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Produzenten und Gastronomen zusammenbringen

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Waging am See. Genuss und Regionalität zählen zu den großen Trends im Tourismus. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Speisen steigt. Angesichts der Vielfalt an Lebensmitteln aus aller Welt und der zunehmend industriellen Nahrungsmittelproduktion ist »Region« ein hilfreiches Orientierungsmittel. Mit dem Projekt Alpenkulinarik sollen Gastronomen, Erzeuger, Händler und Verarbeiter regionaler Lebensmittel zusammengeführt werden. Bei einer Veranstaltung im Landhaus Tanner in Waging trafen sich rund 35 Interessierte, um sich über das von der Europäischen Union geförderte Projekt zu informieren.


Rund 250 Betriebe im gesamten Projektgebiet

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Im gesamten Projektgebiet nehmen rund 250 Betriebe teil, im Landkreis Traunstein sind es derzeit 16 Erzeuger und 10 Gastronomiebetriebe, wie Landrat Hermann Steinmaßl berichtete. Das Gebiet umfasst die Tourismusregionen Berchtesgadener Land, Chiemgau, Chiemsee-Alpenland, Oberbayerisches Voralpenland und Zugspitzland.

Der Betrug mit Pferdefleisch und Bioeiern – beides sorgt dieser Tage für Schlagzeilen – seien Themen, um darüber nachzudenken, wie es mit der Ernährung weitergehen soll. Immer mehr Menschen wollen wissen, woher ihre Nahrungsmittel kommen. »Je näher, desto sicherer« sei ein Produkt. Die Nähe zum Produkt garantiere kurze Transportwege und sei ein Qualitätssiegel für Frische. In Wirtshäusern könne man »Heimat spüren«. Vor allem Urlauber wollen wissen, was es in der Region Typisches zu essen gebe.

Das Projekt Alpenkulinarik könne für all das nur Impulse geben. »Wir nehmen öffentliche Gelder her für wirtschaftliches Handeln«, stellte der Landrat fest und machte den Teilnehmern der Veranstaltung keine Hoffnung, dass das Projekt auf Kosten der Steuerzahler in der Region weitergeführt wird: »Ich sehe schwarz, dass wir uns dauerhaft darum kümmern.«

Im September läuft die EU-Förderung aus

Im September, so erläuterte Projektleiter Florian Reitsamer, läuft die EU-Förderung aus. Nach der Pleite des Tourismusverbandes München-Oberbayern dürfen Universität und Fachhochschule Salzburg das Projekt ohne den bayerischen Partner zu Ende führen. Ziel sei es nach wie vor, Gastronomen, Hoteliers, Produzenten, Verarbeiter und Lebensmittelhändler zu vernetzen und so die regionale Wertschöpfung zu erhöhen. Man solle seine Partner kennen, denn es sei ein gutes Gefühl zu wissen, wo das Produkt herkommt.

Der Leiter des Zentrums für Gastrosophie an der Universität Salzburg, Professor Lothar Kolmer, ging kurz auf die Forschung seiner Fakultät ein, die sich unter anderem mit der Zukunft der Ernährung befasst. Ganz langsam ändere sich das Konsumverhalten hin zu höherwertiger Nahrung. Die Konsequenzen aus dieser Veränderung wären für unsere Region günstig wegen der guten Voraussetzungen, die es hier gibt. Er äußerte die Hoffnung, dass das Projekt Alpenkulinarik nach der Pleite des Tourismusverbandes München-Oberbayern wieder »in ruhiges Fahrwasser kommt«.

Von großer Begeisterung bis zu extremer Skepsis reichten die Meinungen und Erfahrungen der Teilnehmer in Waging. Gastgeber Franz Tanner zum Beispiel berichtete, dass er dank Alpenkulinarik nicht nur viele Erzeuger und Lieferanten in der Nähe gefunden haben. Auch dank der Ausrichtung seines Angebotes auf regionale Produkte habe er mehr Gäste bekommen. Eine Umsatzsteigerung im zweistelligen Bereich im vergangenen Jahr sei ein Zeichen, dass der Ansatz für seinen Betrieb richtig sei.

Weniger begeistert zeigte sich der eine oder andere Erzeuger. Die Gastronomie, so hieß es, wolle nur bestimmte Fleischstücke; die Nachfrage sei nur schwer zu decken und auf dem Rest bleibe man sitzen, wurde beklagt. Früher habe der Wirt ein halbes Rind oder ein Schwein gekauft und es komplett verarbeitet. Heute gehe es nur noch um Lende, Filet und Schnitzel.

Verbraucher verlangen oft Unmögliches

»Die Verbraucher verlangen Sachen, die man zum gewünschten Zeitpunkt nicht liefern kann«, wurde beklagt. Und das kritische Fazit eines Teilnehmers lautete: »Erzeuger und Gastronomen sind noch weit auseinander«.

Sie näher zusammenzubringen ist eine der Aufgaben, der sich die Alpenkulinarik noch bis September widmen will, ehe die Fördergelder der EU voraussichtlich gestoppt werden. -K.O.-