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»Rollädda-Peilätts« als Universal-Lösung

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Pater Albrechtus (Albrecht Zollhauser) mit Thomas Gastager und Sebastian Zollhauser (von links), die den Spezial-Rollator demonstrierten. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Lachtränen trieben so manchen die Starkbierrede von »Pater Albrechtus« und zwei Sketche jüngerer Neukirchner beim Starkbierfest der Neukirchner Ortsvereine in die Augen. Das gut dreistündige Programm wurde von der Musikkapelle Neukirchen unter Leitung von Thomas Prechtl umrahmt.


Ganz ohne Spritzer zapfte Bürgermeister Thomas Gasser das Impulsator-Fass an, unterstützt von Braumeister Bernhard Löw und Bräu Christian Wieninger. Dieser schlug Neukirchen als Testgebiet für ein Pilotprojekt zur Umsetzung der Teisendorfer Verordnung zur Förderung des Bierkonsums vor, eine mit Gasser ausgeheckte Maßnahme, um die örtliche Brauerei angesichts des rückläufigen Bierkonsums zu retten.

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Pater Albrechtus (Albrecht Zollhauser, der die Rede mit seiner Frau Sabine geschrieben hatte) gab sich wenig begeistert von seiner Rolle: Eigentlich habe er einen gemütlichen Starkbierabend genießen wollen. Doch gleich am Eingang sei Köhlervorstand Martin Maier daher gesprintet: »Mei, guad dasd do bist, unvorstellbar wias bei uns übers Johr zuaganga is. Bevorst a Bier griagst, muaßt eahna erst de Levitten lesen...«.

So redete sich der Fastenprediger in Rage und ließ sich über Gemeindebürger aus, die sich aufregen, wenn die Kirchenglocken um zehn Uhr in der Nacht 17 Sekunden lang läuten. Immer wieder fragte er in die Runde, wie spät es denn schon sei, und ließ das »Prosit der Gemütlichkeit« in Pianissimo-Version – für die Zeit nach 22 Uhr – üben. »Wem's bei uns z'laut is, der soid nach Sibirien ziagn, do is Platz gnua«, schlug er vor. Die Kirchenglocken seien unentbehrlich für die Geistlichkeit, besonders am Pfingstsonntag, um alle, die am Tag davor im Holzhausener Bierzelt waren, rechtzeitig in die Kirche zu treiben. Der Ausdruck »Sturmläuten« komme daher, wenn die Geistlichkeit in die Sakristei stürmt, weil sie zu spät dran ist, sagte er in Anspielung an Kaplan »Gewürzberger oder so«.

Pfarrer Martin Klein und Bürgermeister Thomas Gasser, die »mitanand eine Weltmacht« seien, legte er nahe, sich zusammenzutun – der Bürgermeister als Judikative und der Pfarrer als Exekutive. »Der Pfarrer darf wieder zuhauen und der Bürgermeister muss sagen: 'Recht hat er gehabt'«. Kein Mannsbild brauche sich künftig mehr vor seiner Frau fürchten, wenn er spät vom Wirt kommt: »Nehmts einfach den Pfarrer mit.«

Damit der Pfarrer überall rechtzeitig ist, stehe ihm der Rufbus Tag und Nacht uneingeschränkt zur Verfügung. Dessen Fahreinsätze stiegen so gewaltig und der Bus schreibe schwarze Zahlen. Auch Unstimmigkeiten im Rathaus könne man dank Pfarrer »schlagartig« lösen. Ordentlich schenkte Albrechtus auch allen ein, die sich über den Winterdienst beschwerten, und schlug vor, dass jeder für eine Saison den Job des anderen übernehmen muss.

Angesichts der vielen neuen Siedlungen in Neukirchen riet er den Verantwortlichen dringend daran zu denken, dass die jungen Leute einmal älter werden. Sein Konzept für ein »Altersheim mit Pfiff« für alle ab 50 enthielt eine »bärige Gaststubn« mit Musi, eine Köhler-Seniorengruppe für die Männer sowie wöchentlichem Men-Strip für die Damen. Finanziert wird das Ganze mit dem »Rollatorlieferservice« rund um die Uhr. Die »Rollädda-Peilätts«, wie die Rollator-Piloten in modernem Denglisch heißen, entlasten auf ihrer rasanten Fahrt durchs Achthal nach Oberteisendorf die Post, die Müllabfuhr, ja sogar die Brauerei und liefern nebenbei noch Frühstückssemmeln aus. Oberteisendorfer Rentner fänden einen Zeitvertreib im Zurückschieben der Spezial-Rollatoren. Wie diese aussehen, demonstrierte Sebastian Zollhauser, der das Gefährt selbst gebaut hatte, zusammen mit Thomas Gastager.

Noch ein zweites »Fahrzeug« hat der junge Neukirchner angefertigt, einen »HLF-MA-FS« (Hilfeleistungslöschfahrzeug-Maschinisten-Fahrzeugsimulator). Darin absolvierten Florian Pfisterer, Hubert Strehhuber, Sebastian Zollhauser, Thomas Gastager und Michael Lindner junior eine »außerordentliche Feuerwehrübung« vor dem Eintreffen des sehnlichst erwarteten neuen Fahrzeugs. Unterwegs wurden zahlreiche Neukirchner wegen diverser Pannen – wie dem fehlenden Dach einer Maschinenhalle oder dem fast durch heiße Asche in Brand gesetzten Komposthaufen – durch den Kakao gezogen.

Im »Neukirchner Singspiel« beschwerten sich Theresa Zollhauser und Barbara Enzinger als Vertreter der eher freizeit- und weniger gemeinwohlorientierten Bürgerschaft über niedergemähte Schneezeichen. »Tausendprozentig war das der schwimmbadlose Bademeister mit seinem grünen Ungetüm«, mutmaßten sie. Andreas Zollhauser (Text und Regie) und Ziachspieler Florian Zollhauser ermutigten die beiden und alle Zuhörer, einfach selber mit anzupacken, statt zu jammern und so das eigene Dorf zu verändern.

Wie viele Menschen das in Neukirchen bereits tun, zeigten die knapp 40 Aktiven des Abends auf und hinter der Bühne, zu denen noch die gesamte Musikkapelle kommt. Sprecher Martin Maier holte sie für einen kräftigen Applaus alle auf die Bühne. vm