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Raubüberfall mit hohen Freiheitsstrafen geahndet

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Ein Überfall auf eine 59-jährige Frau in deren Haus in Töging fast auf den Tag genau vor vier Jahren brachte den beiden, weitgehend geständigen, Tätern gestern vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein hohe Freiheitsstrafen ein: Einen 63-jährigen Altöttinger, der bereits Mitte 2014 in Traunstein wegen eines anderen Raubüberfalls verurteilt worden war, schickte das Gericht mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel für acht Jahre ins Gefängnis. Darin war die Vorstrafe von viereinhalb Jahren einbezogen. Ein 57 Jahre alter Altöttinger muss für die Tat am 12. November 2011 in Töging mit dreieinhalb Jahren Haft büßen.


Der 63-Jährige war einer der Täter, die in der Nacht des 31. August 2013 maskiert und mit einer Pistole bewaffnet in Ostermiething ein 67 und 65 Jahre altes Ehepaar überfallen, leicht verletzt und um rund 9000 Euro Bargeld beraubt hatten. Die 65-Jährige trug eine aufgeplatzte Lippe und Atembeschwerden davon, ihr Mann eine Schürfwunde am Ellenbogen.

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Der jetzt angeklagte Fall vom November 2011 ähnelte der späteren Tat in Ostermiething. So wurde zunächst der Tatort ausgespäht. Gemäß Geständnis des 57-jährigen Angeklagten stammte der Tipp, dass bei dem Opfer Geld zu holen sei, von dem 63-Jährigen. Der Jüngere sollte etwa 2000 bis 3000 Euro bekommen. »Dann ist es passiert«, meinte der 57-Jährige gestern. Er sei mit dem Vorschlag des 63-Jährigen einverstanden gewesen. Der habe auch gewusst, wie man in das Haus gelangen könne.

Beide klingelten bei dem Anwesen in Töging und gaben an, man habe die Garagentüre der Frau angefahren. Vor dem Haus überwältigten sie die 59-Jährige und drängten sie in das Gebäude zurück. Der mit einer Skimaske vermummte 63-Jährige bedrohte die Frau mit einem Messer und forderte Geld und drohte. Der 57-Jährige, mit Wollmütze und hochgezogenem Jackenkragen getarnt, durchsuchte in der Zwischenzeit den Keller nach Bargeld und Wertsachen, fand aber nichts. Daraufhin zwang der 63-Jährige die Frau, ihre EC-Karte samt PIN herauszurücken.

Der 57-Jährige fuhr los und hob an einem Geldautomaten 1000 Euro ab. Anschließend kam er in die Wohnung zurück. Dort zwang der 63-Jährige die Tögingerin, den Tresor im ersten Stock öffnen. Er nahm einen Umschlag mit 600 Schweizer Franken und eine Tasche mit etwa 1000 Euro heraus. Auf seine Frage nach weiterem Bargeld gab ihm die Frau noch 300 Euro aus ihrem Portemonnaie. Die Räuber verschwanden – nicht ohne die 59-Jährige vor einem Anruf bei der Polizei zu warnen. Ansonsten werde man sie »umbringen«, bekam sie ein weiteres Mal zu hören.

Staatsanwältin Carolin Schwegler beantragte wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und wegen erpresserischen Menschenraubs, beides gemeinschaftlich begangen, sechs Jahre Haft für den 57-Jährigen und eine Gesamtstrafe von neuneinhalb Jahren für den 63-Jährigen. Darin enthalten waren die viereinhalb Jahre des Urteils aus 2014.

Der Verteidiger des nicht vorbestraften Jüngeren, Jörg Zürner aus Mühldorf, hielt eine Strafe von zwei Jahren mit Bewährung für ausreichend. Dabei schob der Anwalt aus Sicht seines Mandanten dem 63-Jährigen die Hauptschuld in die Schuhe.

Dagegen wandte sich dessen Verteidiger, Harald Baumgärtl aus Rosenheim. Die Aussagen der Angeklagten hätten sich im Kern gedeckt, seien aber in einigen Punkten unterschiedlich gewesen. Der 57-Jährige sei zum Beispiel ebenfalls in die Planung eingebunden gewesen. Die Beute sei geteilt worden. Der 57-Jährige sei nicht leer ausgegangen, wie dieser behauptet habe. Fünf Jahre und neun Monate Haft seien als Einzelstrafe notwendig. Daraus sei eine Gesamtstrafe von sieben Jahren und drei Monaten zu bilden. Im »letzten Wort« entschuldigten sich beide Angeklagten bei dem Opfer.

Bei beiden Angeklagten sei der Tatbestand einer gemeinschaftlichen besonders schweren räuberischen Erpressung erfüllt, so das Gericht. Bei dem 57-Jährigen liege ein minderschwerer Fall vor – allerdings nicht wegen des angeblichen Täter-Opfer-Ausgleichs. Die 59-Jährige habe lediglich »ein Blatt Papier« bekommen mit einem vagen Versprechen, irgendwann vielleicht ein Schmerzensgeld von 3000 Euro zu erhalten. Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel würdigte die »Aufklärungshilfe« durch den 57-Jährigen, der den 63-Jährigen sehr früh als Haupttäter genannt habe. Vorher habe nur ein Verdacht bestanden. Beiden Angeklagten hielt das Gericht die Entschuldigungen zugute. Der 63-Jährige sei der Wortführer gewesen, der Mittäter sei nur gesprungen, wie ihm aufgetragen worden sei. kd

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