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Qualifizierte Fachkräfte sind »Mangelware der Zukunft«

Traunstein. Die Handwerksbetriebe in der Region blicken auf ein gutes und erfolgreiches Jahr zurück. Dieses Fazit zog Kreishandwerksmeister Peter Eicher bei der Hauptversammlung der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Traunstein.

Kreishandwerksmeister Peter Eicher (Mitte) würdigte herausragende Leistungen: Kammersieger wurden Matthias Huber (rechts) und Max-Josef Lex. (Foto: Wittenzellner)

Trotzdem hatte der Kreishandwerksmeister vor den rund 50 Vertretern der 15 Innungen sowie Vertretern der örtlichen Banken und der Bildungseinrichtungen der Handwerkskammer auch ein Paket an Sorgen mit dabei – vom Dauerthema Fachkräftemangel über ausufernde EU-Bürokratie bis hin zum rasant steigenden Kostenfaktor Energie.

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Fehlendes Personal hemmt Entwicklung

Eicher betonte, dass der Fachkräftemangel auch in der kommenden Zeit eine »große Herausforderung« für das Handwerk sei. Im oberbayerischen Handwerk seien derzeit nur bei rund der Hälfte der Betriebe alle Ausbildungsplätze besetzt, viele Firmen würden daneben gerne zusätzliches Personal einstellen. Trotz leichter Entspannung und der Schaffung von rund 4600 zusätzlichen Arbeitsplätzen im oberbayerischen Handwerk in den vergangenen drei Jahren seien bei vielen Betrieben die Entwicklungsmöglichkeiten der Unternehmen durch fehlendes Personal »massiv beeinträchtigt worden«, so Eicher und fügte hinzu: »Die qualifizierte Fachkraft ist die ‚Mangelware der Zukunft.«

Eicher forderte daneben, dass die Kosten für ein Studium oder eine Fortbildung zum Meister nicht unterschiedlich gehandhabt werden dürften. »Bildung gibt es nicht zum Nulltarif, das muss für alle gleichermaßen gelten«, betonte er im Hinblick auf die vorgesehene Abschaffung der Studiengebühren.

Weiter monierte Eicher, dass die Bürokratie gerade auch kleinere und mittlere Unternehmen überfordern würde; er nannte hier exemplarisch die Ausnahmeregelungen zur Tachografenpflicht für Handwerksbetriebe.

Im Bereich der Energiekosten mahnte er an, dass mittelständische Betriebe und Bürger nicht »erneut zur Kasse gebeten werden dürfen, um industrielle Großverbraucher zu entlasten«. Viele Handwerksbetriebe könnten die steigenden Energiekosten nicht mehr verkraften.

1562 Lehrverhältnisse bestehen derzeit in den Innungsbetrieben. Hier wolle man weiter Flagge zeigen und nach dem überragenden Zuspruch des vergangenen Jahres mit weit über 1000 Schüler aus 22 Schulen erneut eine Berufs-Info-Messe veranstalten, die voraussichtlich im Oktober im Bildungszentrum stattfinden soll.

Freudig konnte Eicher im Nachgang zwei junge Gesellen ehren, die beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks Kammersieger geworden sind: Matthias Huber aus Trostberg, der den Beruf des Anlagenmechanikers SHK erlernt hat (Ausbildungsbetrieb: Kliniken Südostbayern AG) sowie Max-Josef Lex aus Truchtlaching, der den Beruf Metallbauer erlernt hat (Ausbildungsbetrieb: Kettenberger GmbH, Trostberg).

Körperschaft finanziell auf gesunden Beinen

Die vom Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Wittenzellner, vorgelegte Jahresrechnung 2012 und der Haushaltsplan 2013 zeigten gesunde finanzielle Verhältnisse der Körperschaft des öffentlichen Rechts auf und wurden einstimmig angenommen. Ebenso einstimmig erfolgte die Wahl eines neuen Rechnungsprüfers: Für den aus eigenem Wunsch ausscheidenden Adalbert Haitzer aus Kammer wurde Hermann Stadler aus Vachendorf neu in das Ehrenamt gewählt, das er künftig zusammen mit Yvonne Gaumont aus Piding führen wird.

Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein, ging in ihrem Gastvortrag auf Fragen rund um die Arbeitsmarktsituation ein. Andreas Steinbacher von der Agentur für Arbeit Berchtesgadener Land referierte über ein Projekt zur Gewinnung von ausländischen Fachkräften, mit dem man in diesem Jahr versuchen wolle, gerade durch den Zuzug von Fachkräften beziehungsweise Auszubildenden aus EU-Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit etwas für den heimischen Arbeitsmarkt zu tun.

Hier äußerte der Obermeister der Maler-Innung Berchtesgadener Land, Heribert Walter die Sorge, dass die sprachlichen Barrieren zu groß sein könnten. Hermann Stadler von der Elektro-Innung berichtete von positiven Erfahrungen, die Betriebe aus dem Elektro-Handwerk mit zuziehenden ausländischen Fachkräften gemacht habe. awi