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Renommierte russische Impakt-Forscherin zu Gast

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Der Vorsitzende des Fördervereins »Chiemgau Impakt« und stellvertretende Landrat Josef Konhäuser (links) überreichte der renommierten russischen Forscherin Tatyana Shumilova im Gasthof Forelle in Siegsdorf ein Willkommensgeschenk des Landkreises. Rechts im Bild Professor Kord Ernstson vom Chiemgau Impact Research Team (CIRT).

Hochrangigen Besuch hatte der Förderverein »Chiemgau Impakt« jetzt aus Russland: Tatyana Shumilova, Direktorin des Labors für Diamant-Mineralogie, Geologisches Institut, Komi-Wissenschaftszentrum der Russischen Akademie der Wissenschaften in Syktyvkar kam zu einem Forschungsaufenthalt mit den Forschern vom Chiemgau Impact Research Team (CIRT). Auf dem Programm standen eine Woche lang Geländearbeiten, Diskussionen und die Vorbereitung neuer Veröffentlichungen.


Die Zusammenarbeit zwischen dem russischen Institut und dem CIRT gibt es bereits seit etwa zwei Jahren, und in dieser Zeit gab es bereits drei gemeinsame Veröffentlichungen zum Chiemgau-Impakt auf internationalen Kongressen.

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Besonders angetan haben es der Spezialistin für Diamanten die außergewöhnlichen Kohlenstoffproben, die im Streufeld des Meteoriteneinschlages gefunden werden – vor allem der als neues Gestein entdeckte »Chiemit«. Untersuchungen in Russland hätten ergeben, dass dieser nur unter extremen Bedingungen entstehen habe können. Dazu zählten Temperaturen von mindestens 3000 bis 4000 Grad Celsius und ungewöhnlich hohe Drücke.

Etwas anderes als der Impakt eines Asteroiden oder Kometen könne getrost ausgeschlossen werden, betonte Shumilova. Bezüge zu dem 100 Kilometer messenden Impaktkrater von Popigai in Sibirien mit immensen Mengen von Diamanten kamen immer wieder auf den Tisch, zumal Shumilova auch mit dem Begründer der russischen Impaktforschung Victor Masaitis eng zusammenarbeitet. Während der Woche wurde Shumilova von Professor Kord Ernstson, Michael A. Rappenglück, Barbara Rappenglück, dem Geologen Andreas Neumair, Werner Mayer, Thomas Bliemetsrieder, Alfred Dufter und Gerhard Benske von Siegsdorf aus zu verschiedenen Fundorten im Krater-Streufeld begleitet. Eine gründliche Begehung des Gebiets um den Tüttensee mit einem frischen Grabungsschnitt, ein Besuch im Impaktmuseum Grabenstätt sowie Probennahmen für weitere Untersuchungen in Russland gehörten zum Arbeitspensum.

Besonders spannend wurde es für Shumilova, als es mit ganz speziellen Schürfmethoden daran ging, die mittlerweile begehrten Eisensilizide in den Bergen auf über 1600 Meter Höhe, aber auch im Flachland bei Tyrlaching aus dem Boden zu holen, um sie unter dem Mikroskop zu begutachten. Fremdes kosmisches Material in den Händen zu halten und als Geschenk mit nach Russland zu nehmen, war für sie ein besonderes Erlebnis, zumal die neuesten Untersuchungen zu diesem Material und seinen exotischen Bestandteilen eine ganz ungewöhnliche kosmische Vergangenheit nahelegen.

Ihre Überzeugung, dass das von ihr untersuchte Material nur durch einen Impakt erklärt werden könne, fand während der Arbeitswoche mit Geländearbeit und Diskussionen eine weitere Untermauerung. Ihre Verwunderung über den wissenschaftlichen Widerstand konnte sie kaum verbergen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Kritiker nach wie vor einer gemeinsamen sachlichen Diskussion aus dem Wege gingen und keine eigenen Forschungsergebnisse dagegensetzten.

Zum Abschluss des Forschungsaufenthaltes ging es unter geologischer Führung von Professor Ernstson ins Nördlinger Ries und zum Steinheimer Meteoritenkrater – zusammen mit dem Chiemgau-Impakt nunmehr ein Impakt-Dreigestirn in Süddeutschland. Seit Langem bekannte Diamant-Funde im Ries-Krater stießen bei Shumilova auf großes Interesse.

Im Ries-Krater-Museum in Nördlingen staunte sie nicht schlecht, als sie erfuhr, dass dort einem Original-Meteoriten aus dem Tscheljabinsk-Einschlag im Februar in Russland eine Sonderausstellung gewidmet ist. Museumsleiter Professor Hölzl erläuterte der Chiemgau-Gruppe die spannende Thematik. mmü