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Reinhard Prechtl: »Anlage ist nicht normgerecht«

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Die Umbauarbeiten an der Brunneranlage sollen noch in diesem Jahr starten – das Hauptfeld soll ein Kunstrasenplatz werden. Die Planungen sehen daher unter anderem vor, dass der Zielbereich der Speerwurfanlage auf die hier im Bild zu sehende, weitere Rasenfläche kommen soll. Eines der Probleme dabei ist, dass die Speere damit über die Laufbahn geworfen werden müssen. (Foto: Brenninger)

Traunstein. Die Leichtathleten in der Region sollen bald eine neue, hochmoderne Anlage zur Verfügung stehen haben – und zwar auf dem ehemaligen Gelände des ESV Traunstein (Brunneranlage). Die Planungen sehen vor, dass in dem dann wettkampftauglichen Stadion künftig auch große Veranstaltungen wie etwa eine Bayerische Meisterschaft durchgeführt werden können. Denn – so wurde im Kreisausschuss und Stadtrat zuletzt immer wieder argumentiert – die Anlage würde nach anfänglichen Unstimmigkeiten nun doch normgerecht gebaut und damit alle Voraussetzungen für solche Wettkämpfe geschaffen werden (wir berichteten). Diese Umplanungen verursachen eine erhebliche Kostensteigerung, deswegen schlägt der Verein zur Förderung der Leichtathletik im Chiemgau (VFL) nun Alarm. »Der Grundgedanke war gut gemeint«, betont VFL-Vorsitzender Reinhard Prechtl im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Aber die Anlage ist nicht normgerecht.«


Damit sei sie allenfalls ausreichend für schulsportliche Belange und den Breitensport mit seinen Sportabzeichen, betont er. »Wir haben darauf Jahrzehnte gewartet, dass uns der Landkreis diese Chance eröffnet«, ergänzt Herbert Huber vom TSV Bergen. »Aber das ist kein Vorzeigeobjekt, sondern eine Totgeburt.«

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Leichtathleten brauchen einen Trockenbereich

Die beiden Leichtathleten begründen ihren jetzigen, späten Schritt an die Öffentlichkeit mit den Beschlüssen der vergangenen Wochen. »Unsere Gründe sind nicht nur rein sportlicher Natur, sondern fußen auch in unserer Verantwortung für Steuergelder«, sagen sie. »Ich dachte immer, die planen noch um«, ergänzt Prechtl.

Der Kreisausschuss beschloss zuletzt, auf der Brunneranlage ein Funktionsgebäude für knapp 900 000 Euro zu bauen, die alte Tribüne mit Überdachung wird abgerissen. Die Stadt gibt 60 000 Euro, damit das Gebäude auch mit Duschen ausgestattet wird. »Das ist ein kostenintensiver Rückschritt par excellence«, sagt Huber. »Für wen eigentlich?«

Sie begründen ihren Vorwurf unter anderem damit, dass das neue Funktionsgebäude keine Tribüne mit Überdachung habe und dessen Platzierung weit ab der Ziellinie keinerlei »Funktion« zulässt. »Die Athleten brauchen aber einen Trockenbereich, um all ihre Taschen und Ausrüstungen abstellen zu können«, betont Huber.

Reinhard Prechtl und auch Reinhold Gruber, Fachberater am Chiemgau-Gymnasium, probierten in der Vergangenheit durchaus, auf einige Ungereimtheiten hinzuweisen. Diese Bedenken wurden unter anderem in einem Schreiben an das Landratsamt festgehalten, betonen sie. »Bis zum heutigen Tag erfolgte von dieser wohl sehr kompetenten Seite nicht die geringste Reaktion«, kritisieren sie.

Das Hauptproblem, warum die Anlage nicht normgerecht gebaut werden kann, ist nach Aussagen von Prechtl und Huber der geplante Kunstrasenplatz. »Durch diesen Platz ist die Leichtathletik in ihrer ganzen Breite nicht mehr darstellbar«, monieren sie und bemerken, dass selbst für Trainingszwecke die Laufbahn nicht genutzt werden kann. Denn, so fügen sie hinzu, es solle ja eine Vermarktung des Kunstrasenfeldes durch den SB Chiemgau Traunstein erfolgen. Der Platz werde sicherlich voll genutzt, betonen sie. »Dann die Laufbahn zu benutzen und womöglich abgeschossen zu werden, verbietet sich aus gesundheitlichen Gründen von selbst.«

Dabei seien in der Deutschen Leichtathletikordnung (DLO) alle Vorgaben für den Bau von Sportstätten festgehalten, betonen sie. »Die Planungsgemeinschaft sollte sich diese mal zur Brust nehmen.« Darin sind etwa auch die genauen Bestimmungen für eine Speerwurfanlage festgelegt.

Zwar sehen die Planungen für das neue Traunsteiner Stadion eine Speerwurfanlage vor, wegen des Kunstrasenplatzes geht diese aber – untypisch für eine Leichtathletikanlage – weg vom Stadion. Schließlich würden die Speere den Kunstrasenplatz erheblich beschädigen. »Das ist schon mal schlecht für die Zuschauer«, sagt Prechtl. Zudem führt der Wurfsektor über die Laufbahn. »Damit sind die Lauf- und Speerwettbewerbe nur eingeschränkt möglich«, ergänzt der Vorsitzende, der noch einen weiteren Punkt hervorhebt: Durch den Hochwasserschutz – der Kunstrasenplatz muss deswegen extra angehoben werden – besteht bei der Speerwurfanlage zwischen Start- und Zielbereich laut seinen Informationen ein Höhenunterschied von gut einem Meter. »Das darf laut Richtlinien aber nicht sein«,« betont Prechtl und schüttelt den Kopf: »So eine Anlage gibt es in ganz Bayern nicht.«

Doch beide möchten nicht mehr nachtreten. »Wir möchten aus diesem Schlamassel noch das Beste machen«, sagt Huber, »wir müssen in die Zukunft schauen.« Normgerecht, sind sich beide einig, könne man die Anlage nicht mehr machen, sagt Prechtl. Denn das wäre nur möglich, wenn statt des Kunstrasenplatzes ein Naturrasenplatz gebaut werde.

Sie haben auch bereits einen Lösungsansatz erarbeitet. »Der Kreisausschuss tut gut daran, seine bisher gut gemeinten, beschlossenen Zuschüsse noch einmal zu überdenken«, fordern sie. »Alles muss erneut auf den Prüfstand.« Die Brunneranlage soll ihrer Meinung nach »eine reine Schulsportanlage« werden. Der Abriss des ehemaligen ESV-Vereinsheims könnte damit verschoben werden, um den aus ihrer Sicht wichtigen Trockenbereich für die Schüler zu erhalten.

Vorschlag: Anlage in Ruhpolding sanieren

Der Landkreis würde sich ihrer Meinung nach damit viel Geld sparen. »Und das Einsparpotenzial könnte aufgewendet werden, um die in die Jahre gekommene Ruhpoldinger Leichtathletikanlage zu sanieren«, betonen sie. »Das Waldstadion – keine 15 Kilometer von Traunstein entfernt – ist DLO-regelkonform ausgestattet.« Damit würden dort – eine Sanierung vorausgesetzt – wieder Leichtathletikmeisterschaften stattfinden. Für Reinhard Prechtl und Herbert Huber wäre das die richtige Lösung, zumal sich Traunstein mit seiner geplanten Anlage ihrer Ansicht nach »in die leichtathletische Diaspora zurückziehen muss«. SB