weather-image

Rekordzahlen im Traunsteiner Schlachthof

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Josef Kaiser aus Traunstein-Höpperding ist Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh. Die Tiere der Mitgliedsbetriebe werden im Traunsteiner Schlachthof verarbeitet.

55 000 Tiere wurden im vergangenen Jahr im Traunsteiner Schlachthof verarbeitet, davon allein 23 000 von der Erzeugergemeinschaft (EG) Schlachtvieh. Damit hat die Genossenschaft im vergangenen Jahr einen neuen Rekord erzielt. Sorgen bereitet lediglich der Rückgang der Mitgliederzahlen bei dieser bäuerlichen Selbsthilfevereinigung. Seit 1991 ist deren Zahl von 3100 auf derzeit 2600 gesunken. Grund dafür sind fast ausschließlich Betriebsschließungen, wie der Vorsitzende des wirtschaftlichen Vereins, Josef Kaiser aus Traunstein-Höpperding, in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt betonte.


Im Jahr 2004 hat die Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh den einstmals städtischen Schlachthof übernommen. Sie hat damals eine Betreibergesellschaft gegründet, von der zwei Drittel der Anteile ihr und ein Drittel der Erzeugergemeinschaft Miesbach gehören. Die EG kümmert sich um die Erfassung, um Organisation, Transport und Viehannahme.

Anzeige

Die Arbeit im Schlachthof wurde an die Firma Alpenrind aus Salzburg vergeben. Sie ist das Tochterunternehmen eines amerikanischen Konzerns, betreibt den Salzburger Schlachthof und Traunstein als Zweitbetrieb. Alpenrind erledigt die Arbeiten vom Schlachten über das Wiegen bis zum Klassifizieren und Verkauf der Tierkörper.

Das Geschäft floriert. In den letzten vier Jahren sind die Schlachtzahlen der EG von 16 800 auf zuletzt 23 078 um nahezu 40 Prozent gestiegen. Sie gliedern sich auf in Kühe (10566), Stiere und Ochsen (5047), Rinder (3812), Kälber und Färsen (342). Auffallend hoch ist der Anteil an Kühen; kein Wunder, ist die Region doch ein ausgesprochenes Milchviehgebiet.

Der Einzugsbereich umfasst die Landkreis Traunstein und Berchtesgadener Land sowie Teile von Mühldorf, Altötting und Rosenheim. Dass vor allem die Zahl der Mitglieder aus dem Berchtesgadener Land sinkt, führt Kaiser darauf zurück, dass hier besonders viele kleine Bergbauernbetriebe mit weniger als 15 Kühen ansässig sind. Im Zuge des Generationswechsels sei hier die Zahl der Betriebsaufgaben höher als andernorts.

Die BSE-Krise ist längst vergessen. In Deutschland hat es seit zwei Jahren keinen BSE-Fall mehr gegeben. In der Europäischen Union wurde jetzt die Pflicht abgeschafft, gesunde Tiere auf BSE zu testen. Deutschland, das sich sonst fast immer in vorauseilendem Gehorsam von der EU verfügten Verschärfungen beugt, macht bei dieser Lockerung aber nicht so mit, wie es die EU-Vorgaben erlauben würden. Lediglich das Testalter der Tiere wird in einigen Monaten in Deutschland von sechs auf acht Jahre heraufgesetzt.

Rindfleisch ist bei den Verbrauchern beliebt. Und es ist ausgesprochen preiswert, wenn man Vergleiche zu früher anstellt. 1985, so weist Kaiser mit Statistiken von seinem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb nach, habe er knapp 7 D-Mark, also etwa 3,50 Euro, pro Kilo Schlachtgewicht bekommen. Das ist ziemlich genau der gleiche Preis, der heute, 28 Jahre später, bezahlt wird. Allerdings gab es in diesen 28 Jahren Zeiten, in denen Rindfleisch viel billiger war. Am Höhepunkt der BSE-Krise kostete das Kilo weniger als 2 Euro.

»Unsere Fleischqualität ist nicht schlecht«, betont Kaiser auf die provokante Aussage, amerikanisches Rindfleisch schmecke wesentlich besser. Es sei in erster Linie der Verbraucher, der verhindere, dass noch bessere Qualität auf den Teller komme. Eine mehrwöchige Reifung, die unabdingbare Voraussetzung dafür ist, dass Rindfleisch butterweich ist und auf der Zunge zergeht, ist in Deutschland nicht möglich. Denn dann verliert das Fleisch seine frische rote Farbe, wechselt in Braun und Grau und wird von der Hausfrau abgelehnt.

Zurück aber zum Traunsteiner Schlachthof, der auf Hochtouren läuft. Bis zu 350 Tiere der EG werden hier täglich zur Schlachtbank geführt. Gibt es etwas zu reparieren oder zu erneuern, kann das fast nur nachts oder am Wochenende gemacht werden, um den Betrieb nicht zu beeinträchtigen. Die Betriebsgesellschaft bemüht sich, den Verarbeitungsbetrieb immer auf dem neuesten Stand der Technik zu halten und die strengen EU-Hygienevorschriften zu erfüllen. Seit 2004, so Vorsitzender Josef Kaiser, habe man dafür rund 3 Millionen Euro investiert. Als nächster großer Brocken stehe heuer ein Anbau weiterer Kühlräume an, da angesichts der gestiegenen Schlachtzahlen die Kapazitätsgrenzen bei Kühlung und Lagerung erreicht sind. Rund 2 Millionen Euro wird der Anbau kosten. Übrigens: Das Fleisch der Tiere, die heute geschlachtet werden, muss schon am nächsten Tag, wenn die Körper abgekühlt sind, abtransportiert werden, damit genug Platz für die nächste Tagesproduktion da ist.

Trotz aller Rationalisierung hat auch das Schlachten seinen Preis. Ein Bauer, der einen Stier oder eine Kuh zum Schlachthof bringt, zahlt etwa 120 Euro für die Dienstleistungen, die erbracht werden, bis die beiden Rinderhälften abholbereit sind.

Zu den vielen Nebenkosten zählen zum Beispiel auch die für das Beseitigen bzw. Weiterverarbeiten der Abfälle und Nebenprodukte, vom Blut über den Panseninhalt bis zu den Köpfen und Fellen. Pro Tier fallen an die 30 Liter Blut an, also bis zu 25 000 Liter am Tag. Es wird nach Plattling gebracht, wo es die dortige Tierkörperverwertungsanstalt (TVA) zu Blutmehl verarbeitet. Aus 1000 Litern Blut werden drei Zentner Blutmehl. Abnehmer sind Pelztierfarmen in ganz Europa. An Nutztiere darf das Blutmehl nicht verfüttert werden, wie der Betriebsleiter der TVA Plattling, Stefan Schlecht, gestern auf Anfrage unserer Zeitung betonte.

Für die Stadt Traunstein ist es sicherlich ein Glücksfall, dass der Schlachthof so erfolgreich arbeitet. Jahrzehntelang war er ein Defizitbetrieb, der mit Steuergeldern erhalten werden musste. Gleichzeitig trat der Nutzen für die heimischen Metzger, für die er eigentlich gebaut wurde, immer mehr in den Hintergrund. Bleibt zu hoffen, dass die bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung weiterhin so floriert wie in den letzten Jahren. -K.O.-