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Proteste auch gegen Erweiterung des Gewerbegebiets

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Seeon-Seebruck. Der ohnehin durch die Proteste gegen den geplanten Steg im Rahmen des Chiemsee-Rundwegausbaus in Seebruck (wir berichteten) gebeutelte Gemeinderat braucht weiterhin ein dickes Fell. Im Zuge der Erweiterung des Gewerbegebietes in Seeon hagelt es erneut Proteste. Anlieger und Gewerbetreibende beklagen, die Gemeinde hätte bei der Bauleitplanung nicht mit offenen Karten gespielt. Aus dem Versprechen eines »verträglichen Gewerbes« sei ein »überdimensionierter Industriebau« geworden, kritisieren sie und drohen, die Gemeinde zu verklagen.


Truchtlachinger Brauerei ist Stein des Anstoßes

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Der Gemeinderat hatte bereits Mitte 2012 eine Bebauungsplanaufstellung für die Erweiterung des »Gewerbegebietes Seeon III« beschlossen und das Verfahren jetzt fortgeführt. Die zur Verfügung stehende Fläche misst etwa 11 000 Quadratmeter, wobei rund 10 000 Quadratmeter jetzt von der Firma Braukon erworben wurden, die in Truchtlaching eine Brauerei betreibt. Auch für die restlichen 1000 Quadratmeter gibt es laut Bürgermeister Konrad Glück bereits einen Bewerber.

Die Firma Braukon will auf dem Grundstück eine Brauerei mit Anlagenbau errichten. In dem 90 mal 40 Meter breiten und etwa 11 Meter hohen Gebäude sollen auch Präsentationen stattfinden. Glück geht davon aus, dass das Unternehmen noch heuer mit dem Bau beginnen werde. Bislang steht noch nicht fest, ob das Unternehmen auch eine Gaststätte betreiben möchte, die in dem Gewerbegebiet grundsätzlich zulässig wäre. Auflagen müssten dann im Zuge des Genehmigungsverfahrens festgelegt werden. »Grünes Licht« der Gemeinde liegt nach dem einstimmigen Satzungsbeschluss des Gemeinderats bereits vor.

Den Vorwurf der Nachbarn, die Gemeinde habe ein »kleines, verträgliches Gewerbegebiet« versprochen, wies Glück in der Sitzung ebenso zurück, wie die Behauptung, er habe vor Ausweisung des Gewerbegebiets II und Abänderung der Kreisstraßen versprochen, dass die Anwohner der Altenmarkter Straße keinerlei Beeinträchtigungen zu befürchten hätten.

Tatsache sei, so Glück, dass durch den Bau eines Geh- und Radweges die Kreisstraße TS 14 weiter von der Bebauung weggerückt sei. Weiter betonte Glück, seit 1999 sei bekannt, dass eine Erweiterung des Gewerbegebiets vorgesehen sei. Außer der Darstellung im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet habe es keine detaillierten Planungen gegeben. Man habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, wer oder was komme. Insofern hätten keine Zusagen gemacht werden können.

Vor 18 Jahren Protest – Heute kein Problem mehr

Zur Verträglichkeit gebe es unterschiedliche Auffassungen, sagte Glück und erinnerte an die Diskussion vor 18 Jahren, als sich die Schreinerei Daxenberger in Seeon ansiedelte. Damals sei der Widerstand der Behörden im Gegensatz zum jetzigen Verfahren wesentlich größer gewesen, sagte CSU- Gemeinderat und Inhaber Josef Daxenberger. Heute sehe die Schreinerei keiner mehr als Störfaktor. Vor dem Hintergrund, dass die Stärkung des ländlichen Raums propagiert werde, sollte die Gemeinde einer Entwicklung der Firma Braukon nicht im Weg stehen. Glück: »So a Firma muaß bei uns Platz haben.«

Dass der Gemeinderat geschlossen hinter der Bebauungsplanaufstellung steht, bestätigte er mit einstimmigem Beschluss nach Verlesung der Beschwerden. Die Beschwerdeführer, die sich zum Teil von ihren Anwälten vertreten ließen, kritisierten, der Gemeinderat habe nicht mit offenen Karten gespielt. Es seien ihnen kleine, verträgliche Handwerksbetriebe mit Wohnungen versprochen worden und kein »überdimensionierter Industriebau.« Das Bauvorhaben sei ein Fremdkörper und zerstöre das Landschaftsbild. Einige sehen darin sogar den Wert ihrer Grundstücke gefährdet.

Kritisch wird auch die Anbindung des neuen Gewerbegebietes gesehen, die laut vorläufigem Plan über das bestehende Gewerbegebiet II geführt werden soll. Nach neuen Erkenntnissen könnte sich aber hier eine Zufahrt an anderer Stelle auftun, so Glück. Hierzu bedürfe es aber erst noch Gesprächen und Grundstücksverhandlungen. Er könne noch nichts versprechen, werde sich aber bemühen. Sollte – wie die Anlieger vermuten – eine Gastronomie entstehen, die noch mehr Verkehr und Lärm verursache, werde die Gemeinde dafür sorgen, dass Auflagen auch eingehalten werden.

»Wir sollten versuchen, mit dem Bauherrn, dessen Betrieb auch zur Struktur der ganzen Gemeinde mit beiträgt, ein Miteinander zu schaffen«, sagte Daxenberger, der von Michael Regnauer (CSU) und Lampert Axthammer (FW) bestärkt wurde.

Kritik an Anliegern: »Das ist nicht die feine Art«

Zu den »anonymen Verdächtigungen« der Anlieger und Gewerbetreibenden gegenüber dem Gemeinderat, die in der Gemeinde die Runde machen, sagte Peter Huber (FW) mit Bedauern: »Das ist nicht die feine Art.« Auch Stefan Berger (FW) reagierte verärgert. Kurz angebunden erklärte er: »Das massive Vorgehen gegen den Gemeinderat und den Bürgermeister sehe ich nicht mehr ein.«

Enttäuscht von der Kritik reagierte auch Gemeinderat Franz Parzinger (FW). Er habe das Grundstück der Gemeinde verkauft, um für Gewerbetreibende Flächen zur Verfügung zu stellen. »Die Kritik trifft mich hart«, sagte er. ga