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Ringer und Judoka bekommen eigene Trainingsräume

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Die Verwaltung hatte den Vorschlag gemacht, dass die Ringer zunächst einmal in der alten AKG-Turnhalle (rechts im Bild) trainieren sollen. Dies lehnte der Stadtrat ab. (Foto: Reiter)

Traunstein – Heiß diskutiert wurde im Stadtrat über den geplanten Bau der neuen Dreifachturnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium. Dieser wird deutlich teurer als geplant (wir berichteten). Als der Rahmenvertrag zwischen dem Landkreis und der Stadt vor eineinhalb Jahren geschlossen wurde, ging man von Gesamtkosten von 7,2 Millionen Euro aus. Die derzeitigen Schätzungen liegen bei 9,48 Millionen Euro. Nicht enthalten ist darin der Anbau, für den der Stadtrat nun stimmte. In diesem bekommen die Abteilungen Ringen und Judo des Turnvereins Traunstein zwei eigene Trainingsräume. In den ursprünglichen Planungen waren diese nicht enthalten.


Die Turnhalle wird vom Landkreis und der Stadt Traunstein gemeinsam gebaut und nach Fertigstellung auch gemeinsam genutzt. Die Stadt hat dabei als weiteren Partner den Turnverein Traunstein. Die Stadt trägt ein Drittel der Gesamtkosten, der Landkreis zwei Drittel. Oberbürgermeister Christian Kegel geht davon aus, dass der Anbau zusätzlich rund eine Million Euro kosten wird, für die die Stadt allein aufkommen muss. »Das ist allerdings ein reiner Schätzwert«, betonte er im Stadtrat. Nachdem das Thema im Finanzausschuss sehr kontrovers diskutiert wurde, rief er die Stadträte auf: »Wir sollten heute dringendst eine Entscheidung treffen – im Sinne der Schüler des Annette-Kolb-Gymnasiums, denn ansonsten verzögert sich das Ganze noch mehr.«

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Er sprach sich gegen einen Anbau für die Ringer und die Judoka aus, aufgrund der Kosten »und weil uns durch den Anbau Parkplätze wegfallen«.

Dr. Christian Hümmer (CSU) betonte, dass es ein Versprechen gebe. Der Turnverein bekomme eine neue Halle, im Gegenzug beteilige sich dieser mit 600 000 Euro an den Kosten. »Hier gibt es keine Differenzierung. Das muss selbstverständlich für den gesamten Turnverein gelten, dazu gehören auch die Ringer und die Judoka.«

»Dann fangen wir in vier, fünf Jahren wieder an«

Zum Vorschlag der Verwaltung, dass die Sportler zunächst einmal in der alten Turnhalle des Annette-Kolb-Gymnasiums trainieren sollen, sagte Christian Hümmer: »Es gibt keine Sicherheit, wie lange die Turnhalle genutzt werden kann. Dann fangen wir in vier, fünf Jahren wieder an zu diskutieren, wo wir die beiden Abteilungen unterbringen sollen.«

Burgi Mörtl-Körner (Grüne) kritisierte, dass sie zu einer Entscheidung gedrängt werde, obwohl noch soviel offen sei. Außerdem fragte sie, warum erst jetzt über die zwei zusätzlichen Räume für die Ringer und die Judoka diskutiert werde, »wenn drei fertige Pläne vorliegen«.

Josef Kaiser (UW) sagte, dass schon sehr lange über die Halle gesprochen werde. »Dann habe ich nichts mehr davon gehört. Am Montag bekommen wir die Pläne und heute sollen wir entscheiden. Das ist ein Problem für mich, denn wie soll ich mir da eine anständige Meinung bilden?« Er betonte, dass es wichtig sei, dass die Stadträte solche Unterlagen rechtzeitig bekommen.

»Vom Landkreis nicht gut behandelt gefühlt«

Oberbürgermeister Christian Kegel betonte, dass dies so nicht stimme. Das Planungsbüro Arge Obel und Partner GbR habe bereits im Oktober in der Finanzausschusssitzung verschiedene Varianten aufgeführt. Er erwähnte aber auch: »Wir habe uns in der Sache vom Landkreis nicht gut behandelt gefühlt. Von dort haben wir die Pläne erst sehr spät bekommen.«

Als Gründe für die Kostenmehrung von über zwei Millionen Euro wurden in der Beschlussvorlage der Verwaltung drei Punkte aufgeführt: Die Halle muss wegen des sehr beengten Umfelds bis zu sieben Meter tief in das Erdreich gebaut werden; aus technischen Gründen ist ein aufwändiger Verbau zum Nachbargrundstück erforderlich; und die Ausführung der Halle als Versammlungsstätte hat erhöhte Brandschutzmaßnahmen zur Folge.

Es gebe Kostenrichtwertpauschalen für Dreifachturnhallen, anhand derer die Sachaufwandsträger (Stadt und Landkreis) die möglichen Kosten geschätzt hätten, erklärte Wolfgang Obel vom zuständigen Planungsbüro. »Da werden Vergleichsobjekte herangezogen, damit man eine Vorstellung davon hat, wie teuer es werden könnte. Hier von Kostensteigerung zu sprechen, ist falsch.« Die Planungsgruppe Arge Obel und Partner GbR sei zusammen mit den Architekten Aiblinger erst seit Sommer/Herbst 2015 mit den konkreten Planungen betraut. Nachdem dies keine normale Dreifachturnhalle werde – es wird unter anderem eine Tribüne eingebaut und die Halle soll auch als Versammlungsstätte genutzt werden – sei es ganz normal, dass sie mehr koste als die ersten Schätzungen.

»Wir müssen die Kirche im Dorf lassen!«

Dritte Bürgermeisterin Wiesholler-Niederlöhner (SPD) kritisierte, dass die Stadt erst vor Kurzem erfahren habe, dass die Ringer und die Judoka eigene Räume brauchen und die Matten nicht in die neue Halle legen können. »Ich habe mir die alten Verträge extra noch einmal angesehen. Davon stand nirgends etwas drin.« Sie betonte auch, dass die Turnhalle nicht für den TVT, sondern für die Schüler gebaut werde. »Der Turnverein hat also Glück, dass er hier mit rein darf. Da müssen wir wirklich auch mal die Kirche im Dorf lassen!«

Anders sah das Stefan Namberger (CSU): »Es ist ein Unding, wenn ich die Ringer und die Judoka woanders reintue wie die anderen Sportler. Deshalb sollten wir die große Lösung machen«.

Dieser Meinung war auch Ursula Lay (UW): »Unter diesen Voraussetzungen können wir nur für den Antrag der CSU stimmen. Ansonsten schieben wir das Problem ja nur weiter.« – So sah das auch die Mehrheit des Stadtrats und votierte mit 16:9 Stimmen für folgenden Antrag der CSU: »Der Neubau der Sporthalle des Annette-Kolb-Gymnasiums wird als Versammlungsstätte mit einer Ausziehtribüne für 400 bis 500 Personen, einem Stiefelgang, eigenem Lagerraum für die Sportgeräte des Turnvereins Traunstein sowie eigenen Räumen für die Ringer- und Judoabteilungen des Turnvereins Traunstein errichtet.«

Der Vorschlag der Verwaltung, dass die Ringer und Judoka zunächst einmal ihre Trainingsstätte in der alten AKG-Turnhalle haben und sich die Stadt verpflichtet, nach Abbruch dieser Halle geeignete Trainingsräume zur Verfügung zu stellen, wurde mit 7:18 abgelehnt. KR

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