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Prozess um vier Waffennarren

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Traunstein – Vier Waffennarren aus dem Landkreis Rosenheim müssen sich seit gestern am Landgericht Traunstein verantworten. Sie hatten Dutzende Waffen gehortet, darunter zwei Sturmgewehre, eine Maschinenpistole, Langwaffen, Pistolen und Revolver, sowie an die 8 000 Schuss Munition verschiedener Kaliber.


Aufgeflogen waren die Männer zwischen 28 und 65 Jahren nach einem Hinweis bei der Polizei. Drei von ihnen sitzen seit Januar in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt, fortgesetzt wird am 5. und am 16. August, jeweils um 9 Uhr.

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Bei den Durchsuchungen wurden die Ermittler überall fündig. Bei einem 53-jährigen Landwirt entdeckten sie neben Dutzenden legaler Waffen und drei Kriegswaffen – zwei Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow und eine Maschinenpistole – fünf Pistolen, einen Revolver, eine Doppellaufquerflinte, zwei Langwaffen, eine Signalpistole, diverse Waffenteile und Tausende Schuss Munition. Im Anwesen des 65-Jährigen tauchte eine Kurzwaffe der Marke Bernadelli nebst 25 Schuss Munition auf. Im Anwesen des 31-Jährigen fanden die Ermittler zwei verbotene Schlagringe, bei dem 28-Jährigen eine Schreckschusswaffe, einiges an Munition sowie 2,7 Gramm Haschisch und 170 Gramm Haschischkekse.

Die Hauptverhandlung zog sich gestern über Stunden ohne Fortschritte hin. Der Grund: Die vier Verteidiger hatten ein Verständigungsgespräch angeregt. Die Kammer sicherte den teils vorbestraften Männern im Fall von Geständnissen jeweils Strafen mit Unter- und Obergrenze zu. Dem Staatsanwalt waren die Strafzusagen der Kammer teils zu niedrig.

Vor allem die Sammelleidenschaft des 53-Jährigen verwunderte den Vorsitzenden Richter Erich Fuchs: von Motorsägen über Motorräder bis zu Waffen. 36 Stück hatte der Waffenscheininhaber legal in Besitz. Die erlaubten und die verbotenen Waffen habe er vorwiegend im Schlafzimmer aufbewahrt. Im Keller habe er sich einen Waffenkeller einrichten wollen. Der Verteidiger des 53-Jährigen, Andreas Schröger aus München, erklärte, sein Mandant gebe alle Vorwürfe zu. Die sichergestellten unerlaubten Waffen habe er zum Teil vor Jahren »von einem alten Mann« erhalten, der seine Sammlung aufgelöst habe. Andere habe er »im Heustadel in Mülltüten gefunden«. Der Vorsitzende Richter fragte: »Wenn ich Ihnen das erzählen würde, würden Sie mir das glauben?«, »Nein«, lautete die Antwort.

Über eine Verwandte habe er im März 2015 den 31-Jährigen kennengelernt, der seinen Bauernhof mieten und herrichten wollte, fuhr der 53-Jährige fort. Der 31-Jährige habe von jemand eine Flak kaufen und bei ihm einlagern wollen. Das habe er aber abgelehnt, beteuerte der 53-Jährige. Auch der 65-Jährige »mit einem Haufen Vorstrafen«, wie er selbst sagte, hat eine Vorliebe für Waffen. Er hat bereits bei der Polizei ein volles Geständnis abgelegt und wiederhole es vor Gericht, hob sein Verteidiger Peter Dürr heraus. Weitere Fragen würden nicht beantwortet.

Der 31-Jährige mit Maximilian Pauls aus München als Verteidiger berief sich gestern auf sein Recht zu schweigen – sowohl zu seinem Vorleben als auch zur Sache. Sein Schwager, der 28-jährige Angeklagte, zeigte sich über seinen Verteidiger, Stefan Rothneicher aus Deggendorf, ebenfalls voll geständig. Die Schreckschusspistole habe er von seinem Großvater bekommen. Bei der Munition sei er nicht sicher, woher sie stamme, möglicherweise auch vom Opa. kd

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