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Reit im Winkler im Zeugenstand

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Traunstein. In ruhiger, sachlicher Manier beleuchtet derzeit die Erste Strafkammer am Landgericht Traunstein einen spektakulären Überfall im August 2009 in Reit im Winkl auf einen rumänischen Geschäftsmann. Auf der Anklagebank sitzen drei Männer aus dem Bereich Koblenz – ein Zahnarzt (64), ein Modelagent (46) sowie ein Karosseriebauer (47), der Mitglied der Rockergruppe »Hells Angels« ist.


Gestern war »Reit im Winkl«-Tag: Die Kammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann hörte an, was mehrere Randzeugen im Vorfeld der Tat beobachtet hatten. Direkte Augenzeugen waren allerdings nicht darunter. Bürgern aus der Gemeinde waren fremde Fahrzeuge und Menschen, die sich ungewöhnlich verhielten, aufgefallen. Darunter waren Leute, die zum Beispiel scheinbar uninteressante Motive knipsten oder sich ständig irgendwelche Notizen machten. Der Geschädigte war am Tattag auf dem Parkplatz vor der Pension seiner Tochter abgepasst, niedergeschlagen und durch Reizgas in die Augen verletzt worden.

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Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt. Ob weitere Termine erforderlich sind, steht noch nicht fest. Ebenso wenig ist bekannt, ob das mutmaßliche Opfer, das in Bukarest eine fünfjährige Freiheitsstrafe wegen Unterschlagung verbüßt, für seine Zeugenaussage nach Deutschland eingeflogen werden will. Nach Worten des Vorsitzenden Richters ist das Einverständnis des 56-Jährigen erforderlich.

Auf Null verringerte sich gestern die Zuhörerzahl: Kein Außenstehender verfolgte den Prozess. Bei der Erstauflage des Verfahrens mit Freispruchurteil für alle drei Angeklagten vor gut zwei Jahren war das noch anders. Zuschauer aus der Region waren ebenso regelmäßig anwesend wie Hells-Angels-Mitglieder. Der Grund: Zwei Rocker dieser Gruppe sollen laut Anklage an dem Überfall in Reit im Winkl direkt mitgewirkt haben, unter ihnen der 47-Jährige. Der angebliche zweite Mann konnte aber nie ermittelt werden. kd