weather-image
18°

Pläne für Hotelprojekt in der Au sind geplatzt

3.6
3.6
Bildtext einblenden
Anstelle der Franz-Eyrich-Halle sollte ein Hotel entstehen. Aus diesen Plänen wird jedoch nichts. Die Investoren zogen ihr Kaufangebot zurück, nachdem die Stadt ihnen die Unterstützung entzog. (Foto: Artes)

Traunstein. Das Hotelprojekt »Salinenhöfe« in Traunstein ist geplatzt. Die Investoren Stefan und Christian Wieninger sowie Manfred Haberlander haben ihr Kaufangebot für das Grundstück in der Au zurückgezogen. Ihnen fehlte zuletzt von Seiten der Stadt der Rückhalt, um ein so großes Projekt zu realisieren.


Wie Manfred Haberlander im Gespräch mit der Heimatzeitung sagte, war den Investoren von Anfang an die volle Unterstützung der Stadt wichtig – sowohl des Stadtrates als auch der Verwaltung. »Für ein Projekt dieser Größenordnung braucht man die 120-prozentige Unterstützung.« Und bis dato habe es eine sehr harmonische Kooperation mit der Stadt und dem Turnverein gegeben. Nach dem Politikwechsel seien aber andere Prioritäten gesetzt worden. Spätestens seit dem Interview mit Christian Kegel im Traunsteiner Tagblatt sei klar gewesen, der neue Oberbürgermeister unterstütze ein Hotelprojekt – aber nicht auf dem Gelände der Franz-Eyrich-Halle. Das wurde auch bei einem Gespräch am Mittwoch im Rathaus deutlich. »Wir sind enttäuscht, werden die Entscheidung aber so hinnehmen«, so Haberlander. Die Stadt habe angekündigt, den Investoren neue Standorte zu präsentieren. »Das hören wir uns an.«

Anzeige

Überraschend ist diese Wendung trotzdem, schließlich hatte der Stadtrat in seiner Sitzung im April dem Verkauf des städtischen Grundstücks bereits zugestimmt, auch der TVT war sich mit den Investoren einig.

Zur Vorgeschichte: Im Februar dieses Jahres war bekannt geworden, dass heimische Investoren auf dem Areal der Franz-Eyrich-Halle ein Hotel bauen wollen. Das Grundstück gehört zu großen Teilen dem Turnverein Traunstein und zu einem kleineren Teil der Stadt. Schon lange hatte der Turnverein für die marode Halle einen Käufer gesucht. Der TVT soll stattdessen die Turnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium mitnutzen, die neu gebaut wird. Dagegen formierte sich Widerstand: Dietrich von Dobeneck und Otto Huber wollten mit Unterstützung des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein und dem Förderverein Alt-Traunstein sowie einem anonymen Geldgeber ihrerseits das Areal erwerben, um einen »Salinenpark« entstehen zu lassen. Laut Informationen der Heimatzeitung boten sie eine Million Euro für das TVT-Grundstück.

Der Turnverein sowie die Stadt favorisierten jedoch die Investorengruppe Wieninger und Haberlander, die unterm Strich ein höheres Angebot abgegeben hatte, das gesamte Areal kaufen wollte und auch den Abriss der Turnhalle bezahlt hätte. Geld, das Stadt und Turnverein eigentlich auch schon wieder ausgegeben haben: Schließlich sicherten sie dem Landkreis – ebenfalls im April – zu, sich finanziell an dem AKG-Turnhallen-Neubau zu beteiligen. Deshalb wurde statt der Zweifach- eine Dreifach-Turnhalle für etwa 7,2 Millionen Euro geplant. Nach Informationen der Heimatzeitung muss die Stadt Traunstein drei Millionen Euro beisteuern. Einen Teil davon wollte sie aus dem Grundstücksverkauf in der Au finanzieren (etwa 500 000 Euro), 600 000 Euro Verkaufserlös sollte der TVT beisteuern. Diese 1,1 Millionen Euro muss die Stadt nun anderswo auftreiben.

Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) wollte sich dazu gestern nicht äußern. »Ich will mich erst mit der Verwaltung absprechen.« Am Freitagmorgen hatte er ein Schreiben an die Stadträte verschickt, in dem er darüber informierte, dass Wieninger und Haberlander ihr Angebot zurückgezogen haben.

2. Bürgermeister Hans Zillner (CSU) berichtete gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt, dass es in der Stadt Befürchtungen gegeben habe, die Zustimmung im Stadtrat könnte kippen, wenn erst über die Größe des Hotels gesprochen werde. Einig sei sich das Gremium von Anfang an nicht gewesen. In letzter Zeit habe sich die Stimmung aber immer mehr gegen das Hotelprojekt gewandt. Sicher ist: Dem Turnverein soll kein Nachteil entstehen, vielmehr müsse die Stadt nun schauen, wie sie die Mehrkosten für den Neubau der AKG-Turnhalle auftreibe.

Rudolf Belser, Vorsitzender des Turnvereins Traunstein, wundert sich nicht über die Kehrtwende in der Stadt. »Ich wusste, wie die SPD zu dem Thema steht.« Sein Verein werde am Montag mit dem Förderverein Alt-Traunstein ein Gespräch führen: »Wir sind offen und hören uns an, was sie anzubieten haben.« Mit dem Neubau der AKG-Turnhalle sei das Überleben des Vereins gesichert. Deshalb wolle sich der TVT nach wie vor an den Kosten beteiligen.

Scharfe Kritik an der Vorgehensweise der Stadt äußerte Thomas Miller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Traunstein: »Traunstein hat damit eine große Entwicklungschance vertan.« Jahrzehnte lang sei man auf der Suche nach einem Hotelbetreiber gewesen und hätte nun sogar einen bodenständigen, hiesigen Investor gehabt. »Wenn man schaut, wie mit ihm umgegangen wurde, braucht sich die Stadt nicht wundern, wenn man künftig schwer Investoren gewinnen kann.« Er befürchtet auch, dass das Aus für das Hotelprojekt »Salinenhöfe« Auswirkungen auf den Standort Traunstein haben könnte. »Wenn das Schule macht, dass geltende Stadtratsbeschlüsse über den Umweg der Verwaltung – und soviel ich weiß ohne erneute Beratung im Stadtrat – ausgehebelt werden, dann ist das kein gutes Zeichen für zukünftige Investoren und auch keines für den Wirtschaftsstandort Traunstein. Auf welches Wort sollen sich zukünftige Handelnde noch verlassen«, so Miller weiter. ka

Blattl Sonntag Traunstein