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Reit im Winkler Gemeinderat erließ Veränderungssperre

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Die geplante Wohnparkanlage könnte optisch nicht zu den bisherigen Gebäuden in der Gemeinde, wie zum Oberschmied, dem ältesten Gebäude Reit im Winkls, passen. Deshalb erließ der Gemeinderat die Veränderungssperre. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl – Vieles hatte im Reit im Winkler Gemeinderat im vergangenen halben Jahr darauf hingedeutet, dass im Ortszentrum eine neue Wohnparkanlage entstehen könnte. Jetzt schlug der Gemeinderat einen komplett anderen Weg ein: Er erließ für weite Teile des Ortskerns – inklusive der großen Baufläche – eine zunächst auf zwei Jahre befristete Veränderungssperre.


Auf einer Fläche von rund 2500 Quadratmetern sollten fünf Einfamilienhäuser gebaut werden. Nach etlichen Einwendungen in der Sitzung Ende Juni hatte der Antragsteller, die R Development GmbH, auf Wunsch der Gemeinde einige Planungsänderungen vorgenommen. Anfang September stimmten die Gemeinderäte dann mit großer Mehrheit einem entsprechenden Vorbescheidsantrag zu. In der jüngsten Sitzung zogen die Gemeinderäte offenbar die Notbremse, nachdem innerhalb des Gremiums, aber auch in der Bevölkerung vermehrt Unmut über dieses Projekt geäußert worden war. Jetzt soll in einem Bebauungsplan genau geregelt werden, welche Bauweise im historisch gewachsenen Zentrum vertretbar ist und zum Dorf passt.

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Es sei ein sensibler Bereich. Der Ort definiere sein charakteristisches Erscheinungsbild gerade aus dem Zentrum heraus, wie Bürgermeister Josef Heigenhauser in einer längeren Erklärung darstellte. Hier stehen der Oberschmied, das älteste Gebäude Reit im Winkls, die Pfarrkirche und sehr alte, den Ort prägende Bauwerke. Gleich fünf Einfamilienhäuser in unmittelbarer Nähe könnten dieses gewachsene Ensemble möglicherweise optisch beeinträchtigen, zumal ein angrenzendes zweites Grundstück ähnlicher Größe wohl in der Folge in gleicher Weise mit Einfamilienhäusern bebaut werden könnte.

Man habe diese Bedenken auch im Landratsamt vorgetragen, so Heigenhauser weiter, und war dort auf Verständnis und Unterstützung gestoßen. In einem Gespräch hatte man im Landratsamt dem Investor die Überlegungen mitgeteilt. »Hier herrschte natürlich große Enttäuschung.« Enttäuschung darüber, dass nun eben eine Veränderungssperre erlassen wurde, was bedeutet, dass eine bauliche Tätigkeit im Ortszentrum derzeit nicht möglich ist. Ob juristisch nach dem positiven Vorbescheidsantrag nachträglich eine solche Veränderungssperre überhaupt erlassen werden kann, erklärte sich für die Gemeindeverwaltung in einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2004. Dies sei durchaus möglich, wie es im Begleitschreiben den Gemeinderäten vorgetragen wurde.

Die zeitliche Dauer der Veränderungssperre will die Verwaltung nun dazu nutzen, für das Ortszentrum einen Bebauungsplan aufzustellen – dieser fehlt bisher. Als Kerngebiet wurde dabei der Bereich Hausbachweg/Birnbacher Straße im Südwesten bis zum Grünbühel im Norden, zum Oberschmied im Osten und zur Pfarrkirche definiert. Beauftragt werden soll dafür ein Planungsbüro, das genau auslotet, welche Bebauung im Ortskern vor dem Hintergrund der historischen Bausubstanz verträglich ist.

Die Kosten für dieses Bauleitverfahren sind von der Gemeinde zu bezahlen. Möglich ist ein Zuschuss von bis zu 60 Prozent von der Regierung von Oberbayern im Rahmen der Städtebauförderung. In zwei Beschlüssen votierten die Gemeinderäte jeweils einstimmig zugunsten der Veränderungssperre und der Aufstellung des Bebauungsplans. ost