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Radon-Problematik beherrschte Gemeinderatssitzung

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Die Übergangsgruppe aus dem alten Pfarrkindergarten ist jetzt momentan im Bewegungsraum des neuen Pfarrkindergartens St. Maximilian untergebracht. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Viel mehr Besucher und Medienvertreter als gewöhnlich sind zur jüngsten Grabenstätter Gemeinderatssitzung gekommen. Sie wollten wissen, wie es um die Radon-Belastung des alten Pfarrkindergartens St. Maximilian steht. Wesentliche neue Informationen gab es nicht, dafür erläuterte Gemeinderat und Kirchenpfleger Maximilian Wimmer (CSU), wie die zuständige Kirchenverwaltung zwischen 2002 und heute mit dem Radon-Problem umgegangen ist. »Wir haben stets alles getan, was in unserer Macht stand«, so sein Resümee. Die Verunsicherung der Eltern könne er trotzdem gut verstehen.


Bürgermeister Georg Schützinger erinnerte daran, dass die Trägerschaft und damit auch die Verantwortung für den Betrieb des Pfarrkindergartens nicht bei der Gemeinde Grabenstätt, sondern bei der katholischen Kirchenstiftung liege, vertreten durch die Kirchenverwaltung. Insofern sei es schon bemerkenswert, so der Rathaus-Chef, dass im Vorfeld der Sitzung darüber spekuliert worden sei, dass er sich auf eine Reihe kritischer Fragen einstellen müsse. »Ich bin weder die Rechtsaufsicht, noch Fachaufsicht, noch Träger, noch Verantwortlicher«, stellte Schützinger klar.

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Die Kirchenverwaltung, so der Bürgermeister, habe die Öffentlichkeit stets informiert und sei verantwortungsvoll mit dem sensiblen Thema umgegangen. »Vertuschung oder Verheimlichung kann ihr hier keinesfalls unterstellt werden«, betonte der Rathaus-Chef. Er hoffe, dass die jüngsten Schlagzeilen dem neu geschaffenen Pfarrkindergarten nicht schaden werden, denn dort werde professionell gearbeitet, die Kinderbetreuung sei von »hervorragender Qualität«.

Wimmer: »Wir haben die Verantwortung«

»Wir haben die Verantwortung und deswegen müssen wir auch Rede und Antwort stehen«, stellte Gemeinderat und Kirchenpfleger Maximilian Wimmer (CSU) als Mitglied der Kirchenverwaltung unmissverständlich klar. Er ließ die Geschehnisse seit 2002 Revue passieren und erklärte, wie die Kirchenverwaltung jeweils reagiert habe. Im Zuge eines Schreibens vom Ordinariat in München, das an alle Pfarrkindergärten ging, haben man sich 2002 dazu entschlossen, Schadstoff-Messungen durchzuführen. Dabei sei es aber in erster Linie um PCB gegangen. Auf Betreiben von Dr. Jakob Wagner vom untersuchenden INA-Institut testete man dann auch auf Radon, weil beim Bau des Gebäudes Schlackesteine verwendet worden waren.

Nachdem bei einer ersten Messung im April 2002 ein Spitzenwert von 170 Becquerel Strahlung pro Kubikmeter Luft festgestellt wurde und sicher war, dass das Radon ausschließlich aus der Außenwand des Gebäudes komme, habe man auf Anraten der Experten das Lüftungsverhalten entsprechend verändert. Bei den folgenden Messungen im Juni und Dezember 2002 seien dann auch nur noch 14 bis 79 beziehungsweise 46 bis 112 Becquerel gemessen worden, so Wimmer. Die Eltern seien schon damals stets über die aktuellen Entwicklungen in Kenntnis gesetzt worden.

Wegen der vielen Anmeldungen sei im Frühjahr klar gewesen, dass man auch im Kindergartenjahr 2013/2014 eine Übergangsgruppe im Alten Pfarrkindergarten unterbringen müsse. Dazu gab der Gemeinderat mehrheitlich grünes Licht – mit einer Gegenstimme von Anita Kohlbeck (SPD), die sich einen »aktuellen Status« zum Thema Radon wünschte.

Wimmer erklärte, dass man im Juni das INA-Institut beauftragt habe, weitere Messungen durchzuführen. Die ermittelten Werte von 81 und 95 Becquerel seien dann auch Thema einer Infoveranstaltung Anfang Juli gewesen, unter anderem mit dem Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, Dr. Franz-Xaver Heigenhauser, und Dr. Jakob Wagner vom INA-Institut. Die Experten sahen damals bei regelmäßigem Stoßlüften keine Gefahr für die Kinder.

Die überraschende Wende folgte dann Anfang Oktober, als im Rahmen der Langzeitmessungen Werte von bis 160 Becquerel gemessen worden. »Als wir davon erfahren haben, war für uns sofort klar: Die Kinder kommen raus«, betonte Wimmer im Namen der Trägervertretung und Kirchenverwaltung. Am folgenden Wochenende sei bereits der Umzug erfolgt. Die Kinder im Bewegungsraum des neuen Pfarrkindergartens unterzubringen, bezeichnete er als »momentan beste Lösung«.

Kohlbeck: »Man hat einfach zu spät reagiert«

Strahlenexperte Dr. Wagner bedauerte es, dass die Ergebnisse der Langzeituntersuchungen nicht, wie gewünscht, vor Beginn des neuen Kindergartenjahres vorlagen. Joseph Pfeilstetter (UWU) wunderte sich darüber, dass es beim Lüften keine Dokumentationspflicht gab. Eine solche sei bei ihm in der Lebensmittelbranche beim Kühlen von Nahrungsmitteln gang und gäbe. In der Krankenpflege, in der sie tätig sei, heiße es: »Was nicht dokumentiert ist, ist nicht gemacht«, so Doris Biller (FWG). Andreas Danzer (FWG) ärgerte sich darüber, dass die Räte nicht offiziell zur Infoveranstaltung im Juli eingeladen worden seien und dass man von der Schließung des Kindergartens aus der Zeitung habe erfahren müssen. Man habe einfach zu spät reagiert, merkte Anita Kohlbeck (SPD) an. mmü