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Post-Streik trifft die Region in vollem Ausmaß

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Im Sortierzentrum in Kolbermoor haben am Dienstag etwa 200 Mitarbeiter gestreikt. Im Laufe der Woche sollen noch viele Briefträger und Paketzusteller hinzukommen. (Foto: dpa)

Viele Briefkästen in der Region werden in den nächsten Tagen wohl leer bleiben. Am unbefristeten Streik der Post-Mitarbeiter beteiligen sich auch Beschäftigte am Sortierzentrum in Kolbermoor, das für die Verteilung in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land zuständig ist. Von den 220 Beschäftigten haben gestern rund 200 ihre Arbeit niedergelegt. In den nächsten Tagen sollen noch Briefträger und Paketzusteller hinzukommen.


»Wir wollen mit dem unbefristeten Arbeitskampf die Tarifauseinandersetzung zuspitzen«, sagt Anton Hirtreiter von Verdi Bayern. In dem Tarifkonflikt geht es um Bezahlung und Arbeitszeit für rund 140 000 Beschäftigte sowie den Aufbau von regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung. Nach sechs Verhandlungsrunden gibt es aber immer noch kein Ergebnis: »Wer sich wie die Post am Verhandlungstisch nicht bewegt, auf Zeit spielt und wem die Belange der Beschäftigten und der Bürger anscheinend egal sind, muss sich nicht wundern, dass Verdi nun den Streik massiv ausweitet«, so Hirtreiter.

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Der für die Region zuständige Gewerkschafter Matthias Knüttel freut sich über die hohe Beteiligung am Streik in seiner Region Rosenheim. Fast alle Beschäftigten im Briefzentrum legten ihre Arbeit nieder. Täglich landen dort über eine Million Briefe und Karten. Die Post habe versucht, mit etwa einem Dutzend polnischer Arbeiter den Ausfall aufzufangen. »Wir werden den Streik aber ab Mittwoch noch steigern«, so Knüttel. So sollen ab heute auch viele Briefträger und Paketzusteller ihre Arbeit niederlegen. Die Briefbearbeitung wird nahezu zum Erliegen kommen.

Wer jetzt einen Brief oder ein Paket verschicken will, muss also damit rechnen, dass die Sendung später ankommt als geplant. »Sie sollten nicht bis zum letzten Drücker warten«, rät Julian Graf von der Verbraucherzentrale. Bei normalen Sendungen empfiehlt es sich, mindestens drei Tage Vorlaufzeit einzuplanen. Bei fristgebundenen Sendungen sollten es noch einige Tage mehr sein. Im Zweifel können Kunden auf Alternativen ausweichen, wie Fax und E-Mail. Oder man bringt das Schriftstück persönlich vorbei und lässt sich den Empfang bestätigen.

Die Post für eine verspätete Zustellung haftbar machen kann man nicht. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen ist ein Haftungsrisiko im Streikfall ausgeschlossen. Das heißt, ein Kunde kann keinen Schadensersatz von der Post verlangen, wenn beispielsweise online bestellte Lebensmittel verdorben eintreffen. Auch für wichtige Schriftstücke, wie Kündigungen, trägt in der Streikzeit der Versender das Risiko. Etwas anderes ist es beim Zurückschicken von Interneteinkäufen. Zur Einhaltung der Widerrufsfrist von 14 Tagen ist es ausreichend, wenn die Ware innerhalb dieses Zeitraums abgeschickt wird. Wichtig: Einlieferungsbeleg aufheben. Andrea Poschinger