ein eigenes Gotteshaus bauen zu können. Constantin Bartok meint: »Eine orthodoxe Kirche wäre für die Europastadt Traunreut eine Bereicherung. Bisher gibt es bis München keine solche Kirche, das wäre etwas ganz Besonderes.« Sollte ein passendes Grundstück gefunden werden, steht allerdings noch die Frage der Finanzierung im Raum, da die orthodoxe Gemeinde keine Kirchensteuer erhebt und sich nur aus Spenden finanziert. Doch Pfarrer Bartok ist zuversichtlich, dass er eines schönen Tages im eigenen Haus Gottesdienst feiern kann.

Gemeindefest im katholischen Pfarrsaal

Am Sonntag begeht die rumänisch-orthodoxe Pfarrei ihr Gemeindefest zum fünfjährigen Bestehen. Nach dem Gottesdienst um 11 Uhr findet die Feier mit Essen, Musik, Tanz und guter Unterhaltung im katholischen Pfarrsaal statt. Eingeladen sind auch die Pfarrer der katholischen und evangelischen Gemeinde sowie Bürgermeister und weitere Ehrengäste. mix