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Rapper »flüchtete« aus Traunsteiner Gerichtssaal

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Groß war  gestern das  Medieninteresse am Prozess gegen den Rapper »Kollegah«, der sich vor dem Landgericht Traunstein verantworten musste. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Überraschend endete gestern am Traunsteiner Landgericht der Prozess gegen den 30-jährigen Rapper »Kollegah«: Das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung wurde gegen Zahlung von 6000 Euro an die Opfer und 40 000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen eingestellt. Ein Schuldeingeständnis war damit nicht verbunden. Der 30-Jährige flüchtete anschließend regelrecht aus dem Gerichtssaal. »Jetzt nichts wie weg«, sagte einer seiner Begleiter beim Verlassen des Gerichts.


Staatsanwältin Monika Veiglhuber hatte gegen den Rapper Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung an zwei Österreichern erhoben (wir berichteten). Der Musiker mit Verteidiger Tarik Karabulut aus Mainz an seiner Seite hatte in erster wie zweiter Instanz seinerseits eine von ihm verursachte Schlägerei mit Schlägen und Tritten in der Nacht auf den 30. Juni 2014 nach einem Konzert im »Eventhouse« in Freilassing gegen 3 Uhr morgens zurückgewiesen und sich auf Notwehr berufen.

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Er habe gehört, wie jemand in dem abgetrennten Raucherbereich sagte: »Kollegah, du Hurensohn.« Dann habe er einen Tritt verspürt und sich gewehrt. Möglicherweise habe er dabei jemand von den Gästen in der Raucher-Lounge getroffen. Dieses Geschehen vermochte das Amtsgericht Laufen nicht auszuschließen und sprach den Angeklagten frei. Dagegen legte die Staatsanwältin Berufung ein.

Entlastungszeugen wegen Falschaussage angezeigt

Aus dem Umfeld des 30-Jährigen kamen in Laufen wie in Traunstein zahlreiche Zeugen zu Wort, die die Notwehr-Version in etwa bestätigten. Gegen fast alle Entlastungszeugen hat die Staatsanwältin mittlerweile Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage eingeleitet. Aber auch klar belastende Aussagen gab es, darunter eines Security-Mitarbeiters des Veranstalters, der auch gestern wieder von einem ersten Schlag des Angeklagten gegen einen der verletzten Männer berichtete.

Bei einem der Belastungszeugen war die Erinnerung gegenüber seinen ersten Angaben bei der Polizei deutlich geschrumpft. Er führte dies zurück auf einen zwischenzeitlichen Sturz »auf die Fresse« sowie einen vor erst sechs Wochen erlittenen Schlag mit einer Flasche auf den Kopf. Als die Kammer seine Erinnerungsdefizite bezweifelte, entgegnete der Zeuge: »Sie stellen mich als dahergelaufenen Lügner dar. Das mag ich gar nicht.«

Im Zeugenstand schilderte gestern ein Polizeibeamter aus Salzburg, seine bayerischen Kollegen hätten auf die Schlägerei in Freilassing hin gebeten, den in einem Hotel in Salzburg abgestiegenen Rapper und dessen Begleiter zu überprüfen. Der Polizist informierte, zunächst hätten diese behauptet, nicht die gesuchten Personen zu sein. Ein Kollege habe im Internet nachgesehen und sei dort auf ein Foto von »Kollegah« gestoßen. Sichtbare Verletzungen habe er an dem Angeklagten damals nicht entdeckt, so der österreichische Beamte. Der 30-Jährige hatte behauptet, am Hals Hämatome davon getragen zu haben.

Zwischen 10 000 und 20 000 Euro pro Auftritt

Nach drei Zeugen regte der Verteidiger gestern ein Rechtsgespräch und Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an. Dem Verteidiger war eine von Staatsanwältin Monika Veiglhuber genannte, sechsstellige Summe zu hoch. Verteidiger Tarik Karabulut bot 40 000 Euro an sowie jeweils 3000 Euro für die Opfer. Laut einem Zeugen, ein Eventmanager von »Kollegah«, bekommt der Rapper zwischen 10 000 und 20 000 Euro für jedes der 150 bis 200 Konzerte im Jahr.

Die Staatsanwältin stimmte dem Vorschlag des Anwalts zu. Vorsitzende Richterin Heike Will griff die Offerte auf. Von den 40 000 Euro gehen je 10 000 Euro an die Opferhilfe beim Justizpalast, an den Mädchen- und Frauennotruf Rosenheim, an die Stiftung Weltkinderladen in Altötting sowie an die Caritas-Hospizinitiative in Traunstein. Erfüllt »Kollegah« die Auflagen bis zum 1. Juli, ist das Verfahren für den Rapper erledigt. kd

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