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Pressegespräch zum Weltspartag: Sparen ist immer noch »in«

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Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg, Werner Linhardt (rechts), und Vorstandsmitglied Stefan Nieß bei der Pressekonferenz zum Weltspartag. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Sparen bleibt »in«, aber anders als in der Vergangenheit. Stand früher der Zinsertrag im Vordergrund, geht es den Kunden heute vorrangig um Sicherheit und Flexibilität der Anlagen. Das betonte der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg, Werner Linhardt, bei einer Pressekonferenz im Gasthof Sailer-Keller in Traunstein zum Weltspartag am kommenden Freitag. Der Wunsch nach hoher Rendite rangiere erst an vierter Stelle, wie die jüngste Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands zeige. Dies bestätigten die Zahlen »seiner« Kreissparkasse.


Zum Stichtag 30. September 2015 kletterte die Bilanzsumme der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg um fast 164,75 Millionen Euro oder 8,2 Prozent auf einen noch nie erzielten Rekordstand von mehr als 2,163 Milliarden Euro. Geprägt war die Bilanzsumme von der Einlageseite. Das Plus von fast 69,5 Millionen Euro ließ die Gesamteinlagen auf knapp 1,67 Milliarden steigen. Mit dieser Zunahme um 4,3 Prozent liegt die Kreissparkasse über dem bayerischen Durchschnitt.

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Kurzfristige Anlageformen boomen

Kurzfristige Anlageformen wie Sichteinlagen erlebten einen Boom: Sie erhöhten sich gegenüber dem Vergleichszeitraum um 10,4 Prozent oder fast 93,7 Millionen Euro auf 995 Millionen Euro. Termingelder verzeichneten sogar eine Zunahme um über 50 Prozent – von 18,4 Millionen um 9,3 Millionen auf knapp 27,7 Millionen Euro. Alle langfristigen Anlageformen landeten teils zweistellig im Minus.

Linhardt bewertete: »Unsere Kunden sparen fantastisch, aber im kurzfristigen Bereich – auch wenn dieser nahezu keine Zinsen erbrachte. Etwas auf der hohen Kante zu haben, prägt unsere Kunden.« Das weiter anhaltende extrem niedrige Zinsniveau fördere das Bewusstsein der Kunden für alternative Anlagen, etwa Aktien. Langfristige Anlagemöglichkeiten würden langsam wieder aufgebaut. Das Depot- und das Wertpapiergeschäft beweise: »Die Verkäufe nehmen ab, die Käufe nehmen zu. Traditionell geht der Trend mehr zum Wertpapierengagement.«

Die Gesamtausleihungen bezifferte Werner Linhardt mit knapp 1,09 Milliarden Euro, nicht ganz 10,9 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das Wachstum der Kreditbestände von lediglich einem Prozent begründete der Sparkassenchef: »Es wird sehr viel getilgt, mehr als in der Vergangenheit.« Die reinen Neuausleihungen schlugen mit gut 222,8 Millionen Euro zu Buche. Sie lagen damit um zehn Prozent oder 20,3 Millionen Euro über dem Stand zum September 2014.

Unter dem Strich stufte der Vorstandsvorsitzende die Situation als »vergleichsweise gut« ein. Aber die Erträge der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg seien nicht mehr so hoch wie früher: »Langfristig ist nicht gesichert, dass wir unsere Eigenkapitalverpflichtungen erfüllen können. Durch eine schlankere Organisation können wir dem entgegenwirken.« Außerdem habe sich das Kundenverhalten geändert. Heute suchten Kunden kaum mehr die Geschäftsstellen auf. Gleichzeitig habe sich der Markt gewandelt: »Alles ist viel stärker digitalisiert. Damit besteht kaum mehr Servicebedarf.«

Der Sparkassenchef unterstrich, früher habe eine ausreichende Zinsspanne zur Kostenfinanzierung mit den Personalkosten als größtem Posten beigetragen. Inzwischen sei der Kostendruck durch das Niederzinsniveau und die relativ geringen Erträge aus dem Dienstleistungsbereich gewachsen. Gebührenerhöhungen seien nicht geplant. Vorerst wolle man auch keine der 31 Geschäftsstellen schließen. Stattdessen wolle man das Problem regeln über die Öffnungszeiten. Vor Jahren seien die Filialen durchgehend von 8.30 bis 16.30 Uhr geöffnet gewesen. Sukzessive seien die Öffnungszeiten angepasst worden durch eine Mittagspause und Schließen am Mittwochnachmittag. Dafür sei die Beratung intensiviert worden mit Terminen außerhalb der Servicezeiten. Vorstandsmitglied Stefan Nieß ergänzte: »Da müssen wir noch flexibler werden.«

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Unverändert werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben, sicherte Linhardt zu. Der Mitarbeiterstand von aktuell rund 500 Beschäftigten werde sich jedoch verringern – durch natürliche Fluktuation. In den Geschäftsstellen frei werdendes Personal werde für andere Aufgaben eingesetzt: »Zum Beispiel für überregionale Pflichten. So will die Europäische Union, dass jeder Kredit ab 25 000 Euro nach Brüssel gemeldet wird. Die komplette Kreditwirtschaft läuft Sturm dagegen.« Eine klare Absage erteilte Werner Linhardt Fusionsabsichten mit benachbarten Sparkassen.

Der Weltspartag habe im Laufe der Jahre an Bedeutung verloren, lautete das Fazit des Sparkassenchefs. Anlagen seien nicht an einen Termin gebunden. Kinder ließen am 30. Oktober aber noch immer ihre Sparschweine leeren und bekämen ein kleines Geschenk, auch in der Jugendsparwoche vom 2. bis 6. November. kd