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»Reisende soll man nicht aufhalten«

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»Wenn es um so eine Position geht, dann dürfen wir keinen Schnellschuss machen«, sagt Landrat Siegfried Walch zum Thema Nachfolger von Stefan Nowack, den Geschäftsführer der Kliniken Südostbayern AG, der im März 2015 nach Passau wechselt. (Foto: Reiter)
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Ludwig Unterreiner ist überzeugt davon, dass Stefan Nowack gar nichts anderes übrig blieb als zu gehen. »Denn mit der Vorgabe kann man nicht wirtschaftlich arbeiten.«

Traunstein. Der Aufsichtsrat der Kliniken Südostbayern AG hat dem Wunsch von Stefan Nowack entsprochen und seinen Vertrag aufgelöst. Der langjährige Geschäftsführer wird ans Klinikum nach Passau wechseln (wir berichteten). »Reisende soll man nicht aufhalten, das macht keinen Sinn«, sagt Landrat Siegfried Walch am Tag nach der Abstimmung im Gespräch mit uns. Das sei auch dem Aufsichtsrat klar gewesen.


»Gerade auf so einer Position und in der jetzigen Situation brauchen wir jemanden, der das Amt mit ganzer Kraft ausübt und mit ganzem Herzen dahintersteht.« Siegfried Walch betont aber auch, dass er dem scheidenden Geschäftsführer der Kliniken AG sehr dankbar ist. »Er hat wirklich sehr viel geleistet. Nun haben wir zwar das Defizit, doch es war insgesamt eine sehr lange und erfolgreiche Zeit.«

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»Wir dürfen keinen Schnellschuss machen«

Stefan Nowack leitet seit über 22 Jahren die Kliniken Traunstein und Trostberg, seit 2006 die Kliniken des Berchtesgadener Landes und seit der Fusion der Kliniken beider Landkreise die Kliniken Südostbayern AG. Im vergangenen Jahr machte die Aktiengesellschaft ein Defizit von 8,8 Millionen Euro.

Nach Passau wechseln wird Stefan Nowack im nächsten Jahr. »Er geht also nicht von heute auf morgen, sondern wird das Geschäftsjahr 2014 noch zu Ende bringen«, sagt Landrat Siegfried Walch. »Ich bin überzeugt davon, dass er die nächsten Monate mit vollem Einsatz weiterarbeiten wird.« Nowacks Vertrag endet zum 31. März 2015.

»Ruhpolding kommt irgendwann weg«

Auf die Frage, ob es schon einen Nachfolger gibt, sagt Landrat Siegfried Walch: »Wenn es um so eine Position geht, dann dürfen wir keinen Schnellschuss machen.« Es gebe viele Bewerbungen auf den Posten, »doch nun heißt es, die qualitativ Guten herauszufiltern.« Dies sei die Aufgabe der nächsten Wochen, eine Entscheidung stehe voraussichtlich im Oktober an. »Wir haben auch eine Personalberatung damit beauftragt, die sich im Bereich Kliniken auskennt, uns bei der Auswahl zu helfen.« Die endgültige Entscheidung treffe dann der Aufsichtsrat.

Kreisrat Ludwig Unterreiner sieht den Grund für den Weggang von Stefan Nowack in der Politik. »Die Landräte wollen alle sechs Krankenhäuser halten, doch mit dieser Vorgabe kann man nicht wirtschaftlich arbeiten.« Das Defizit könne nur in den Griff bekommen werden, wenn die Struktur der Kliniken AG verändert werde. Für den Freilassinger steht fest, dass es der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch dabei deutlich einfacher hat als sein Kollege aus dem Berchtesgadener Land, Georg Grabner: »Im Landkreis Traunstein gibt es mit Trostberg und Traunstein zwei gut funktionierende Krankenhäuser auf medizinisch hohem Niveau. Ruhpolding kommt irgendwann weg, davon bin ich überzeugt.« Doch im Berchtesgadener Land gebe es weitaus größere Probleme, sagt Ludwig Unterreiner. In das Berchtesgadener Krankenhaus habe man in den vergangenen Jahren über zehn Millionen Euro investiert, »doch trotzdem läuft es nicht gut.« Und auch in Reichenhall und Freilassing gebe es große Probleme. Hier müsse endlich eine Entscheidung getroffen werden, »die auf lange Sicht finanziell auch zu schultern ist«, betont Unterreiner. – Eine erste Entscheidung steht definitiv im Herbst an: Dann müssen die Landkreise das Defizit der Kliniken AG ausgleichen. Die große Frage ist: Wer zahlt wieviel? Siegfried Walch ist der Meinung: »Beide Landkreise haben gleich viele Standorte und auch der Nutzen ist gleich groß.« Landrat Georg Grabner soll das nach Informationen des Traunsteiner Tagblatts anders sehen. Bestätigen wollte der 62-Jährige das nicht: »Es steht fest, dass wir Geld in die Hand nehmen müssen. Aber wie das dann genau aufgeteilt wird, ist noch nicht klar.« Er werde sich in den nächsten Tagen mit den Fraktionsvorsitzenden seines Kreistags zusammensetzen und über das Thema beraten. Am 8. Oktober gebe es dann eine Kreistagssitzung zu diesem Thema. Wie hoch der Betrag ist, den die Landkreise ausgleichen müssen, wollte Landrat Grabner nicht sagen. »Mir ist Transparenz wichtig, aber erst müssen wir das Ganze intern klären.« Klara Reiter