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Protest gegen Personalknappheit am Klinikum

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Laut Verdi fehlen an deutschen Krankenhäusern 162 000 Beschäftigte. Bei einer bundesweiten Aktion standen gestern genauso viele Menschen vor den Toren von Kliniken. Traunstein bekam von der Gewerkschaft für den Protest symbolisch die Nummern 135 013 bis 135 195 zugewiesen. Natürlich beteiligten sich auch die Betriebsratsmitglieder (von links) Bruno Mayer, Thomas Nicolai und Josef Probst an der Verdi-Aktion. (Foto: Schwaiger-Pöllner)

Traunstein – Protest gegen Personalknappheit: 184 Beschäftigte des Klinikums Traunstein haben sich am gestrigen Mittwoch an einer bundesweiten Aktion der Gewerkschaft Verdi vor den Toren des Krankenhauses beteiligt und damit auch optisch verdeutlicht, wie viele Stellen mehr es in ihrem Krankenhaus geben müsste – rein rechnerisch nämlich genau 184.


Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, aber auch Verwaltungsangestellte und Reinigungskräfte des Klinikums machten bei der Aktion mit. Jeder von ihnen hatte eine Nummer in der Hand. Den Traunsteiner Krankenhaus-Mitarbeitern waren von Verdi die Zahlen 135 013 bis 135 195 zugewiesen worden. Die Gewerkschaft hatte nämlich errechnet, dass 162 000 Beschäftigte in deutschen Kliniken fehlen. Genauso viele Menschen standen gestern laut Verdi »zwischen Flensburg und Oberammergau« vor Klinik-Türen.

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184 Beschäftigte mehr, so heißt es in der Pressemitteilung zum Protest, täten der Qualität der Arbeit im Klinikum Traunstein sehr gut. »Der Druck aufs Personal ist gewaltig«, bestätigte gestern der Traunsteiner Betriebsratsvorsitzende Thomas Nicolai. Trotz bereits eingeleiteter Umstrukturierungsmaßnahmen käme die Entlastung für das Personal zu langsam in die Gänge, so Nicolai. Er und sein Betriebsratskollege Josef Probst machten gestern aber auch deutlich, dass »das Problem gar nicht unbedingt hausgemacht« ist. »Es besteht auch bundespolitisch Handlungsbedarf«, so Probst.

Ziel der Verdi-Aktion war es, der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, die gestern in Bad Dürkheim tagte, vor Augen zu führen, was wirklich notwendig wäre, um eine gute Versorgungsqualität in deutschen Krankenhäusern sicherzustellen. Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung geht in den Augen der Gewerkschaft weit am Ziel vorbei.

»Die Kliniken Südostbayern AG steht hinter dieser Aktion«, erklärte der Vorstandsvorsitzende Dr. Uwe Gretscher und ergänzte: »Wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass an der Pflege niemals gespart werden darf.« Deshalb sei auch die Ausbildung an den beiden Krankenpflegeschulen in Traunstein und Bad Reichenhall ein wesentliches Element, um die medizinische beziehungsweise pflegerische Versorgung der beiden Landkreise sicherzustellen.

Die Schüler der Krankenpflegeschule Traunstein protestierten gestern ebenfalls. Die Aktion fand wegen ihres Unterrichtsplans eine gute Stunde früher statt. Ihr Unmut ist vor allem darum groß, weil die Kliniken Südostbayern AG von den 90 Pflegeschülern, die heuer fertig werden, nur zwei übernehmen wird. san