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Probleme mit Datenklau

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Siegsdorf. Cyberkriminalität und Datenklau werden auch für mittelständische Betriebe im Chiemgau zu einer immer größeren Bedrohung. Welche Schwachstellen Firmen haben und wie sie sich vor Hackerangriffen und anderen Sicherheitsbedrohungen schützen können, darüber informierte sich das IHK-Gremium Traunstein auf seiner jüngsten Sitzung bei den Adelholzener Alpenquellen.


Gehackte Onlineshops, geknackte Email-Benutzerkonten, unbefugte Kontozugriffe – zwei Drittel aller Unternehmen seien allein im vergangenen Jahr Opfer einer Cyberattacke gewesen, berichtete Varvara Becatorou, Referentin für Informationssicherheit bei der IHK für München und Oberbayern. Eine Kurzumfrage unter den Mitgliedern des IHK-Gremiums Traunstein bestätigte den besorgniserregenden Trend.

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Onlineshop gehackt und unbefügt verändert

Praktisch jeder der Chiemgauer Unternehmer berichtete von Schadensfällen. In einem großen Industrieunternehmen im Landkreis sei über die Standleitung aus dem Tochterwerk in Ungarn ein Hackerangriff auf die Maschinensteuerung am deutschen Standort erfolgt, so der Geschäftsführer. Ein Bauunternehmer berichtete von einem Cyberangriff, der das Unternehmensnetzwerk trotz eingerichteter Sicherungen einen ganzen Tag lahmlegte. Ein Hotelier erzählte vom eigenen Onlineshop, der gehackt und unbefugt verändert wurde.

Virenverseuchte Mails, die von arglosen Angestellten geöffnet werden, gehören ohnehin zur Tagesordnung in den Unternehmen. Pro Tag versuchen geschätzte 100 000 neue Schadprogramme, per Email oder Internet in Firmennetzwerke einzudringen und sensible Daten auszuspähen, zitierte die IHK-Expertin Zahlen aus einer Studie. Kleine und mittelgroße Unternehmen seien für die Attacken besonders anfällig, da sie nicht die Ressourcen wie große Konzerne hätten, sich vor Hackerangriffen zu schützen.

Für Thema sensibilisieren

Becatorou empfiehlt allen Unternehmen, die Angestellten für das Thema zu sensibilisieren und eine Leitlinie zur Informationssicherheit zu erarbeiten. Dazu gehöre auch, die überlebenswichtigen Informations-Kronjuwelen in der Firma zu identifizieren, die besonders vor unerlaubtem Zugriff geschützt werden müssen. Zudem sollten die Firmen Notfallpläne für Datenverlust und Netzwerkversagen vorbereiten. Becatorou berichtete, dass der durch eine Cyber-Attacke ausgelöste Schaden und Arbeitsausfall im Durchschnitt Kosten von 70 000 Euro verursacht. Viele Unternehmen verbieten beispielsweise bereits USB-Sticks an Firmengeräten, weil die Gefahr der Verbreitung von Viren und Schadsoftware durch die beliebten Speichergeräte immens groß ist, so Becatorou.

Über aktuelle Änderungen im Steuerrecht für Unternehmen informierte Jörg Rummel, stellvertretender Leiter des Referats Steuern, Finanzen bei der IHK für München und Oberbayern.

Bei der Führung durch die Adelholzener Alpenquellen stellte Geschäftsleiter Franz Demmelmair das traditionsreiche Unternehmen vor. Der Mineralbrunnen beschäftigt derzeit rund 370 Mitarbeiter am Standort. Besonders beeindruckt zeigten sich die Gäste von der IHK von der logistischen Leistung des Unternehmens, trotz begrenzter Lagerkapazitäten und schwer vorhersehbarer Nachfrageentwicklung die gesamte Produktpalette des Unternehmens ständig in ausreichenden Mengen bereitzuhalten.