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Probebetrieb lief »sehr erfolgreich«

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Foto: Schwaiger-Pöllner

Traunstein – Nach vier Monaten Probebetrieb hat die Bereitschaftspraxis am Klinikum Traunstein am gestrigen Mittwoch ihren regulären Betrieb aufgenommen. Damit steht der ärztliche Bereitschaftsdienst jetzt auf neuen Füßen, das bisherige System mit kleineren Einheiten und einer Behandlung in den Praxen der niedergelassenen Ärzte gehört damit der Vergangenheit an.


Gut 900 Patienten suchten von Anfang November 2016 bis Ende Januar die neue Bereitschaftspraxis am Klinikum Traunstein auf. Die Februar-Zahlen liegen noch nicht vor, wie Dr. Joaquin Kersting erklärt, der den Praxisaufbau von der Klinikseite her begleitet hat. Die Zahl der Patienten sei aber von Monat zu Monat gestiegen. »Im November waren es rund 260, im Dezember gut 300 und im Januar an die 370«, führt Dr. Kersting aus.

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Den Probebetrieb stuft der Arzt als »sehr erfolgreich« ein. »Wir dachten, dass wir mehr nachsteuern müssen.« Im Großen und Ganzen sei alles von Anfang an »sehr harmonisch verlaufen«, meint der Mediziner vor allem mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen dem Klinikpersonal und den niedergelassenen Ärzten, die in der Bereitschaftspraxis Dienst tun; die Haus- und Fachärzte sind zum ärztlichen Bereitschaftsdienst verpflichtet.

Die Bereitschaftspraxis ist geöffnet, wenn die Praxen der niedergelassenen Ärzte in der Regel geschlossen sind: am Montag, Dienstag und Donnerstag von 18 bis 22 Uhr, am Mittwoch und Freitag von 13 bis 22 Uhr sowie am Samstag, Sonntag und Feiertag zwischen 8 und 22 Uhr. Sie ist gedacht für Patienten, die zwar kein Fall für die Notfallambulanz sind, deren Behandlung aber auch nicht aufschiebbar ist bis zur nächsten üblichen Sprechstundenzeit.

Am Klinikum Traunstein liegen die Bereitschaftspraxis und die Notfallambulanz gleich nebeneinander. Eine speziell ausgebildete Medizinische Fachangestellte sieht sich die Patienten, die kommen, an und entscheidet, ob sie ein Fall für die Bereitschaftspraxis oder die Notfallambulanz sind. »Das lässt sich oft auch schnell auf Zuruf mit den niedergelassenen Ärzten klären«, weiß der Mediziner.

Ziel, niedergelassene Ärzte zu entlassen

Das neue System soll nicht nur die niedergelassenen Ärzte entlasten, die durch häufige Bereitschaftsdienste in der Vergangenheit stark belastet waren. Es soll auch den Andrang auf die Notfallambulanzen eindämmen. »Man merkt, dass zu Zeiten, an denen die Bereitschaftspraxis geöffnet ist, nicht mehr ganz so viele Fälle in der Notaufnahme sind«, führt Kersting aus. Und natürlich verkürzen sich auch die Wartezeiten für die »leichteren Fälle«, die in der Bereitschaftspraxis landen – »weil man sich in der Notaufnahme ja erst um die schweren Fälle kümmert«.

Auch an der Kreisklinik Bad Reichenhall gibt es seit gestern eine Bereitschaftspraxis. Sie ist Anlaufstelle für Patienten aus dem Berchtesgadener Land und wird wie die Bereitschaftspraxis in Traunstein von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) betrieben. Geöffnet ist sie mittwochs und freitags von 15 bis 21 Uhr sowie am Samstag, Sonntag und Feiertag zwischen 9 und 21 Uhr. Die organisatorischen Strukturen sind vergleichbar mit denen in Traunstein. »Wir nutzen die Erfahrungen, die wir in Traunstein in den vergangenen Monaten gesammelt haben«, erklärt Dr. Kersting.

Im Kreis Traunstein gibt es noch die privat organisierte Bereitschaftspraxis an der Salzachklinik Fridolfing; sie ist Anlaufstelle für die Menschen aus dem Rupertiwinkel. Die Fridolfinger Praxis ist am Samstag, Sonntag und Feiertag von 9 bis 13 Uhr sowie von 17  bis 18 Uhr geöffnet. Telefonisch ist der ärztliche Bereitschaftsdienst weiterhin kostenlos und vorwahlfrei unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 116 117 erreichbar.

Neben den drei zentral gelegenen Bereitschaftspraxen gibt es zusätzlich einen von der KVB organisierten Fahrdienst, der die medizinisch notwendigen Hausbesuche in den beiden Landkreisen durchführt. Ein medizinisch geschulter Fahrer begleitet dabei den diensthabenden Arzt und bringt ihn sicher zum nächsten Einsatzort.

Ziel der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns ist es, flächendeckend in ganz Bayern eine ambulante medizinische Versorgung auch abends sowie an Wochenenden und Feiertagen zu gewährleisten. Aus Sicht der Kliniken Südostbayern liegt der Gewinn für die Patienten vor allem darin, dass sie nachts und an den Wochenenden eine zuverlässige Anlaufstelle haben. Mühsame Recherchen, welcher Arzt Dienst hat und wo sich dessen Praxis befindet, entfallen somit. san