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Prozess am Landgericht Traunstein: Von Kokain bis Ecstasy

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Traunstein. Einen schwunghaften Drogenhandel im Jahr 2012 mit Amphetamin, Kokain, Marihuana und Ecstasy-Tabletten deckten österreichische Ermittler auf. Dabei stießen sie auf einen inzwischen 23 Jahre alten Mann aus Kirchanschöring, der illegale Substanzen nach Bayern geschafft und hier verkauft haben sollte. Der junge Mann musste sich jetzt wegen zahlreicher Delikte vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Vor der Zweiten Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs räumte er einen Teil der Vorwürfe ein. Das Urteil: Wegen gewerbsmäßiger, unerlaubter Einfuhr und unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten unter Vorwegvollzug von fünf Monaten sowie Unterbringung in einer Entzugsanstalt.


Ein Rechtsgespräch zwischen dem Gericht, Staatsanwalt Markus Andrä und Verteidiger Harald Baron von Koskull aus Rosenheim hinsichtlich einer Maximalstrafe im Falle eines vollen Geständnisses war ohne Ergebnis geblieben. In der Beweisaufnahme bestätigte der 23-Jährige lediglich den ersten Teil der Anklageschrift. Zum zweiten Teil machte er keine Angaben.

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Österreichische Ermittler leisteten Hauptarbeit

Wie ein Beamter der Kripo Traunstein berichtete, leisteten österreichische Kollegen in dem umfangreichen Drogenfall die Hauptarbeit. Sie nahmen einen Drogenhändler in Bad Hofgastein ins Visier, der später unter seinen Abnehmern den Angeklagten nannte. Im Herbst 2012 hatte der 23-Jährige demnach mindestens 300 Gramm Amphetamin zum Grammpreis zwischen acht und zehn Euro erworben sowie 30 Gramm Kokain zum Grammpreis zwischen 80 und 90 Euro. Irgendwann zwischen August und Oktober 2012 brachte er 500 Stück Ecstasy-Tabletten von Bad Hofgastein über die Grenze in den Freistaat. Der Traunsteiner Kriminaler stufte die Aussagen des inzwischen rechtskräftig in Österreich verurteilten Lieferanten als »sehr ausführlich und glaubhaft« ein.

Ein weiterer Lieferant hatte den 23-Jährigen ebenfalls des Drogenhandels bezichtigt. Dabei soll es laut Anklage in der Zeit zwischen März und September 2012 um mindestens ein Kilogramm Marihuana gegangen sein. Dieser Zeuge erschien nicht zu dem Prozess. Er befindet sich »irgendwo im Gefängnis«, wie es hieß. Staatsanwalt Andrä beantragte, diesen Teil der Anklage einzustellen mit Blick auf das Gewicht der übrigen Taten.

Ab etwa dem zehnten Lebensjahr konsumierte der Angeklagte Cannabis. Die Droge begleitete den 23-Jährigen durch sein Leben, wie der psychiatrische Sachverständige, Oberarzt Rainer Gerth vom Bezirksklinikum in Gabersee, informierte. Ab etwa 16 Jahren nahm der junge Mann ohne Schul- und Lehrabschluss zusätzlich chemische Substanzen. Gerth sprach von einer »fortgeschrittenen Suchtproblematik«.

Gutachter attestierte »Nachreifungsbedarf«

Der Gutachter attestierte zwar volle Schuldfähigkeit zu den Tatzeiten, befürwortete jedoch wegen des »Hangs« zu Suchtmitteln Unterbringung in einer Drogenentzugsanstalt. Auf Frage des Vorsitzenden Richters bejahte Rainer Gerth einen »Nachreifungsbedarf« bei dem Kirchanschöringer. Zu den Erfolgsaussichten einer Therapie stellte der Sachverständige fest: »Er muss sich intensiv mit seiner Problematik auseinandersetzen und schauen, dass Struktur in sein Leben kommt – durch Fortsetzung der abgebrochenen Lehre oder durch eine Beschäftigung.« Bei einer zehnjährigen Drogenkarriere müsse man aber »immer mit Rückfällen rechnen«.

Das Geständnis des Angeklagten bezeichnete der Staatsanwalt im Plädoyer als »glaubwürdig«. Unter den strafverschärfenden Aspekten führte der Ankläger die Gefährlichkeit der Drogen, die acht Vorstrafen und die enorme Rückfallgeschwindigkeit bei den Taten an. Unter Einbeziehung einer Vorverurteilung aus dem Jahr 2013 seien eine Gesamtstrafe von vier Jahren und vier Monaten sowie Unterbringung erforderlich. Vor Antritt der Therapie solle der junge Mann sechs Monate und drei Tage vorweg im Gefängnis verbüßen. Neben der Unterbringung sei eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren ausreichend, meinte Verteidiger Harald Baron von Koskull. Damit könne sein Mandant ohne Vorwegvollzug sofort mit der Therapie beginnen und sein Leben in Ordnung bringen.

Gericht wertete Geständnis hoch

Bei dem 23-Jährigen, einem »Kleindealer«, sei das Geständnis in sehr hohem Maß gewertet worden, das eine umfangreiche Beweisaufnahme mit Zuziehung von Akten aus Österreich erspart habe, hob Vorsitzender Richter Erich Fuchs im Urteil heraus. Wenn die Therapie nicht klappe, müsse der Angeklagte mit Vollzug der Strafe rechnen, warnte Fuchs. kd