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Robenwechsel bei den Handelsrichtern

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Der ehrenamtliche Handelsrichter Hermann Tischler (zweiter von links) schied nach 22-jährigem Wirken am Landgericht Traunstein aus. In Tischlers Fußstapfen tritt Werner Linhardt (links) aus Traunstein. Wolfgang Müller (rechts) als Vorsitzender Richter der Ersten Handelskammer und Landgerichtspräsident Dr. Rupert Stadler verabschiedeten Hermann Tischler und hießen Werner Linhardt willkommen. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Einen »Robenwechsel« im wahren Wortsinn gab es bei einer der beiden Handelskammern am Landgericht Traunstein. Der langgediente ehrenamtliche Handelsrichter Hermann Tischler aus Waldkraiburg überließ seine schwarze Robe seinem Nachfolger Werner Linhardt aus Traunstein. Landgerichtspräsident Dr. Rupert Stadler überreichte die Abschieds- beziehungsweise die Ernennungsurkunde und beleuchtete die fünf Jahrhunderte alte Tradition »erfahrener Kaufleute« in der deutschen Handelsgerichtsbarkeit.


Die Traunsteiner Handelskammern verfügen laut Dr. Stadler über 14 ehrenamtliche Richter – acht bei der Ersten Handelskammer mit Vorsitzendem Richter Wolfgang Müller, sechs bei der Zweiten Handelskammer mit Vorsitzendem Richter Stefan Barthel. Er, so Dr. Stadler, ernenne die ehrenamtlichen Richter lediglich. Die Entscheidung, welche Persönlichkeiten ausgewählt werden, treffe die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Er sei an den IHK-Vorschlag gebunden.

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Der Landgerichtspräsident dankte Hermann Tischler für seine fast 22 Jahre währende Tätigkeit am Landgericht Traunstein, das unter anderem für die Handelsgerichtsbarkeit in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Altötting und Rosenheim zuständig ist. Der gelernte Bankkaufmann, seit 14. Dezember 1993 im Amt, sei ehemaliger Vorstand der Raiffeisenbank Waldkraiburg. Viele Jahre habe Hermann Tischler als Prüfer beim Genossenschaftsverband Bayern gewirkt. Der 67-Jährige scheide aus Altersgründen aus dem Handelsrichteramt.

Als Tischlers Nachfolger stellte Dr. Stadler den 63-jährigen Werner Linhardt aus Traunstein vor, seit 23 Jahren Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg. Linhardt habe in Regensburg Betriebswirtschaft und Jura studiert, als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Erfahrung gesammelt, darunter mehrere Jahre beim Sparkassenverband. Seit 35 Jahren lebe der Betriebswirt und Jurist im Chiemgau. Die Industrie- und Handelskammer habe Linhardt »aufgrund seiner Tätigkeit, seiner Stellung und seines Ansehens« als geeignet für das Amt eines ehrenamtlichen Handelsrichters befunden.

Der Landgerichtspräsident betonte, seit mehr als 500 Jahren brächten ehrenamtliche Handelsrichter ihr unternehmerisches Wissen, ihren Erfahrungsschatz in die Handelsgerichtsbarkeit ein: »Sie wissen um die Sorgen und Nöte der Unternehmer.« Die Entscheidungen der Handelskammer sollten Akzeptanz finden bei den Beteiligten, von allen Seiten anerkannt sein. »Durch das Einbinden ehrenamtlicher Richter steigt die Akzeptanz. Sie ist wesentlich höher, als wenn ausschließlich Berufsrichter mit den oft sehr komplizierten Fällen befasst wären. Ehrenamtliche Richter sind wichtige Schnittstellen. Sie leisten zusammen mit den Berufsrichtern herausragende Arbeit. Diese trägt Früchte«, würdigte Dr. Stadler. Vor allem das große Fachwissen der »Ehrenamtlichen« und ihre eingehende Erfahrung trügen bei zu gerechten und lebensnahen Urteilen. Der Präsident weiter: »Sie sind die Experten, die die Handelsbräuche aus ihrem Berufsleben kennen.« Zu Werner Linhardt merkte Dr. Stadler an, dieser sei seit zehn Jahren ehrenamtlicher Richter am Finanzgericht München. Dieses Ehrenamt werde er weiterhin ausüben. Im Gegensatz zu anderen ehrenamtlichen Richtern, etwa den Schöffen beim Amts- und Landgericht, trügen Handelsrichter schwarze Roben. Die Handelsgerichtsbarkeit sei von hohem Standard und bedeute einen »Standortvorteil«: »Internationale Firmen wissen, dass hochqualifizierte Richter die Verfahren in relativ kurzer Zeit entscheiden.« kd

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