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Reit im Winkler Original feiert 90. Geburtstag

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Ein Reit im Winkler Original feiert am heutigen Montag seinen 90. Geburtstag: Franz Schlechter sen. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. 72 Jahre lang war er aktives Mitglied der Reit im Winkler Musikkapelle, 47 Jahre stand er dem Theaterverein vor, er leitete über 40 Jahre die Begrüßungsabende – stolze und doch nüchterne Zahlen, die nur einen Teil des außergewöhnlichen Lebenswerkes von Franz Schlechter sen. charakterisieren. Am heutigen Montag feiert er seinen 90. Geburtstag. Schon vor wenigen Monaten ehrte ihn seine Heimatgemeinde: »Was Maria Hellwig für unseren Ort in der Außenwerbung getan hat, das erfüllte Franz Schlechter sen. vor Ort.« Mit diesen Worten wurde im März 2013 die Bedeutung dieses Reit im Winkler Originals offiziell gewürdigt. Damals war ihm anlässlich der Bürgerversammlung der Ehrenring verliehen worden, die höchste Auszeichnung, die der Ort zu vergeben hat.


Wer mit Franz Schlechter auf diese bewegten neun Jahrzehnte zurückblicken mag, der muss viel Zeit mitbringen, viel hat Franz Schlechter erlebt, viel hat er zu erzählen; von seinem Geburtsort beispielsweise, dem »Schneiderhäusl«, einem ehemaligen kleinen landwirtschaftlichen Anwesen unmittelbar an der Grenze zu Tirol, wo er mit zwei Schwestern aufwuchs und schon in jungen Jahren viel zu arbeiten hatte. Oder von seiner Leidenschaft, auf Bühnen zu stehen und die Leute zu unterhalten. Diese Leidenschaft, ob als Theaterspieler oder Musikant, brachte ihn weit in die Welt und dies schon in frühen Jahren.

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So reiste er 1958 im Rahmen eines Kulturaustausches mit der damals 38-jährigen Maria Hellwig auf große Tournee in die damalige Sowjetunion, ein schwieriges und ungewöhnliches Ziel in der Zeit des deutlichen, politischen Ost-West-Gegensatzes. Aber trotz vieler und langer Reisen: »Aus Reit im Winkl ganz wegzugehen, das kam für mich damals nie infrage«, sagt er heute. Zu tief sei er mit dem Ort, insbesondere mit den Vereinen, verwurzelt.

Zu jener Zeit hatte der gelernte Maurer auch schon damit begonnen, eine Skischule aufzubauen, die schließlich bis zu 130 Skilehrer beschäftigte und zu einem wichtigen Arbeitgeber in dem aufstrebenden Ferienort wurde. Weithin bekannt und geschätzt war Schlechter auch als Hochzeitslader. Jahrzehntelang bat er mit Charme und viel Humor zu vielen Hochzeitsfeiern.

Heute habe sich viel verändert, bilanziert Schlechter: »Bei uns galt Strenge und Disziplin noch viel«, sagt der Vater von fünf Töchtern und drei Söhnen, »heute haben es die Menschen, auch die jungen, dagegen recht schön, vielleicht ja viel zu schön.«

Und welche Haltung war ihm zeitlebens immer besonders wichtig? »Ich habe immer versucht, gut drauf zu sein und ich wollte vor allem eines nicht: Unfrieden.« Man müsse zusammenhelfen und zusammenhalten, dann könne man etwas bewegen, ergänzt er. Und um alt werden zu dürfen, rät er vor allem zu viel Sport. Erst vor wenigen Tagen sei er wieder beim Skifahren gewesen, auf der Steinplatte ganz oben. Allerdings sei er nicht mehr alleine unterwegs, »weil wenn ich hinfalle, dann komme ich von selbst nicht mehr auf die Höhe.«

Feiern wird Franz Schlechter sen. seinen heutigen 90. Geburtstag im Kreise derer, die ihm viel zu verdanken haben und denen er viel zu verdanken hat: im Kreise der Familie und der Vertreter zahlreicher Reit im Winkler Ortsvereine. ost