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Rewe, Rossmann, Edeka – alles liegt auf Eis

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Waging am See – Es ist ein bisschen verwirrend, wie sich in Waging die Überlegungen in Richtung neuer Geschäftsansiedlungen entwickelt haben. Von Rewe war die Rede, Rossmann sollte als Ergänzung dazu kommen, auch Edeka hatte sich ins Spiel gebracht. Dann aber waren nach und nach alle Anträge zurückgezogen worden – derzeit gibt es keinen offiziellen Antrag von irgendeiner Seite.


Dafür gibt es mächtig Ärger: Gemeinderätin Lydia Wembacher hat einem der bisherigen Antragsteller, der Chiemgau Immo Invest mit Sitz in Surberg und Geschäftsführer Martin Straßer, vorgeworfen, mit der von der Gemeinde beauftragten Beratungsgesellschaft Cima unter einer Decke zu stecken. Im Gegenzug beschuldigte die Chiemgau Immo Invest die Gemeinderätin, ihrerseits ein CSU-internes Süppchen zu kochen. In einem neuerlichen Schreiben hat die Surberger Firma erklärt, in Waging künftig nicht mehr tätig sein zu wollen.

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Schwere Geschütze hatte Lydia Wembacher in der Juli-Sitzung des Gemeinderats aufgefahren. In einem Antrag forderte sie die »sofortige Vertragsauflösung mit der Beratungsgesellschaft Cima«; denn diese sei nicht neutral. Laut Wembacher sei die Cima als Partner in einer Firmengruppe namens »ingeneo« vertreten, in der auch die Firma Strasser und Partner aus Traunstein vertreten sei.

Wembacher: Gemeinde soll Schadenersatz fordern

»Die Standortvorschläge der Firma Cima lauten daher auf eventuelle Grundstücke, auf die Herr Strasser Zugriff hat, während andere als ungeeignet festgestellt werden. Die Firma Cima hat die Marktgemeinde über das Firmengeflecht im Unklaren gelassen und damit arglistig getäuscht. In Italien würde man dies mit mafiösen Strukturen vergleichen«, hatte Wembacher gesagt. Deswegen solle die Gemeinde »den Vertrag mit der Beratungsgesellschaft Cima mit sofortiger Wirkung auflösen und Schadenersatz fordern«.

Die Reaktion der Firmen ließ nicht lange auf sich warten. Beide wiesen die Verdächtigungen weit von sich und forderten Lydia Wembacher auf, solche Behauptungen in Zukunft zu unterlassen. Diese aber denkt gar nicht daran und wartet immer noch darauf, dass die Gemeinde ihrem Antrag nachgehe und die Situation überprüfe, wie sie auf Nachfrage bestätigte. Die Gemeinde wollte, wie Geschäftsleiter Franz Röckenwagner seinerzeit zugesagt hatte, mit den beiden Firmen Gespräche führen.

Straßer: In Waging nicht mehr auftreten

In seinem aktuellen Brief an die Gemeinde kündigte Martin Straßer aber nicht nur an, wegen »all dieser Begebenheiten und Situationen« im Bereich der Marktgemeinde Waging nicht mehr als Projektentwickler oder ähnliches auftreten zu wollen. Vielmehr wiederholte er bereits früher geäußerte Vorwürfe an Lydia Wembacher: »Kann es sein, dass es Frau Wembacher darum geht, ihrem Parteikollegen (...) wirtschaftliche Vorteile zukommen zu lassen, da (...) Grundstückseigentümer eines Teilbereichs des vom Projektentwickler Rosenberger ins Auge gefassten Grundstücks zur Entwicklung und Realisierung des kleinen Fachmarktzentrums (Rewe-Markt mit Rossmann) ist?«

Dieses Schreiben wurde aber in der jüngsten Gemeinderatssitzung nicht behandelt, weil es erst kurz davor eingegangen war und Teile des Gemeinderats es bisher noch nicht bekommen hatten. Wembacher sprach davon, dass sie wegen dieser Sache sogar in ihrem Büro »bedroht« worden sei und dass sie sich einen Anwalt genommen habe. Geschäftsleiter Franz Röckenwagner kündigte an, das besagte Schreiben an alle Gemeinderäte zu verschicken. Außerdem werde die Gemeinde zu Teilen des Schreibens Stellung nehmen, die nicht richtig dargestellt seien.

Häusl hält die Vorwürfe für erledigt

Allerdings wird sich der Gemeinderat mit dieser Angelegenheit wohl nicht befassen. Davon geht Bürgermeister Herbert Häusl aus, wie er auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts erklärte. Er hält die Vorwürfe von Lydia Wembacher für erledigt; die Gemeinde werde den Beratungsvertrag mit der Cima deswegen keineswegs auflösen. Denn Nachfragen der Gemeinde hätten keine Bestätigung dieser Vorwürfe ergeben. Auch der Gemeindetag habe der Gemeinde abgeraten, hier weiter tätig zu werden.

Behörden warten auf Stellungnahme der Gemeinde

Wembacher dagegen meint, dass die Gemeinde hierzu sehr wohl noch eine Stellungnahme abgeben müsse. Denn sie warte nunmehr seit fast drei Monaten darauf, dass die von ihr in dieser Sache angeschriebenen Behörden reagieren: Regierung von Oberbayern, Kommunaler Prüfungsverband und Landratsamt. Auf Nachfrage sei ihr nur geantwortet worden, sie würden erst dann eine Stellungnahme dazu abgeben, wenn sich auch die Gemeinde dazu geäußert habe. Wembacher ist nach wie vor davon überzeugt, dass die betreffenden Firmen viel mehr miteinander zu tun gehabt hätten, als behauptet.

Zu den Vorwürfen Straßers, einen bestimmten Standort zu bevorzugen, sagt Wembacher dagegen, sie bemühe sich seit vielen Jahren um die Ansiedlung eines Drogeriemarktes, – wo, sei ihr letztlich egal. Von daher wolle sie sich zu den Vorwürfen nicht weiter äußern. he