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»Regina Coeli« von Adlgasser gedruckt und übergeben

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Inzells Bürgermeister Hans Egger mit Hofrat Prof. Dr. Werner Rainer und Dr. Dominik Sediv (von links) bei der Übergabe der Adlgasser-Noten. (Foto: Mergenthal)

Inzell – Knapp fünf Prozent der 190 bekannten Werke des Inzeller Komponisten Anton Cajetan Adlgasser sind gedruckt, der Rest seiner Musik existiert nur in Form von Handschriften. Das soll ein 2014 geschlossener Vertrag der Gemeinde Inzell mit der Johann-Michael-Haydn-Gesellschaft in Salzburg ändern. Jedes Jahr stellt die Gemeinde 500 Euro für die Publikation von Adlgasser-Werken zur Verfügung. Heuer wurden ein »Regina Coeli« und eine »Türkische Arie« in jeweils 25 Exemplaren gedruckt und Bürgermeister Hans Egger übergeben.


Dazu waren Hofrat Prof. Dr. Werner Rainer aus Salzburg, der sich seit Jahren um die Adlgasser-Forschung und Publikationen bemüht, sowie der Musikwissenschaftlicher Dr. Dominik Sediv gekommen. Den Anton-Cajetan-Adlgasser-Freundeskreis in Inzell vertraten Annelie Gromoll und Heimatpfleger Willi Preinfalk.

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Marianische Antifon der Osterzeit

Das »Regina Coeli« ist die marianische Antifon der Osterzeit und hat ihren liturgischen Ort am Ende der Feier der Komplet beziehungsweise der Vesper. Das »Regina Coeli« in C für Solosopran, Chor und Orchester des Inzeller Lehrersohns Adlgasser (1729 bis 1777), der als Salzburger Hoforganist Vorgänger von Wolfgang Amadeus Mozart war, entstand im Jahr 1759.

Als Herausgeber fungierte Dominik Sediv. Da die originale Partitur verschollen ist, griff Sediv bei der Erstellung der Publikation der Haydn-Gesellschaft in der Reihe »Denkmäler der Musik in Salzburg – Praktische Ausgaben« auf zwei Stimmenabschriften zurück. Die eine aus der Hand des Salzburger Hofkopisten Maximilian Raab gelangte über einen gewissen Algarotti, von 1824 bis 1835 Lehrer am Salzburger Lyzeum, nach Zagreb und befindet sich heute in einer Sammlung des Kroatischen Musikinstituts. Die andere Abschrift, vermutlich vom Komponisten Joseph Langthaller, ruht im Musikarchiv des Benediktinerstiftes Lambach.

Dem vermuteten Original möglichst nahekommen

Aus dem Vergleich beider Abschriften entwickelte der Musikwissenschaftler die nun im Strube-Verlag München gedruckten Noten, die dem vermuteten Original möglichst nahekommen sollten. Das Werk ist die Erste von vier Vertonungen dieser Antifon durch den Komponisten und – wie damals üblich – in vier Teilen angelegt. Zur Besetzung gehören neben Solosopran und Chor zwei Clarini (hohe Trompeten), Pauken, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.

Da Dr. Werner Rainer noch Geld zur Verfügung hatte, auch dank der zusätzlichen Spende von Graziano Mandozzi aus Locarno in der Schweiz, gab er selbst noch eine sogenannte »Türkische Arie« in D für Sopran oder Tenor, zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken und Streicher heraus. Der Schweizer, ein Dirigent, der sich durch Filmmusik ein Vermögen erworben hat, ist ein Liebhaber Salzburgs. Der Stadt, der er seine musikalischen Anfänge verdankt, möchte er durch die Förderung von Musikprojekten und Studenten etwas zurückgeben.

Die nun gedruckte Arie wird als Handschrift des Komponisten in der Musikalienbibliothek der Erzabtei St. Peter verwahrt. Nach heutigem Wissensstand diente die Musik, die mit einem die türkische Sprache imitierenden Fantasietext unterlegt ist, als Einlage für ein dramatisches Werk im Rahmen des Schultheaters.

Über die Musikschulen an Musiker und Ensembles

Die jeweils 25 Exemplare sollen nun vorerst in der Gemeinde Inzell aufbewahrt werden. Über die Musikschule Inzell und auch über die Arbeitsgemeinschaft der Musikschulen im Kreis Traunstein möchte sie Bürgermeister Hans Egger interessierten Musikern und Ensembles zukommen lassen.

Für nächstes Jahr schwebt Dr. Rainer bereits ein bestimmtes Werk vor, ein Karfreitags-Oratorium, das im Jahr 2000 in Berchtesgaden von seinem früheren Celloschüler und damaligen Berchtesgadener Kirchenmusiker Urban Hafenmair aufgeführt wurde. In die weitere Publikation von Adlgasser-Werken kann sich auch jeder interessierte Musiker einbringen und sich für weitere Informationen einfach an die Gemeinde Inzell wenden. »Da gibt’s noch einiges zu machen«, betont Dr. Rainer. vm