Prozess um Blackboxing – Krimineller Trick nicht mehr möglich

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ASchon am Dienstag könnte das Urteil im Bankomat-Betrugsfall ergehen. Foto: dpa

Um knapp 352.000 Euro brachten drei Männer Banken in Bayern – auch in der Region – und eine in Thüringen. Mit der »Blackboxing/Jackpotting«-Methode manipulierten sie Geldausgabeautomaten und holten in einem Fall im Landkreis Bad Tölz - Wolfratshausen allein fast 278.000 Euro aus dem Gerät (wir berichteten). Mit dem Urteil der Siebten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Christina Braune gegen drei geständige Männer im Alter von 42, 50 und 39 Jahren ist vielleicht schon am kommenden Dienstag zu rechnen.


In der Anklageschrift der Staatsanwälte Dr. Gregor Stallinger und Thomas Peter geht es um eine ganze Reihe von strafbaren Vorwürfen. Die drei Männer haben den Sachverhalt der Anklage bereits komplett eingeräumt. Der 42-jährige Haupttäter, der aus der Russischen Föderation eigens eingereist war, war demnach an allen vollendeten und versuchten Taten in den Jahren 2019 und 2020 beteiligt. Er muss sich damit auch den ganzen Schaden anlasten lassen. Bei den letzten vier Fällen der Anklage mit einem Gesamtschaden von 5300 Euro war der 39-Jährige dabei, der 50-Jährige lediglich an bei den letzten drei Taten, bei denen keine Beute mehr erzielt werden konnte. Die drei Angeklagten hatten in verschiedenen Rollen zusammengewirkt. Während einer draußen blieb, öffneten zwei den Frontbereich der Geldautomaten gewaltsam und spielten mit einem Laptop eine Software auf, die die Auszahlungen überhaupt erst ermöglichte.

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Ein aufmerksamer Bürger in Berchtesgaden bereitete den Beutezügen des Trios ein Ende. Er beobachtete eine verdächtige Szene mitten in der Nacht zum 12. Juni 2020 und informierte die Polizei. Beim Eintreffen der Beamten zerstreuten sich die Männer in verschiedene Himmelsrichtungen, konnten allerdings jeweils einzeln im Stadtgebiet kurze Zeit später aufgegriffen werden. Einer von ihnen begründete seine Anwesenheit in der Kurstadt, er sei mitten in der Nacht »beim Joggen« gewesen. Das Leihfahrzeug der kriminellen Gruppe konnte sichergestellt werden, darin unter anderem die Tatwerkzeuge – bis hin zu zahlreichen Handys und SIM-Karten. DNA-Spuren des 42-Jährigen an mehreren Tatorten sowie eine Genspur des 39-Jährigen in einer der Banken trugen zur Überführung der Angeklagten bei.

Mehrere Kripozeugen aus Traunstein und Weilheim informierten am Mittwoch über ihre Ermittlungen. Unter anderem hieß es, diese kriminelle Masche funktioniere nicht mehr. Damals sei über das Internet eine Wartungssoftware für einen bestimmten Typ Geldausgabeautomaten zu kaufen gewesen. Die gescheiterten Versuche seien wohl auf Modelle anderer Hersteller beziehungsweise damals bereits neu aufgespielte Software-Versionen auf den anderen Geräten zurückzuführen. Den Angeklagten stehen als Verteidiger Hans-Jörg Schwarzer aus Berchtesgaden, Eduard Schaaf aus München, Jürgen Pirkenseer aus Piding, Wolfgang Müller aus Rosenheim und Ulrich Albers aus Lüneburg zur Seite. In dieser norddeutschen Stadt leben die 39 und 50 Jahre alten Angeklagten seit Jahren. Ihre Wurzeln haben sie in Osteuropa.

Der Haupttäter war über Bekannte auf den 39-Jährigen gekommen, der wiederum den 50-Jährigen mit dazu holte. Die Anwälte und die Staatsanwälte haben ihre Vorstellungen zu den Strafhöhen vorgetragen. Mit den Vorschlägen der Kammer, basierend auf den schon erfolgten Geständnissen, waren letztlich alle Beteiligten einverstanden.

Die Motive der Angeklagten waren nach ihren Angaben sehr unterschiedlich. Der aufgrund einer Erkrankung unter schweren Schmerzen leidende Haupttäter berief sich auf eine unumgängliche, teure Operation im Ausland, die er sich nicht leisten haben können. Der 39-Jährige, bei dem neben einer Haftstrafe die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt im Raum steht, wollte angeblich seine Kokainsucht finanzieren. Der 42-Jährige schließlich benötigte einige Tausend Euro, um »finanzielle Probleme zu lösen«.

kd

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