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Projekt Brückenkinder unterstützt Familien mit Kindern

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Diese beiden Mütter aus Afghanistan und Nigeria mit ihren kleinen Söhnen kommen bereits regelmäßig zu den »Brückenkindern«. (Foto: Mix)

Traunreut – Eltern und Kinder aus unterschiedlichsten Herkunftsländern treffen sich in entspannter Atmosphäre, spielen gemeinsam, lernen Deutsch und erfahren viel über das Land, in dem sie nun leben.


In der ISG Traunreut (Integrative Sozialpädagogische Gruppenarbeit) läuft seit Mitte September ein neues Projekt mit dem Titel »Brückenkinder«. In zwei Gruppen werden dort Familien mit Fluchterfahrung und Zuwanderer aus östlichen EU-Staaten betreut und niederschwellig auf den Besuch einer der Kindertagesstätten in der Stadt vorbereitet.

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Die ISG mit Leiterin Cornelia Streitwieser hat für das Bundesprogramm »Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung« den Zuschlag bekommen. Zusammen mit der Stadt Traunreut und Koordinatorin Annett Parthum wurde ein Konzept erarbeitet, um den Familien die Integration zu erleichtern. Finanziert wird das Projekt vom Familienministerium, zehn Prozent der Kosten trägt die Stadt Traunreut.

Zum einen sollen die Kinder fit gemacht werden für den Besuch einer Kindertagesstätte. Sie lernen spielerisch in der Gruppe und werden von pädagogischen Fachkräften betreut. Die Eltern lernen nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch wichtige Dinge des Alltags. Alles läuft in einem sehr entspannten Rahmen und niederschwellig ab.

Bürgermeister Klaus Ritter betonte im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt: »Integration geht nur über die Sprache, sie ist die Voraussetzung für alles. Wer hier leben will, muss ausreichend Deutsch sprechen, um seinen Alltag gut bewältigen zu können.« Ihm gefalle besonders, dass nicht nur Asylbewerber, sondern auch EU-Migranten willkommen sind, denn »Integration ist eine Basisaufgabe, da darf man keine Gruppe herausnehmen«.

»Wir wollen die Eltern begleiten, Vertrauen aufbauen, ihnen Sicherheit geben und die Kinder dann später in die Krippen oder Kindergärten bringen«, sagt dazu Cornelia Streitwieser. Die meisten Zuwanderer kennen ein Betreuungssystem mit Kindertagesstätten von ihrer Heimat gar nicht. Es sei für sie völlig neu, dass Erzieherinnen sich um ihre Kinder kümmern.

Die Familien werden vom ISG-Personal betreut, darunter auch zweisprachige Pädagoginnen, die Polnisch, Russisch und Rumänisch sprechen. Integration und Bildungsgleichheit für alle stehen dabei im Vordergrund. Eltern und Kinder würden weitergebildet, ihnen würden deutsche Kultur und Werte vermittelt. »Bildung so früh wie möglich ist wichtig«, sagt Streitwieser. Wer in Deutschland leben wolle, müsse auch die Werte anerkennen. »Wir vermitteln den Familien beispielsweise auch, dass bei uns Mädchen und Buben auf Augenhöhe erzogen, von Anfang an gemeinsam betreut und unterrichtet werden, zusammen spielen und Sport treiben.« Viele Eltern wollten möglichst viel lernen.

Mehrere Familien waren in den vergangenen zwei Wochen bereits da. Bis zu 30 Personen könnten aufgenommen werden. Sie treffen sich täglich von Montag bis Freitag in der ISG, Kantstraße 32. Jede Familie darf ein Jahr lang teilnehmen – dann sollte sie soweit integriert sein, dass die Kinder in eine Kita wechseln können. Das Programm ist vorerst auf vier Jahre begrenzt. Streitwieser hat aber noch weiterreichende Pläne. Sie hat größere Räume angemietet für die Gruppen, in denen sie künftig auch einen offenen Treff für jedermann einrichten will. Und sie plant in Zusammenarbeit mit der Stadt einen Waldkindergarten. Besonders dankbar sind sie und ihre Mitstreiter, dass die Kinder und Jugendlichen der ISG von den Nachbarn so gut angenommen werden.

Obwohl alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben, besuchen gerade Kinder aus benachteiligten Familien oft keine Kita, heißt es in der Vorstellung des Programms. Das betreffe unter anderem Kinder mit Fluchterfahrungen.

Unter Kindern lernen zugewanderte Kinder schnell die deutsche Sprache und knüpfen Kontakte. Der Besuch einer Kita könne dazu beitragen, auch die Familien in dieser besonderen Lebenssituation zu stabilisieren und die gesellschaftliche Integration zu erleichtern. Hier setze das Bundesprogramm »Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung« an. mix

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