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Professionelle Hilfe für Mutter und Kind

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Das gemeinsame Kochen machte Kindern wie Vätern großen Spaß.

Traunstein. Maria H. ist gerade einmal 15 Jahre alt, als sie schwanger wird. Ihre Eltern sind mit der Situation ebenso überfordert wie sie selbst. Maria weiß nicht mehr weiter. Eine Abtreibung kommt für sie nicht in Frage, doch allein kann sie die ersten Jahre mit ihrem Kind einfach nicht schaffen.


Helga F. ist 32 Jahre alt, als sie ihr zweites Kind erwartet. Ihr erstes Kind bekam sie bereits in frühen Jahren. Mit der Erziehung war sie heillos überfordert, sie fühlte sich mit allen Problemen allein gelassen. Da das Wohl des Kindes gefährdet war, griff das Jugendamt ein. Seitdem lebt das Kind in einer Pflegefamilie. Dieses Mal möchte Helga alles besser machen, doch abermals muss sie die Erziehung des Kindes allein bewältigen. Sie hat große Angst, erneut zu scheitern. Dabei möchte sie doch ihrem Kind eine gute Zukunft ermöglichen.

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»Das Konzept hat sich bewährt«

Wenn Mütter mit der Erziehung ihres Kindes überfordert sind, brauchen sie eine Einrichtung wie das Wohnen für Mutter und Kind der Diakonie. Hier erhalten sie mit ihrem Kind geeigneten Wohnraum und fachkundige Begleitung. »Das Wohl des Kindes steht im Vordergrund. Doch um dies erreichen zu können, müssen sich auch die Mütter wohlfühlen«, sagt Sozialpädagogin Veronika Kecht, Leiterin der Einrichtung. Vor einem Jahr startete das Mutter-Kind-Wohnen der Diakonie mit einem vollstationären Angebot, nachdem es von 2005 bis 2012 ausschließlich teilstationäre Hilfen anbieten konnte. Derzeit werden elf Frauen mit Kindern in der Einrichtung betreut, davon fünf vollstationär und vier teilstationär. Zwei Frauen sind gerade in der Übergangsphase, in der sie das spätere selbstständige Leben trainieren und ausprobieren. Kommen sie dabei an ihre Grenzen und brauchen sie Hilfe, sind die Fachkräfte der Einrichtung schnell erreichbar.

»Unser Konzept hat sich bewährt. Zudem ist der Bedarf an unserem Hilfeangebot größer denn je«, so Veronika Kecht. Für den vollstationären Bereich gebe es eine lange Warteliste.

Für die Arbeit mit den Frauen sei es wichtig, in allen Lebensbereichen so viel Normalität wie möglich zu schaffen. Besonderes Augenmerk gelte dem Aufbau tragfähiger und gelingender Beziehungen. Vor allem zwischen Mutter und Kind, aber auch zum Partner, weiteren Familienangehörigen, Freunden und sozialpädagogischen Fachkräften. Eine besonders wichtige Rolle komme den Vätern zu. Mit verschiedenen Angeboten werde versucht, diese miteinzubeziehen.

Eine besonders gelungene Aktion war das Vater-Kind-Kochen. Hierzu wurden alle Väter für ein Wochenende in die Einrichtung eingeladen. Gemeinsam mit ihrem Kind planten sie das sonntägliche Festessen in der Gruppe. Zunächst einigten sich die Beteiligten auf die Gerichte, dann kauften sie mit den Kindern ein. Am Sonntag war Kochen angesagt. Jedes Kind bereitete mit seinem Vater oder einer männlichen Bezugsperson die Speisen zu, bis die Mütter zum Festmahl geladen und bewirtet wurden. Kinder und Väter erhielten größtes Lob für die Gaumenfreuden, zu denen auch eine Nachspeise gehörte. Und danach brachten sie die Küche auch wieder in einen einwandfreien Zustand.

Diese von der Aktion Mensch und dem Kirchenkreis Unna geförderte Aktion war ein voller Erfolg. Manche Väter brachten eigene Rezepte mit, die Kinder waren mit Feuereifer dabei und die Mütter konnten ihre Neugier kaum unterdrücken. Immer wieder einmal spionierten sie heimlich in der Küche. Pfarrer Dirk Heckmann vom Referat für Männerarbeit und Erwachsenenbildung des Kirchenkreises Unna nahm die weite Anreise in Kauf, um die Männer fachkundig anzuleiten. Jedes Kind erhielt im Anschluss ein Foto von der Aktion. Manche hüten es wie einen Schatz und sagen stolz: »Das bin ich mit meinem Papa beim Kochen.«

Die Väter gehören selbstverständlich dazu

»Die Arbeit mit den Vätern gehört zu unserer Tätigkeit«, erklärt Veronika Kecht. »Väter haben in unserer Einrichtung ein Besuchsrecht und sie dürfen hier auch zweimal pro Woche übernachten, sofern sie eine feste Partnerschaft mit der Mutter haben. Doch es brauche oft einen positiven Anreiz, damit in einer guten Atmosphäre das Miteinander gelingt.

Die Erfolge motivieren die Fachkräfte. Vor allem wünschen sie sich, dass die Frauen mit ihren Kindern die neue Chance wahrnehmen und sich gut weiterentwickeln, aber auch, dass das Team in der derzeitigen Besetzung stabil bleibt. Denn, so Veronika Kecht: »Wirksame pädagogische Arbeit braucht Kontinuität.«