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»Rührt euch, wehrt euch, mischt euch ein!«

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Ein bunter Zug mit allerlei Transparenten und Masken zog sich am Karsamstag durch die Traunsteiner Innenstadt. (Foto: H. Eder)

Traunstein. »Frieden ist nur dann möglich, wenn Gerechtigkeit gewährleistet ist«: Mit diesen Worten beim Friedensgebet sprach der evangelische Pfarrer Barthel Pichlmeier den Teilnehmern des Traunsteiner Ostermarsches aus der Seele. Zuvor bei der Kundgebung im Hofbräuhaus am Stadtplatz waren die einzelnen Redner ins Detail gegangen. Da wurden einerseits Mindestlöhne gefordert und weniger befristete Neuanstellungen, andererseits ging es gegen die deutsche Beteiligung an Kriegseinsätzen, gegen Rüstungsexporte, gegen den Einsatz von Drohnen und gegen Bundeswehr-Werbung an Schulen. Nicht zuletzt wandten sich die Redner auch gegen das Wiedererstarken von Neonazis.


Zu Beginn der Veranstaltung, die wegen der unsicheren Witterung im Wirtshaus stattfand, war das Häuflein der Anwesenden eher klein, bis zum Abmarsch des Zuges aber waren es gut und gern wieder um die hundert Teilnehmer. Liedermacher Christoph Weiherer sang zum Auftakt einige seiner aufrüttelnden Lieder mit ihren deutlichen Texten und äußerte angesichts der zunächst geringen Teilnehmerzahl die Hoffnung, »dass das nicht alle sind, die in Traunstein und Umgebung für den Frieden sind« und ermunterte die Besucher: »Rührt euch, wehrt euch, mischt euch ein!«

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Als erster Redner erhielt Hans Gandler, Kreisvorsitzende des DGB, Applaus für seine Feststellung, dass aufgrund von Hartz IV sowie der Ablehnung von Mindestlöhnen und immer mehr befristeten Anstellungsverhältnissen »wir nicht mehr in einer Leistungsgesellschaft, sondern wie im Frühkapitalismus mit der Ausbeutung leben«. Franz Lindlacher vom Kreisverband der Linken forderte im Anschluss, dass die Bundeswehr »raus aus Afghanistan« müsse und dass die Patriot-Abwehrsysteme sofort wieder aus der Türkei abgezogen werden müssten.

Eine begeisternde Rede hielt der junge Tim Krüger vom Friedensbündnis Rosenheim. »Bundeswehr raus aus der Schule«, war eine seiner Forderungen. Denn die Bundeswehr sei inzwischen zu einer »schlagkräftigen Interventions- und Angriffsarmee« geworden und die jungen Menschen, die bei all den Werbemaßnahmen rekrutiert würden, »werden zum Töten ausgebildet, zum organisierten Massenmord.«

Die Reihe der Redner beschloss Renate Schunck, die Vorsitzende der Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg. Sie äußerte ihr Unverständnis darüber, dass die EU, die sich an Militäreinsätzen beteilige, den Friedensnobelpreis erhalten habe. Auch sie wandte sich gegen verharmlosende Darstellungen, dass es sich etwa in Afghanistan um »Sicherheits- und Friedenspolitik, um humanitäre Einsätze« handele.

Aufgelockert wurden die insgesamt recht kurzen und eingängigen Reden durch Lieder einer Musikgruppe mit umgedichteten Ostermarsch- und Protestliedern, bei denen auch die Besucher kräftig mitsangen. In einem Sketch setzte sich eine Oma mit den schönen Worten von Verteidigungsminister de Maizière auseinander, die dieser bei der Verabschiedung von Soldaten nach Afghanistan gesprochen hatte, und stellte ihnen die raue Wirklichkeit gegenüber.

Nach der Kundgebung ging es in einem bunten Marsch durch die Traunsteiner Innenstadt zur Kirche im Stadtpark. Beim dortigen Friedensgebet meinte Gemeindereferentin Barbara Burghartswieser, dass es heute aktueller denn je sei, sich für den Frieden zu engagieren. he