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Prachtvolle Demonstration überlieferten Brauchtums

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Die Festmesse vor dem Leonhardikircherl hielt der Teisendorfer Pfarrer Johannes von Bonhorst. (Fotos: Horn)

Teisendorf – Mit einem furiosen Auftaktwochenende startete die Leonhardigilde Holzhausen in ihr einwöchiges Pfingstfest. Nach fetzigen Stücken der »Isartaler Hexen« eröffnete Hans Grabner im Bierzelt die Holzhausener Pfingstwoche.


Stefan Wieninger zeigte sich erfreut, dass trotz des extrem schlechten Wetters wieder so viele Besucher kamen. Unter seiner Anleitung zapfte dann Bürgermeister Thomas Gasser mit zwei Schlägen das erste Fass an. Holzhausen sei ja bekannt für seine Tradition und gute Mischung bei der Programmgestaltung, sagte er. Auch bei der Verpflegung bleibe kein Wunsch offen. Hans Grabner von der Bierzeltgemeinschaft lobte die gut funktionierende Dorfgemeinschaft, ohne deren Zusammenhalt diese Festwoche gar nicht bewältigt werden könnten. Schon am Pfingstsonntag sorgte das Eselrennen für spannende und lustige Unterhaltung (ein ausführlicher Bericht folgt).

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Pünktlich zum Ritt endete der tagelange Dauerregen

Nach tagelangem Dauerregen lockerte pünktlich zum Leonhardiritt am gestrigen Pfingstmontag der Himmel auf. Dünne Wolken und angenehme Temperaturen gab es bei der Neuauflage der seit über 400 Jahren währenden Tradition. Die Mitglieder der Leonhardigilde hatten mit zahlreichen Helfern wieder enorme Vorarbeit geleistet. So gab es heuer auch erstmals einen Wagen mit einem Feldkreuz. Hias Mösenlechner hat das Kreuz geschaffen und somit für eine weitere Bereicherung des Zuges gesorgt. Rund 300 Pferde und elf Wagen gestalteten den Zug, dicht gesäumt waren die Straßen. Menschentrauben drängten sich entlang der Strecke, geschätzte 8000 Zuschauer waren herbei geströmt.

»Lasst uns wie in Väters Zeiten am Pfingstmontag nach Holzhausen reiten. Der Segen Gottes ist Dir gewiss, Garant dafür St. Leonhard is'!« Diesen Wahlspruch pflegt die Holzhauser Leonhardigilde schon seit geraumer Zeit und schreibt damit ein Stück regionaler Geschichte. Nachweislich wurde der Umritt im Jahr 1612 zum ersten Mal erwähnt, und auch heuer war der Umritt in dem kleinen Dörflein in der Gemeinde Teisendorf wieder eine prachtvolle Demonstration überlieferten Brauchtums.

Zahlreiche Helfer hatten enorme Vorarbeit geleistet

Die Leonhardigilde Holzhausen mit Vorstand Georg Wallner und dem langjährigen Mitorganisator Johann Lamminger senior an der Spitze hatte alles bestens gerichtet. Viele Helfer hatten ihren Beitrag zum Gelingen des Festes geleistet. Zahlreiche Pferdefreunde mit rund 300 prächtig geschmückten Tieren aus dem Berchtesgadener Land, den Nachbarlandkreisen sowie aus Österreich waren gekommen; entweder in fescher regionaler Tracht, in historischen Kostümen oder in schmucken Uniformen saßen sie im Sattel oder auf einem der festlich herausgeputzten Wagen.

Angeführt wurde der Zug von zwei Postillonen, Katharina Stohas und Markus Wallner. Die Musikkapellen aus Teisendorf, Neukirchen und Ringham-Petting fuhren auf drei Wagen mit und gestalteten den Umzug mit Prozessionsmärschen. Drei Gruppen des Teisendorfer Trachtenvereins und eine Delegation des Schützenvereins Edelweiß Holzhausen waren ebenfalls auf Wagen vertreten. In Festkutschen saßen Ehrengäste wie Landrat Georg Grabner, der frühere Landtagspräsident Alois Glück, Bürgermeister Thomas Gasser oder Bezirksrat Georg Wetzelsperger. Hans Lamminger als Darsteller des Heiligen Georg und Stefan Lamminger als Kreuzträger reihten sich mit ein. Zweimal zog die festliche Gesellschaft durch das Dorf. Vor dem Leonhardskircherl spendete Teisendorfs Seelsorger Johannes von Bonhorst den Segen an Ross und Reiter, verbunden mit der Hoffnung auf ein unfall- und krankheitsfreies Jahr.

Nachdem sich der Zug aufgelöst hatte, fand vor der Kirche ein festlicher Gottesdienst statt. Johannes von Bonhorst zelebrierte die Messe, Kaplan Korbinian Wirzberger übernahm die Predigt. Wirzberger sprach ein »Zeichen der Zeit« an. Viele Menschen lebten heute im Konjunktiv – die Worte »sollte«, »könnte«, »würde« beherrschten ihr Leben. Es falle schwer, sich »aufzuraffen«, häufig werde der bequeme Weg bevorzugt.

Sich aufraffen und nicht von der Lethargie mitreißen lassen

Im Pfingstfest werde der Heilige Geist gegenwärtig. Gerade seine Wirkung brauche die Kirche. Wirzberger rief die Zuhörer zu aktiver Mitarbeit in Kirche und Gesellschaft auf. Sie sollten sich aufraffen und sich nicht von Lethargie mitreißen lassen. Seine Worte trafen den Nerv der Gottesdienstbesucher – spontaner Applaus zollte ihm Respekt. Die festliche musikalische Gestaltung übernahm die Musikkapelle Teisendorf. Die Musiker stimmten auch die Bayernhymne an. »… und erhalte dir die Farben seines Himmels weiß und blau« heißt es in einer Textpassage – so präsentierte sich auch der Himmel über Holzhausen am Pfingstmontag. wh/mh