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Randale im Seniorenheim

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Traunstein – Das Verfahren gegen zwei 42 und 39 Jahre alte Frauen aus Traunstein und Ruhpolding wegen gefährlicher Körperverletzung an einem alten Herrn in einem Seniorenheim stellte das Amtsgericht Traunstein »wegen geringer Schuld« straflos ein.


Den Vorfall in dem Heim am 19. Dezember 2013 schilderten die Beteiligten unterschiedlich. Zuerst tauchten bei der Polizei die beiden Angeklagten auf und erstatteten Anzeige. Eine der Frauen sei von einem Heimbewohner geschlagen und verletzt worden. Kurz darauf rief die Senioreneinrichtung bei der Polizei an, die Frauen hätten einen Insassen gewürgt und verletzt. Ein Polizist riet der 42-Jährigen, zum Arzt zu gehen und machte sich dann mit einem Kollegen auf den Weg zum Heim, um der telefonischen Information nachzugehen. Dort trafen sie auf den Verletzten, der eine Schürfwunde am Arm sowie blaue Flecken hatte und unter Atemnot litt, und seine 78-jährige Zimmernachbarin. Die alte Dame, die Adoptivmutter der 42-jährigen Traunsteinerin, war mit dieser schon längere Zeit zerstritten. Dabei ging es unter anderem um ein der Adoptivtochter überschriebenes Haus, das die 78-Jährige wegen Undanks zurückverlangt hatte – allerdings vergeblich.

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Mit Fäusten zugeschlagen und Opfer gewürgt

Laut Anklage von Staatsanwältin Julia Fetschele sollen die beiden Angeklagten aufgrund eines gemeinsamen Tatplans und ohne zu rechtfertigenden Grund auf den alten Herrn losgegangen sein. Die 39-Jährige soll dem Mann die Hände auf dem Rücken zusammengehalten, die 42-Jährige mehrmals mit Fäusten zugeschlagen, gegen ein Bein getreten und das Opfer gewürgt haben.

Die 78-jährige Zeugin unterstützte diese Version mit ihrer Aussage. Demnach hatte sie sich aus Angst vor der Tochter, die sie vorher angeblich schon abgewiesen hatte, im eigenen Zimmer eingesperrt. Das »Boxen in den Bauch« des Nachbarn, der sie »beschützen« und die Frauen vertreiben wollte, habe sie durch ihren Türspion beobachtet. Auf dem Korridor hätten »Randale« und ein »Mordslärm« geherrscht.

Ein Pfleger sei herbeigeeilt und habe das Geschehen beendet. Nachfragen des Gerichts beantwortete die sichtlich aufgeregte Zeugin mehrfach mit den gleichen stereotypen Sätzen. Auf Fragen der Verteidiger blieb sie dabei, an dem Abend kaum Alkohol getrunken zu haben – was eine von der Polizei damals veranlasste Blutalkoholkontrolle jedoch widerlegte. Außerdem deckten sich die Aussagen der 78-Jährigen vor der Polizei und vor Gericht nur zum Teil.

Etwas zur Wahrheitsfindung trug der Pfleger bei, der an jenem Abend Dienst hatte. Er sah den Griff der 42-jährigen Angeklagten an den Hals des Mannes und Schläge mit dem Ellenbogen. Ob auch die 39-Jährige aktiv geworden sei, wisse er nicht, betonte der Pfleger.

Beweislage war für Verurteilung zu gering

Nachdem es – außer dem nicht zur Verhandlung gekommenen Geschädigten – keine weiteren Augenzeugen gab, bat Richterin Sandra Sauer die Staatsanwältin und die Verteidiger zu einem Rechtsgespräch. Die Vorsitzende regte angesichts der dürftigen Beweislage die sanktionslose Einstellung des Verfahrens an. Alle Beteiligten erklärten sich damit einverstanden. Die Prozesskosten einschließlich eines Gutachtens trägt die Staatskasse. Ihre Verteidiger müssen die beiden Angeklagten jedoch selbst bezahlen. kd