Roswitha Mösl ließ sich als Erste impfen

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Roswitha Mösl ließ sich als erste Freiwillige im Impfzentrum des Landkreises in Altenmarkt gegen das Coronavirus impfen. Unser Bild zeigt die 81-Jährige im Aufklärungszimmer von Dr. Christina Lemhöfer, wo sie den entsprechenden Eintrag in ihren Impfpass erhielt. (Foto: Landratsamt)

Die 81-jährige Traunsteinerin ist überzeugt: Es funktioniert nur, wenn auch »genug Menschen mitmachen«


Der Landkreis Traunstein startete am Sonntag mit den Impfungen gegen das Coronavirus: die 81-jährige Roswitha Mösl war die erste Freiwillige, die sich im Impfzentrum Altenmarkt impfen ließ.

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Roswitha Mösl ist Jahrgang 1939. In dem Jahr als sie geboren wurde, stand Europa am Beginn des Zweiten Weltkriegs. Mit ihrer Familie muss sie im Alter von sechs Jahren aus Breslau fliehen. In den 1950er Jahren absolvierte sie eine Ausbildung in der Krankenpflege. Später zog sie nach Trostberg, lernte ihren Mann kennen und gründete eine eigene Familie. Dort arbeitete sie jahrzehntelang als Altenpflegerin. Anderen Menschen zu helfen war nicht nur ihre Arbeit sondern ihre Leidenschaft. Ihren »Ruhestand« – das heißt zwischen ihrem 65. und 70. Lebensjahr – verbrachte sie die meiste Zeit in Palästina, um das dortige Pflegeheim des Vereins vom Heiligen Lande in der Ortschaft Emmaus mit Arbeitskraft und »Know-how« zu unterstützen. Im Chiemgau lebt sie als Rentnerin noch immer sehr gerne, nun aber in Traunstein. »Wenn ich an meine Elterngeneration denke, die in ihrem Leben das Grauen zweier Weltkriege und deren dramatischen Folgen erleben mussten, glaube ich, dass es auch bei dieser Corona-Pandemie ein 'Nachher' geben wird. Die meisten von uns hungern nicht, haben noch ein sicheres Dach über dem Kopf – ein Zuhause«.

Als Roswitha Mösl von der Impfmöglichkeit gegen das Coronavirus erfahren hatte, hat sie für sich gleich entschieden, dass sie diese nutzen wollte: »Meine Eltern waren beide Ärzte, mein Vater war Gynäkologe und meine Mutter Kinderärztin. Wenn die ihren damaligen Stand der Medizin mit unserer Heutigen und gerade diesem Impfstoff vergleichen würden – die würden es nicht glauben«, ist sich Ros- witha Mösl sicher. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Existenz von Viren gerade erforscht und waren als Erreger von Krankheiten wie den Pocken – die laut WHO unter anderem durch Impfungen als ausgerottet gelten – noch unbekannt. Erst im Laufe der Zeit wurde der Hintergrund von Virusinfektionskrankheiten erforscht. Mösl ist überzeugt, dass sich in ihrer Generation viele für die Impfungen entscheiden werden. Auf jeden Fall will sie viele dazu ermutigen: »Das funktioniert wie vieles im Leben halt immer nur, wenn jemand anfängt und dann auch genug Menschen mitmachen«.

Diese Haltung habe sie von ihren Eltern gelernt: Nach vorne schauen, anpacken und nicht verzweifeln. »Das wollte ich auch immer anderen Menschen und gerade meinen Kindern und Enkeln mitgeben. Die haben auch schon gesagt, dass sie bei der Impfung mitmachen werden«. Nach der Impfung in Altenmarkt geht es ihr gut. Nun wartet sie zum Jahreswechsel auf den zweiten Termin im Impfzentrum, der nach der vorgeschriebenen Wartezeit von 21 Tagen Ende Januar stattfinden soll.

Impfbeginn auch im Berchtesgadener Land

Im Berchtesgadener Land. fiel ebenfalls am Sonntag der Startschuss für die Impfungen gegen das Corona-Virus. Zwei Impfteams machten sich vormittags auf den Weg zu zwei Seniorenwohnheimen und begannen mit den Impfungen. In Begleitung des ärztlichen Leiters der Kliniken Südostbayern, Dr. Stefan Paech, hatte Landrat Bernhard Kern am Morgen die ersten an das BGL-Impfzentrum in Ainring angelieferten Impfstoff-Ampullen an die beiden, jeweils aus drei Personen bestehenden mobilen Impfteams übergeben und dabei betont: »Wir alle haben diesen Tag mit großen Erwartungen herbeigesehnt. Nun kann es endlich losgehen!«

Im Laufe dieser Woche werden weitere Impfdosen-Lieferungen erwartet, sodass die insgesamt vier mobilen Impfteams des Impfzentrums Berchtesgadener Land impfwilligen Bewohnern und Mitarbeitern in weiteren Einrichtungen die erste von zwei notwendigen Impfungen verabreichen können. fb

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