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Randale nach Streit mit der Freundin

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Traunstein – Nach einem Streit mit seiner Freundin geriet ein 31 Jahre alter, alkoholisierter Mann in Trostberg in Rage. Auf der Suche nach ihr trat er mehrere Türen in zwei Wohnungen eines Mehrfamilienhauses ein und beschimpfte einen Mieter als »Schlampe«. Als die Polizei eintraf, bekamen die Beamten üble Beleidigungen zu hören. Schließlich ging noch eine Schaufensterscheibe zu Bruch. Gestern verhängte das Amtsgericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott wegen zahlreicher Straftatbestände unter Einbeziehung einer Vorstrafe elf Monate Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährungszeit und einer Arbeitsauflage.


Der Angeklagte äußerte sich gestern nicht selbst, sondern ließ seinen Verteidiger, Dr. Helge Fruhriep aus Rostock, die Ereignisse schildern. Demnach trank der 31-Jährige am Abend des 4. Februar 2014 nach dem Streit mit seiner Freundin, die die gemeinsame Wohnung danach verlassen hatte, Jägermeister »in reichlichem Umfang«. Dann machte er sich auf, die Frau zu suchen. Zuerst marschierte er zu einer Wohngemeinschaft im gleichen Gebäude und klingelte Sturm. Von den Bewohnern war nur einer zu Hause. Der Mieter schilderte bei der Polizei, der Angeklagte sei sehr aufgebracht gewesen und habe nach seiner Freundin geschrien. Dann habe er alle Türen der Wohnung eingetreten und sei wieder verschwunden, ohne ein Zimmer zu betreten. Der Sachschaden lag laut Anklage bei circa 1000 Euro.

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»Er war nicht Herr seiner selbst«

Auf dem Rückweg in die eigene Wohnung verwechselte der 31-Jährige die Etagen. Statt im ersten Stock landete er genau darüber im Zweiten. Dort lebt ein 52-jähriger Trostberger. Auf das Läuten hin schaute dieser durch den Türspion. Nachdem er den ungebetenen Besucher nicht kannte, machte er nicht auf. Daraufhin trat der 31-Jährige gegen die Eingangstüre. Der Zeuge rief mehrmals deutlich seinen eigenen Namen. Als der Krach nicht aufhörte, ging er ins Wohnzimmer, um die Polizei zu rufen: »Dann fiel der Türstock in die Wohnung.« Mehrmals bezeichnete der Wütende den Mann als »Schlampe«. Das hörte auch eine Nachbarin.

Der Zeuge erinnerte sich weiter: »Er war nicht Herr seiner selbst. Später hat er sich entschuldigt bei mir. Wir sind heute auch zusammen nach Traunstein gefahren. Man ist ja nicht nachtragend.« Über die Höhe des Schadens konnte der 52-Jährige nichts sagen. Die Rechnung habe sein Vermieter beglichen. Staatsanwalt Dominik Rami ging in der Anklage von rund 500 Euro Schaden aus.

Als zwei Polizeibeamte zum Tatort gelangten, widersetzte sich der Betrunkene seiner Ingewahrsamnahme. Mit aller Kraft wehrte er sich gegen das Fesseln, schlug und trat um sich. Die Polizisten beschimpfte er unter anderem als »Bullen« und »asoziale Schweine«. Alles half nichts. Die Beamten nahmen den Mann – mit um die zwei Promille im Blut – mit auf die Dienststelle. In der Zelle führte er sich schlimm auf, urinierte zum Beispiel überall hin. Als er wieder auf freiem Fuß war, schlug er auf der Traunsteiner Straße eine 90 mal 130 Zentimeter große Schaufensterscheibe im Wert von 500 Euro ein.

Ein psychiatrischer Gutachter attestierte dem Angeklagten durch den Alkohol erheblich verminderte Schuldfähigkeit zu den Tatzeiten. Staatsanwalt Dominik Rami plädierte auf eine Gesamtstrafe von elf Monaten, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung unter einer kleinen Geldauflage: »Der Angeklagte war von Sinnen. Das kann man sich gut vorstellen.« Die Taten seien nicht ganz so schwerwiegend wie in der Anklageschrift dargestellt verlaufen. Der Verteidiger beantragte eine Gesamtstrafe von zehn Monaten mit dreijähriger Bewährungszeit und einer unbezifferten Arbeitsauflage.

80 Arbeitsstunden im Altenheim leisten

Im Urteil stellte der Richter fest, der Angeklagte sei hoch alkoholisiert und dadurch nicht voll verantwortlich für sein Handeln gewesen. Schuldig gemacht habe sich der 31-Jährige wegen mehrerer Sachbeschädigungen und Beleidigungen, dazu des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und des Hausfriedensbruchs. Als Bewährungsauflage müsse er 80 Arbeitsstunden in einem Altenheim ableisten. Das Urteil wurde mit Zustimmung des Staatsanwalts sofort rechtskräftig.

Die Frau, um die sich bei den Randalen alles drehte, hat der Angeklagte inzwischen geheiratet. Dem Alkohol hat er abgeschworen. kd