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Rohölpreis im Keller – Warum ist das Gas so teuer?

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Rund 6000 Kunden, vorwiegend Privathaushalte, beziehen Erdgas von den Traunsteiner Stadtwerken. Es wird vorwiegend zum Heizen verwendet; es gibt aber auch immer noch Küchenherde, die statt mit Strom mit Gas betrieben werden. (Foto: dpa)

Traunstein – Der Rohölpreis hat sich seit vergangenem Juni halbiert. Heizöl kostete vor zwei Jahren noch rund 90 Cent, heute nicht einmal 60 Cent pro Liter. Und auch die Preise für Benzin und Diesel sind so niedrig wie seit langem nicht mehr. Warum aber wird das Gas zum Heizen nicht billiger? Diese Frage stellten wir den beiden Geschäftsführern der Traunsteiner Stadtwerke, Josef Loscar und Stefan Will.


Der Bund der Energieverbraucher hatte vor kurzem empfohlen, Gasrechnungen nur unter Vorbehalt zu zahlen. Er hatte geschrieben: »Weil Gasimporte im Jahr 2014 günstiger zu beziehen waren, hätten die Gaspreise für Verbraucher sinken müssen. Die Gaslieferanten haben diese Beträge aber in die eigenen Taschen gescheffelt und nicht an die Verbraucher weitergegeben. Das hat eine aktuelle Studie ergeben, die von EnergyComment im Auftrag der Bundestagsfraktion Die Grünen erstellt wurde.«

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Kostenersparnisse an Verbraucher weitergeben

Im Schnitt hätte die Gasrechnung 2014 pro Haushalt um 108 Euro geringer ausfallen müssen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Versorger seien gesetzlich zu einer preisgünstigen Versorgung verpflichtet. Auch müssen sie Kostenersparnisse nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unverzüglich an Verbraucher weitergeben. Dies haben die meisten Gasversorger nicht getan und somit gegen geltendes Recht verstoßen.

»Öl- und Gaspreis haben schon seit fünf Jahren überhaupt nichts mehr miteinander zu tun«, stellt Josef Loscar gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Früher wurde jede Erhöhung der Gaspreise damit begründet, dass der Preis für Öl gestiegen ist und der Preis für Gas daran gekoppelt sei. Diese Koppelung gibt es aber schon seit Jahren nicht mehr. Während Erdöl heute nur noch halb so teuer ist wie im Juni letzten Jahres, ist der Erzeugerpreis für Erdgas seit 2012 nahezu unverändert geblieben. Bei den Stadtwerken Traunstein ist der Gaspreis seit 2012 nicht mehr erhöht worden.

Und eine weitere gute Nachricht: Auch wenn die Preise für Erdgas an den Weltmärkten in den nächsten Monaten drastisch steigen sollten, können die Kunden der heimischen Gasversorger ziemlich sicher sein, dass sie heuer und im nächsten Jahr für diese Energie nicht tiefer in die Tasche werden greifen müssen.

Denn das meiste Gas für dieses Jahr ist schon eingekauft. »Und rund 80 Prozent des Verbrauchs für das Jahr 2016 haben wir ebenfalls schon gekauft«, berichtet Josef Loscar. Selbst ein Drittel der Lieferung für das Jahr 2017 ist bereits fixiert. Lediglich eventuelle Verbrauchsspitzen müssen kurzfristig am Markt beschafft werden. Diese vergleichsweise geringe Menge wirkt sich aber nur unwesentlich auf den Gesamtpreis aus.

6000 Kunden in Traunstein beziehen ihr Erdgas von den Stadtwerken. Von den rund 130 000 Kubikmeter Gas täglich verbrauchen allein 15 bis 20 Großkunden etwa die Hälfte. Der monatliche Durchschnittsverbrauch in Traunstein liegt bei rund 2,8 Millionen Kubikmetern.

Die Traunsteiner Stadtwerke gehören einem starken Verbund kommunaler Versorgungsunternehmen an. Sie sind Mitglied der 2009 gegründeten Firma Plattformenergie, in der sich 28 kommunale Versorgungsunternehmen in Bayern zusammengeschlossen haben. Josef Loscar ist Geschäftsführer der GmbH, die gemeinsam einkauft und unter anderem das Ziel verfolgt, durch den gemeinsamen Marktzugang das Einzelrisiko zu vermindern. Auch die Stadtwerke in Mühldorf zum Beispiel sind Mitglied.

Preise für Holzpellets sind ebenfalls gesunken

Wie sieht es mit den Preisen für andere Energieträger aus? Zum Beispiel mit Hackschnitzeln oder Holzpellets? Werden sie billiger, weil der Ölpreis sinkt? Der Geschäftsführer des Biomassehofs Achental, Wolfgang Wimmer, berichtete auf Anfrage, dass die Preise für Holzpellets ebenfalls gesunken seien – allerdings nicht so stark wie der Ölpreis.

Die Traunsteiner Stadtwerke betreiben keine Pelletsheizung. Lediglich die beiden Heizwerke auf der Brunnwiese und in Geißing werden mit Hackschnitzeln befeuert. In Geißing benötigt man 2500 Schüttraummeter pro Jahr, auf der Brunnwiese 3700. Nach Auskunft von Stefan Will sei derzeit nicht geplant, im Stadtbereich weitere derartige Nahwärmeversorgungseinrichtungen zu schaffen. -K.O.-