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Platz für die Bücherei in verkleinertem Bajuwarenmuseum?

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Der Bereich im bisherigen Bajuwarenmuseum etwa ab der Lichtkuppel könnte künftig für die Bücherei genutzt werden. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Geht es nach der eindeutigen Tendenz in der jüngsten Sitzung des Waginger Kulturausschusses, könnte bereits in der nächsten Gemeinderatssitzung am 28. Juli das Thema Bajuwarenmuseum entschieden werden – und zwar so, dass das bisherige Museum im ersten Stock der Tourist-Info um etwa 120 Quadratmeter verkleinert wird. Auf der dadurch frei werdenden Fläche könnte künftig die Bücherei St. Martin untergebracht werden, die derzeit im Pfarrheim an der Seestraße angesiedelt ist.


Dieses Konzept widerspricht zwar der Empfehlung, die Dr. Josef Kirmeier, der Leiter des museumspädagogischen Zentrums an der Bayerischen Museumsakademie in München, bei einer der früheren Kulturausschuss-Sitzungen abgegeben hatte. Er schlug nämlich vor, das architektonische Bild des Bajuwarenmuseums mit der Lichtkuppel in der Mitte nicht zu zerstören.

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Bücherei hat zu wenig Platz

Zum Hintergrund: Die Bücherei ist seit langem auf einen rund 60 Quadratmeter großen Raum im Pfarrheim beschränkt, die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen wünschen sich nichts sehnlicher als etwas mehr Platz. Dann ist angedacht, das Pfarrheim zu sanieren, vielleicht sogar neu zu bauen. Wie von Vertreterinnen der Bücherei in der Kulturausschuss-Sitzung informiert wurde, sei weder bei einer Renovierung, noch bei einem Neubau damit zu rechnen, dass die Bücherei mehr Platz bekommen würde als bisher.

Aus diesem Grund wurde nun auch die Bücherei in die Überlegungen rund um die Zukunft des Bajuwarenmuseums aufgenommen. Die neue Ortsheimatpflegerin Dr. Claudia Schemmer ist von der Gemeinde gebeten worden, ein Grobkonzept für diese Doppellösung zu erstellen, das sie im Kulturausschuss nun vorgestellt hat.

Zur Grobaufteilung des bisherigen Bajuwarenmuseums, eine größere Fläche für das Museum und eine etwas kleinere für die Bücherei, kommt noch ein weiterer Bereich, wahrscheinlich der Eingangsbereich unter Einbeziehung des bisherigen Museums-Shops. Dieser soll für kleinere Ausstellungen, Präsentationen, Lesungen und dergleichen genutzt werden. Das ist sozusagen die angedachte Hardware.

Alle Ausstellungsstücke wurden überarbeitet

Zur »Software« will großenteils die Archäologische Staatssammlung in München beitragen. Darunter ist ausdrücklich keine umfangreiche EDV-Ausstattung zu verstehen, sondern die Konzeption eines verkleinerten Museums mit Vitrinen, neuer Beschriftung und mit der Präsentation der schönsten beziehungsweise bedeutendsten Ausstellungsstücke aus den Grabbeigaben des in Waging gefundenen Gräberfelds.

Die für Waging zuständige Abteilungsleiterin Mittelalter und Neuzeit an der Archäologischen Staatssammlung München, Dr. Brigitte Haas-Gebhard, die die Waginger Fundstücke als »ganz außergewöhnlich« bezeichnet hat, sei laut Claudia Schemmer sehr stark daran interessiert, dass das Waginger Bajuwarenmuseum erhalten bleibt – wenn auch in einer verkleinerten Variante. Die Staatssammlung würde dazu kostenlos alle erdenkliche Hilfe leisten, Mobiliar zur Verfügung stellen, beispielsweise eben Spezial-Vitrinen, die den klimatischen Bedingungen entsprechen, die für den dauerhaften Erhalt der alten Fundstücke notwendig sind, und auch bei der Neueinrichtung mit Personal aushelfen. Außerdem sind von den Mitarbeitern der Staatssammlung bereits alle Waginger Ausstellungsstücke überarbeitet und restauriert worden.

»Grund-Ausstellung, die uns nicht ständig braucht«

So könnte eine, wie Claudia Schemmer sagte, »pflegeleichte Ausstellung« entstehen, die im Bedarfsfall punktuell erweitert oder umgestaltet werden könne. Sie nannte es »eine Grund-Ausstellung, die uns nicht ständig braucht«. Auch eine dauerhafte Aufsicht werde nicht notwendig sein. Gleichwohl müssten sich immer wieder Leute einbringen, eventuell auch Schulklassen, die etwa im Bereich von Seminaren oder Facharbeiten einzelne Themen bearbeiten könnten.

In der Diskussion wurde festgestellt, dass für eine Verwirklichung dieses Konzepts noch viel Feinarbeit notwendig ist. Nicht zuletzt müsse auch der finanzielle Beitrag der Pfarrei zu einer neuen Bücherei eruiert worden; bestätigt wurde lediglich – sowohl von Kämmerer Bernhard Kraus wie auch von Bürgermeister Herbert Häusl, dass Pfarrer Andreas Ager einem Umzug der Bücherei ins Bajuwarenmuseum positiv gegenüberstehe.

Der frühere Ortsheimatpfleger Franz Patzelt, so berichtete seine Nachfolgerin Schemmer, stehe hinter dem vorgestellten Konzept und sehe darin eine Perspektive, das Museum zu erhalten – noch dazu mit den Synergien, die eine gut besuchte Bücherei mit sich bringe. Gesprochen wurde auch über Kosten und Personal. Claudia Schemmer sagte, sie sei keine Museumsplanerin und könne daher keinerlei Kostenschätzung abgeben. Dazu meinte der Bürgermeister, es sei klar, dass die Gemeinde Geld in die Hand nehmen müsse, wenn das Museum erhalten bleiben soll: »5000 oder 10 000 Euro werden da nicht entscheidend sein!« Dritte Bürgermeisterin Hedwig Witzleben gab zu bedenken, dass ein Museum – und sei es auch klein und pflegeleicht – sicherlich nicht völlig ehrenamtlich betrieben werden könne. Es würde wohl mitunter nötig sein, zumindest stundenweise bezahlte Kräfte zu engagieren.

Bürgermeister wünscht sich einstimmige Entscheidung

Letztendlich, stellte Bürgermeister Häusl fest, höre er keine grundsätzlichen Widersprüche mehr zum vorgestellten Konzept. Dieses soll nun am 28. Juli dem Gemeinderat vorgestellt werden. Häusl würde sich wünschen, dass die Gemeinderäte über die Zukunft des Bajuwarenmuseums möglichst einstimmig beschließen. Dann könnte man an die Arbeit gehen – was auch notwendig wäre, wenn der angepeilte Neueröffnungs-Termin im Frühjahr 2017 eingehalten werden soll. he

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