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Radon-Belastung: Experten sehen keine Gefahr für Kinder

Grabenstätt. Schon vor zehn Jahren bewegte das Thema »Radon-Belastung im Pfarrkindergarten St. Maximilian« die Gemüter. Nun kam es durch die Thematisierung im Gemeinderat erneut auf den Tisch. Auf einer von der Kirchenverwaltung im neuen Pfarrkindergarten einberufenen Informationsveranstaltung konnten sich die Eltern nun mit ihren Fragen, Ängsten und Sorgen an Fachleute wenden. Rede und Antwort standen der Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, Dr. Franz-Xaver Heigenhauser, dessen Amtskollegin Dr. Anja Teebken, Dr. Jakob Wagner vom INA Institut und Kinderärztin Dr. Barbara List.

Hier im ersten Stock des alten Pfarrkindergartens St. Maximilian in Grabenstätt ist die Übergangsgruppe untergebracht. Alle anderen Kinder werden im neuen Kindergartengebäude betreut, das im Vorjahr eingeweiht wurde. (Foto: Müller)

»Radon ist Teil unseres Lebens«

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»Es geht uns alle um unser wichtigstes Gut, um unsere Kinder«, betonte Kirchenpfleger Maximilian Wimmer. Ziel der Veranstaltung sei es, möglichst alle Fragen besorgter Eltern zu beantworten, Missverständnisse auszuräumen und selbst Planungssicherheit zu bekommen, betonte Trägervertreterin Elisabeth Bartsch.

Heigenhauser merkte an, dass »Radon Teil unseres Lebens ist«. Das radioaktive Edelgas komme in der Luft, in der Erde und im Wasser vor, betonte er, nur die Strahlung sei nicht überall gleich. Diese sei beispielsweise in alpinen Hochlagen deutlich höher als im Flachland. Aus heutiger Sicht gebe es keinerlei Anhaltspunkte, das Radon Akuterkrankungen hervorrufe, stellte er klar. »Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass die Natur nicht keimfrei und steril ist, sondern überall Noxen drin sind«, betonte Heigenhauser. Er verwies darauf, dass letztendlich »die Dosis das Gift macht«.

Dr. Jakob Wagner, der schon 2002 die wissenschaftlichen Untersuchungen im alten Kindergarten durchgeführt hatte, berichtete, dass man damals Werte von rund 170 Becquerel Strahlung pro Kubikmeter Luft gemessen habe. Der offizielle Richtwert habe zu dieser Zeit bei 250 Becquerel pro Kubikmeter Luft gelegen, heute beträgt er in Neubauten 100 Becquerel. Die unlängst im alten Kindergarten durchgeführten vier Messungen hätten Werte zwischen 81 und 95 Becquerel ergeben. Dies sei ein Bereich, der »auch für Kinder absolut akzeptabel ist«, so Wagner.

Die Radon-Problematik bestehe, weil beim Bau des Gebäudes Schlackesteine verwendet worden seien. Kinderärztin Dr. Barbara List überraschte damit, dass das Thema Radon in der Kinderheilkunde bisher keine Rolle spielte. »Mir und meinen Fachkollegen ist Radon in diesem Zusammenhang kein Begriff«, sagte sie. Asthma- und Lungenerkrankungen seien hauptsächlich auf das Passivrauchen zurückzuführen.

Dr. Anja Teebken betonte, dass es keinen Radon-Grenzwert, sondern nur einen Richtwert gebe. Durch regelmäßiges Stoßlüften könne die Luft ausreichend durchmischt werden. Stoßlüften heiße aber nicht kippen, fügte Wagner an. Zudem gelte es zu beachten, dass der Luftaustausch im Winter aufgrund der höheren Temperaturunterschiede schneller erfolge als im Sommer. Wimmer zufolge werde man darüber nachdenken, Gitter an den niedrigen Fenstern anzubringen, um auszuschließen, dass ein Kind beim Lüften abstürze.

15 Kinder im kommenden Jahr in der Übergangsgruppe

Obwohl sich alle vier Experten darin einig waren, dass für die Kinder keine gesundheitliche Gefährdung bestehe, hielt eine Mutter an ihrem Entschluss fest, ihr Kind abzumelden. Nach der Diskussion betonte Trägervertreterin Bartsch, dass die Eltern nun mit besten Wissen und Gewissen selbst entscheiden könnten, ob sie ihr Kind im Kindergarten belassen oder woanders unterbringen wollen. Derzeit gehe man davon aus, dass sich die Übergangsgruppe im kommenden Kindergartenjahr aus 15 Kindern zusammensetze. Ab dem Kindergartenjahr 2014/2015 werde man im alten Kindergartengebäude dann keine Kinder mehr unterbringen, so Bartsch. mmü