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Alois Reiter ist als Wettkampfleiter beim Weltcup verantwortlich für »störungsfreie« Wettkämpfe

Ruhpolding legt die Messlatte hoch

Für Alois Reiter gehört es auch in der Ruhpoldinger Weltcup-Woche dazu, die Biathlon-Wettkämpfe am Fernseher zu verfolgen. »Aber nicht zur Unterhaltung«, wie der Wettkampfleiter betont. »Es ist nicht meine Aufgabe, die deutschen Sportler zu beobachten, sondern Fehler rechtzeitig zu erkennen.« Dafür bieten die Fernsehbilder den besten Überblick.

Alois Reiter hat bei den Vorbereitungen und während der Wettkämpfe die Weltcup-Strecke in der Chiemgau-Arena immer im Blick. (Foto: J. Müller)

Bei Alois Reiter laufen im Wettkampfbüro alle Fäden zusammen, er muss dafür sorgen, »einen störungsfreien Wettkampf zu gewährleisten« und dabei die sportlichen Abläufe genauso wie Strecke im Auge haben. Deshalb achtet der 50-Jährige nicht nur auf Regelverstöße am Schießstand, sondern beispielsweise auch darauf, dass nicht irgendwo Flaggen zu weit in die Strecke ragen oder von irgendwo Gegenstände auf die Strecke fliegen.

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Klappt alles störungsfrei, können Alois Reiter und sein Team mit ihrer Arbeit zufrieden sein. Schließlich steckt auch eine Menge Vorbereitung in der Weltcup-Woche: »Der Weltcup beschäftigt uns ein Dreivierteljahr«, sagt Reiter. Zu seinen Aufgaben gehören dabei – immer in enger Absprache mit dem Stadionchef Engelbert Schweiger und seinem Kollegen Hubert Neidhardt – die Koordination der Wachskabinen, der Zaunbau an der Weltcup-Strecke oder die Abstimmung mit dem Fernsehen. Für die Kameras werden nämlich nicht nur Podeste benötigt, sondern auch – genauso wie für elektronische Werbebanner – Strom an der Strecke. Allein am Schießstandberg ist die Stromanforderung in diesem Jahr viermal so hoch wie im Vorjahr.

Auch die Koordination der Pistenpräparierung gehört zum Aufgabenbereich von Alois Reiter. »Rechnerisch brauchen wir 20 000 Kubikmeter Schnee, um den Sport abzusichern«, erklärt er. Damit auch die Zuschauerbereiche mit Schnee erhöht werden können, sind 30 000  Kubikmeter nötig – und der für die Wettkämpfe eingelagerte Schnee muss vor dem ersten Schneefall auf die Strecke, denn »die Wettkampfflächen sind auch Transportflächen«. Ansonsten müsste erst Schnee geräumt werden, bevor sein Team wieder Schnee auf die Strecke fährt.

Liegt der erste Schnee auf der Strecke, muss die Betriebshof-Mannschaft auch auf passendes Wetter hoffen: Ist der Boden zu warm, schmilzt die Schneebahn von unten, »mit jedem Regentag verlieren wir einen Tag Aufbau«, ergänzt Alois Reiter. Deshalb wäre sein Wunsch »schönes, kaltes Wetter mit -4 bis -8 Grad ab Anfang Dezember, Bodenfrost, damit der Schnee liegen bleibt, und für das Fernsehbild ein bisschen Neuschnee vor den Wettkämpfen«.

Weil das aber nur ein Wunsch ist, haben Alois Reiter und die Betriebshof-Mannschaft vor der Weltcup-Woche alle Hände voll zu tun. Wobei zumindest das Wetter im Dezember gut mitgespielt hat. »Wir hatten als Basis eine gute Vorbereitungszeit«, weiß der Wettkampfleiter. »Der schöne Winter-Dezember hat alles ein bisschen entzerrt, die Langläufer konnten überall laufen. Die Arbeit in der Arena bleibt zwar die gleiche, aber wir mussten weniger Rücksicht nehmen.« Klar sei nämlich auch, dass sich die Vorbereitungen für einen Weltcup »nicht über Nacht wie ein Teppich ausrollen lassen«.

Alois Reiter profitiert bei seiner Arbeit von seiner Erfahrung: Im vierten Jahr ist er nun Wettkampfleiter des Weltcups, seit 2009 ist der ehemalige Biathlet bei der Chiemgau-Arena angestellt und inzwischen auch als Technischer Delegierter des Biathlon-Weltverbands IBU bei anderen Wettkämpfen und Veranstaltungsorten im Einsatz. Einen Vergleich von Wettkampforten hält der 50-Jährige wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen zwar für schwierig, trotzdem ist er überzeugt: »In Ruhpolding haben wir einen sehr hohen Standard und legen die Messlatte immer wieder sehr hoch.«

Für den stellvertretenden Leiter der Chiemgau-Arena ist das auch ein Beitrag zur Standortsicherung und für den Tourismus. »Der Biathlon-Weltcup hat für Ruhpolding eine besondere Bedeutung«, betont Alois Reiter. Dazu tragen nicht nur schöne Bilder im Fernsehen bei, sondern auch faire Wettkämpfe in der Arena. Alois Reiter weiß als ehemaliger Biathlet, dass für die Sportler die Qualität des Schnees »viel wichtiger ist als die Optik« – und er sorgt mit seiner Mannschaft dafür, dass die Athleten dort beste Bedingungen vorfinden. »Unser Ziel ist es, dass sich Biathleten aus jeder Startgruppe in den Top Ten platzieren. Wenn das wie in den letzten Jahren klappt, haben wir unseren Job richtig und gut gemacht.« jom