Rohstoffknappheit treibt skurrile Blüten – Folgen auch im Landkreis spürbar

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Im Moment ein Haus bauen – kann klappen, muss es nicht. Baustoffe sind teilweise nur schwer, mit langen Lieferfristen oder aber teuer zu bekommen, Holz ist knapp und teuer, Dämmstoffe, selbst Kücheneinrichtungen sind nicht selbstverständlich rechtzeitig und komplett da. Bei manchen Baustellen kommt es daher zu Verzögerungen. (Foto: J. Müller)

Spülmaschine? Gibt es im Handel erst im August wieder. Küche? Klar, wird in den Neubau eingebaut, vorerst aber ohne Elektrogeräte. Den Neubau dämmen? Ist grad schwierig, Dämmstoffe sind rar und teuer. Womit sich derzeit Häuslbauer, Handwerker und auch der Handel im Landkreis Traunstein herumschlagen müssen, wäre vor ein, zwei Jahren unvorstellbar gewesen. Dass Holz knapp und teuer geworden ist, ist bekannt. Aber offenbar treibt die Rohstoffknappheit inzwischen weitere Blüten, die zum Teil weitreichende Folgen haben.


»Bereits Ende letzten Jahres deutete sich in manchen Bereichen eine Warenverknappung an«, sagt dazu Max Schneider vom Schneider-Bauzentrum in Erlstätt, zu dem auch mehrere Hagebaumärkte gehören. »Darum haben wir rechtzeitig für größere Warenvorräte gesorgt.«

Weltweit seien viele Bereiche betroffen. Den Fachhändler für Baustoffe für Rohbau und Innenausbau, chemische Baustoffe, Bauelemente (Fenster und Türen), Fliesen und Keramik sowie Gartenbaustoffe betreffe die Warenverknappung in allen Bereichen, so Schneider. Beschaffungsprobleme gebe es derzeit bei Dämmstoffen, Granit, Holz (bei Bezug aus Deutschland und Europa), Folien, Abwasserrohren, Silikon, Vlies, Verpackungsmaterialien und mehr.

Ware rechtzeitig liefern bedeutet großen Aufwand

Es bedeute großen Aufwand, Ware rechtzeitig auf die Baustelle zu liefern, so Schneider. Manche Baustellen könnten in der Folge nicht zeitgerecht begonnen oder im Bau befindliche Gebäude nicht fertig gestellt werden. »Insofern ist die Warenverknappung nicht nur ein Problem des Endabnehmers, sondern auch ein finanzielles Problem der gesamten Baustoffindustrie, der Bauunternehmer und letztlich auch für uns als Baustofflieferant«.

Da auf der Baustelle die Gewerke jeweils aufeinander aufbauen, könne die Verzögerung eines Handwerksbetriebs dazu führen, »dass der gesamte Bau steht. Nicht mehr der Preis der Ware wird entscheidend, sondern die Verfügbarkeit«, erklärt Schneider. Eine Folge sei die Verteuerung des Baus.

Derzeit sei die Schneider Unternehmensgruppe in den meisten Bereichen noch lieferfähig, allerdings zum Teil bei deutlich längeren Lieferzeiten. In den Baumärkten gebe es immer wieder Warenlücken – besonders bei Holz, Kunststoff, Dämmstoffen, Eisenwaren oder Stahl – zum Beispiel auch bei Stahlblechen für Warenträger und Regale. »Wenn Kunststoff knapp wird, hat das Auswirkungen auf Farben und Lacke. Die Knappheit bei Thermoplast Polystyrol EPS führt zum Beispiel dazu, dass die Herstellung von Dämmstoffplatten rapide zurückgeht«, beo-bachtet Schneider. »Immer öfter sind wir gezwungen, auf Alternativlieferanten auszuweichen, um Lücken im Regal zu füllen.«

Die Gründe für diese unerwartete, globale Warenverknappung seien äußerst vielfältig und zeigten, dass die bislang selbstverständliche Warenversorgung in allen Bereichen noch eine längere Zeit Probleme bereiten werde, meint er. So wurde zum Beispiel Holz weltweit knapp, weil die USA und China im Wirtschaftsaufschwung deutlich mehr Häuser (überwiegend aus Holz) bauten und weltweit höchste Preise für Holz bezahlten.

Ähnlich sei es beim Stahl, der ebenfalls im Bau in großen Mengen verwendet werde. Hier hätten sich die Preise teilweise sogar verdoppelt, auch durch Havarien in den USA und auch bei deutschen Produzenten seien zum Beispiel chemische Grundstoffe und Dispersionen knapp geworden.

Massive Winterstürme in den USA hätten zu Produktionsausfällen geführt, die nicht kurzfristig behoben werden könnten. Ein Grund sei aber auch Corona. So hätten manche Rohstoffproduzenten ihre Anlagen während der Nachfrage-Flaute eingeschränkt oder stillgelegt, die nun nicht schnell genug hochgefahren werden könnten, so Schneider.

Das wirke sich auch auf den Innenausbau und die Baumärkte, etwa bei Sperrholz und OSB-Platten aus, die plötzlich zu raren Gütern werden. Letztlich habe Corona weltweit zu einem Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot bei den Rohstoffen geführt. Viele Rohstoffe aus dem Mittleren Osten und den USA wurden nach Asien umgelenkt und fehlen nun in Europa.

Ein weiterer Grund für die Knappheit sei aber auch das Kunden-Verhalten. In der Pandemie hatten Verbraucher mehr Zeit zuhause und mehr Geld – damit stieg die Nachfrage nach Gartenprodukten, Teich-Zubehör, Pools, Gartenmöbeln und Grills. Die Menschen bereiteten sich auf einen Sommerurlaub im eigenen Garten vor.

Auch der Engpass in der Logistikkette trug mit zur Knappheit bei – so wurden Seecontainer sprunghaft knapp, es kam zu kilometerlangen Staus der Containerschiffe vor großen Verladehäfen wie in den USA. »Container wurden rar, weil die Rückfracht leerer Container nach Asien nicht mehr reibungslos funktioniert«, sagt Schneider. Schiffe erzielten höhere Frachtraten, wenn sie volle Container von Europa nach Asien transportieren.

Durch die Verknappung von Waren steige der Preis – bei Holz und Stahl teilweise auf das Doppelte. Wenngleich man das nicht eins zu eins an die Kunden weitergebe, könne man Preissteigerungen nicht ganz vermeiden. Aber man versuche verstärkt, Ware aus der Region zu beziehen, setze auf lokale Partner und Fertigungslösungen, wo möglich.

»Die Probleme werden uns sicher noch bis zum Ende dieses Jahres begleiten«, fürchtet Schneider. »Allerdings gehen wir davon aus, dass sich die Situation bereits im kommenden Jahr wieder deutlich normalisieren dürfte.«

Situation beim Hersteller BSH

Der internationale Hersteller BSH-Hausgeräte verzeichnete in den ersten Monaten des Jahres europaweit einen enormen Anstieg bei der Nachfrage nach Hausgeräten, besonders Kühlgeräten und Geschirrspülern. Besonders bei Letzteren übersteige der Bedarf aktuell die industriellen Kapazitäten – andere Hersteller hätten ähnliche Probleme, so Pressesprecherin Eva Bauerschmidt auf Nachfrage. coho

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der heutigen Mittwochsausgabe (16. Juni) des Traunsteiner Tagblatts.

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