Region hat einen »weltgeschichtlich herausragenden Schatz«

Bildtext einblenden
Die Salzgewinnung prägte früher die Region Südostbayern. Eine von mehreren Salinen stand in Traunstein, sie war von 1619 bis 1912 in Betrieb (unser Foto). Salz gewann der Staat nicht nur im Karl-Theodor-Sudhaus (ein Teil ist am rechten Bildrand zu sehen), das vier Sudpfannen beherbergte, sondern auch in der sogenannten »Fünfer-Pfanne« (Mitte). Während die Stadt das Karl-Theodor-Sudhaus in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts abriss – heute befindet sich dort der Karl-Theodor-Parkplatz –, steht das Gebäude der »Fünfer-Pfanne« heute noch. (Foto: Stadtarchiv Traunstein)

In kleinen Schritten will der Landkreis Traunstein ein großes Ziel erreichen: Er bemüht sich darum, dass die UNESCO eines Tages das Salzwesen in der Region zum Weltkulturerbe ernennt. Auf diesem langen Weg hat der Landkreis nun eine Reihe von Partnern an seiner Seite, die mit ihm an einem Strang ziehen. So haben die Landkreise Traunstein, Rosenheim und Berchtesgadener Land, die Städte Traunstein, Rosenheim und Bad Reichenhall wie auch der Markt Berchtesgaden ihre Absicht erklärt, gemeinschaftlich zu prüfen, »ob eine Anerkennung des Salzwesens in Südostbayern in Verbindung mit dem Bergwerk und der Saline Hallein als materielles Kulturerbe oder als immaterielles Kulturerbe der UNESCO sinnvoll ist«.


Die Region diesseits der Grenze verfügte früher über Salinen in Berchtesgaden, Reichenhall, Traunstein und Rosenheim wie auch über ein Salzbergwerk in Berchtesgaden. Der bayerische Staat sorgte über Jahrhunderte für Beschäftigung in der strukturschwachen Gegend – die Salzgewinnung prägte das Land am Alpenrand. Inzwischen hat sich viel verändert, allein die Saline in Bad Reichenhall und das Salzbergwerk in Berchtesgaden sind noch in Betrieb.

Vor Jahr und Tag hatte Historiker Dr. Alfred Kotter aus Traunstein die Idee in den Raum gestellt, dass das Salzwesen, das aufgrund seiner vernetzten Struktur etwas Einzigartiges darstellte und darstellt, von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt werden könnte. Der Landkreis Traunstein griff die Idee auf und machte sich an die Arbeit. Insbesondere suchte er nach Partnern, die sich mit ihm auf den Weg begeben, der sehr lange sein kann – Jahre können bis zur erhofften Auszeichnung vergehen. Ende 2020 entwarf die Landkreisverwaltung in Traunstein eine Absichtserklärung, einen, wie sie sagte, »Letter of Intent«, die sie alsdann an jene Gebietskörperschaften schickte, die sie mit ins Boot zu nehmen trachtete.

Partner unterschrieben Absichtserklärung

Der Plan ging auf: Alle angeschriebenen Landräte und Bürgermeister unterzeichneten die Absichtserklärung. »Der 'Letter of Intent' ist mittlerweile von allen Partnern unterschrieben«, berichtete Alexandra Wolf vom Landratsamt in Traunstein auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Die Abteilungsleiterin in der Kreisverwaltungsbehörde koordiniert die Arbeiten für die Bewerbung um die Verleihung des Titels durch die UNESCO.

»Es besteht Einigkeit da-rin, dass die gemeinsame Region mit dem Salzwesen einen weltgeschichtlich herausragenden Schatz bietet«, betonen die Landkreise Traunstein, Rosenheim und Berchtesgadener Land, die Städte Traunstein, Rosenheim und Bad Reichenhall sowie der Markt Berchtesgaden in ihrem »Letter of Intent«. Die Gewinnung und Verarbeitung des Salzes habe in der Vergangenheit für großen wirtschaftlichen Wohlstand in der gesamten Region gesorgt und sei auch in der Gegenwart durch Bauwerke, Natur und Brauchtum noch präsent. »Das Bestreben aller Partner geht dahin, die Zeugnisse des Salzwesens auch für die Zukunft zu bewahren.«

Die sieben Partner prüfen nun, ob eine Anerkennung des Salzwesens in Südostbayern und im Land Salzburg – auch Hallein war früher ein Zentrum der Salzgewinnung – als materielles oder als immaterielles Weltkulturerbe sinnvoll ist. Miteinbeziehen möchten sie, wie sie weiter betonen, die Erfolgsaussichten beider Verfahren und »die mögliche Wirkung einer Anerkennung im Verhältnis zum erwarteten Aufwand«. Zu diesem Zweck entsendet jeder Partner nach Möglichkeit eine fachlich geeignete Person aus der Verwaltung in eine Expertengruppe, die dann die notwendigen Entscheidungsgrundlagen erar-beitet.

Expertengruppe trifft sich

Die Unterzeichner der Erklärung unterstreichen, dass sie die Unterstützung der österreichischen Seite – insbesondere der Stadt und des Bezirks Hallein sowie des Landes Salzburg – so bald wie möglich anstreben. Denn dann könnten sich die Erfolgsaussichten beider Verfahren noch einmal erhöhen.

Das Zusammentreffen der Expertengruppe sei für den Sommer geplant, sagt Wolf. »Selbst wenn die Interessensbekundung für eine Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe noch nicht Erfolg hat, wird die Gruppe Vorschläge erarbeiten, wie der gemeinsame Schatz in der Region gehoben und für die nachfolgenden Generationen bewahrt werden kann.« Auch die Frage nach einem einheitlichen Vermittlungskonzept für Touristen, Familien und alle Interessierten werde behandelt. Daneben sei zu beleuchten, ob eine Anerkennung des handwerklichen Verfahrens und der aus dem Salzwesen entstandenen Traditionen als immaterielles Kulturerbe möglich und sinnvoll ist. »Ziel ist, so viel Wissen um Kultur, Brauchtum und Geschichte des regionalen Salzwesens wie möglich zu erhalten und weiterzuvermitteln.«

Österreichische Seite ist informiert

Der Bürgermeister von Hallein, der Bezirkshauptmann von Hallein und die Landeshauptmannschaft Salzburg seien über das Projekt informiert, so die Abteilungsleiterin weiter. »Auch von dieser Seite sollen Fachkräfte Teil der Expertengruppe werden.«

Der Bayerische Ministerrat wird nach der Sommerpause zusammentreten, die beiden bayerischen Vorschläge für eine Bewerbung um den Titel Weltkulturerbe festlegen und sie dann der Deutschen Kultusministerkonferenz vorlegen. Der Justizpalast Nürnberg ist laut Alexandra Wolf bereits vorab festgelegt worden, die Expertenkommission am Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst erarbeitet gerade eine Empfehlung für ein zweites Projekt. Und die Abteilungsleiterin im Landratsamt sagt weiter: »Wir hoffen, bald eine offizielle Information zur Entscheidung zu erhalten.«

Mehr aus der Stadt Traunstein