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Radargeräte übernehmen die Straßenverkehrszählung

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Bautechniker Anton Rappl vom Staatlichen Bauamt Traunstein aktiviert einen der »intelligenten Leitpfosten«. (Foto: Schwaiger-Pöllner)

Traunstein – Menschen, die am Straßenrand stehen und Fahrzeuge zählen, bekommen die Landkreisbewohner künftig nicht mehr zu Gesicht: Die Straßenverkehrszählung, die das Staatliche Bauamt Traunstein alle fünf Jahre im Auftrag des Bundes durchführt, erledigen jetzt sogenannte Seitenradargeräte.


»Wir kriegen so eine viel größere Datenschärfe«, erklärt der für die Umstellung zuständige Mitarbeiter im Bauamt, Helmut Schuhböck. Das ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, dass die Zähler – größtenteils Rentner, Hausfrauen oder Schüler – »nur« 18 beziehungsweise 28 Stunden an einer Zähstelle zubrachten, und die Seitenradargeräte zwei oder sogar drei Wochen lang an einer Zählstelle stehen und rund um die Uhr laufen. »Das sind mindestens 336 Stunden«, rechnet Schuhböck vor. Die Behörde bekommt so erstmals auch Werte aus den Nachtstunden geliefert.

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Die Verkehrszählungen finden seit 1970 im Fünf-Jahres-Rhythmus statt. Im Zuständigkeitsbereich des Bauamts Traunstein – in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Altötting – gibt es entlang des rund 900 Kilometer langen Straßennetzes, das die Behörde zu betreuen hat, dafür rund 190 Zählstellen. Im Jahr 2010 waren 300 Zähler nötig, um alles abzudecken. »Die Leute bekamen alle einen befristeten Arbeitsvertrag«, erklärt Schuhböck. Die Folge: der Aufwand für Organisation, Personal und Kosten war enorm.

Dazu kam der »menschliche Faktor« bezüglich der Qualität der Zählung, wie es Schuhböck nennt. »Es gab Stellen, an denen die Zähler an die Grenzen gestoßen sind«, sagt der Behördenmitarbeiter und führt als Beispiel die Zählstelle an der Bundesstraße 21 am Knoten Bad Reichenhall/Nord auf. »Dort ist das Verkehrsaufkommen auf Autobahnniveau.« Für die Seitenradargeräte ist es kein Problem, die Fahrzeuge zu zählen und zu klassifizieren; sie erfassen unter anderem Fahrzeuglänge, Anzahl der Achsen und Achsabstände und können so richtungsgetrennt zuordnen, was gerade an ihnen vorbeigefahren ist – vom Fahrrad bis zum Sattelzug.

20 Seitenradargeräte hat das Staatliche Bauamt Traunstein, um die Verkehrszählung durchzuführen. Da das Gebiet groß ist und alle Daten bis Ende 2015 erfasst sein müssen, hat die Behörde bereits im Frühjahr 2014 mit der Verkehrszählung begonnen. »Die bisherigen Erfahrungen sind positiv«, so Schuhböck.

Die Geräte sind größtenteils in sogenannten »intelligenten Leitpfosten« verbaut, die sich optisch nicht von den übrigen Leitpfosten am Straßenrand unterscheiden. Einige Geräte besitzt die Behörde, die sich etwa an Straßenschildern montieren lassen; sie kommen zum Beispiel innerorts zum Einsatz, wo es keine Leitpfosten gibt.

Die Geräte sind nicht ganz billig: Allein ein »intelligenter Leitpfosten« mit Zubehör kostet die Oberste Baubehörde im Bayerischen Verkehrsministerium rund 5000 Euro. Darüber hinaus war es nötig, für die Pfosten spezielle Fundamente zu verbauen. Die Systemumstellung schlägt darum unterm Strich bayernweit mit rund 2,5 Millionen Euro zu Buche, wie Franz Wolfertstetter von der Zentralstelle für Informationssysteme in München weiß.

Der Traunsteiner, der die Umstellung bayernweit betreut, rechnet vor, dass die manuelle Zählung 2010 rund 3,5 Millionen Euro gekostet hat. Schon beim ersten Mal kommt damit unterm Strich eine ordentliche Kostenersparnis heraus. Hinzu kommt, dass die angeschafften und einer jährlichen Wartung unterliegenden Gerätschaften ja auch bei den Zählungen in fünf, zehn oder 15 Jahren noch im Einsatz sein sollen.

Die Seitenradargeräte sind nicht »die neuen Blitzer«

Wie er und Wolfertstetter versichern, sind die Seitenradargeräte ausschließlich da, um die Fahrzeuge zu zählen. »Es werden keine weiteren Daten erfasst«, erklären sie. Die beiden Experten treten auch Gerüchten entgegen, wonach es sich bei den Geräten, wie in Facebook zu lesen, um »die neuen Blitzer« handeln soll. »Die Geräte haben keine Kamera«, beteuern die beiden Behördenvertreter.

Dank der Seitenradargeräte wird es künftig auch möglich sein, nicht nur im Fünf-Jahres-Rhythmus Zählungen durchzuführen. Immer öfter sei es wichtig, aktuelle Daten zur Verfügung zu haben. Die Behörden nutzen die Zählergebnisse unter anderem bei der Straßenplanung, sie bilden die Grundlage für die Beurteilung von Ansprüchen beim Lärmschutz oder für die Bemessung des Straßenoberbaus. san

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